Definitiv zutreffend, auch wenn das Schneidern weniger zu meinem
Aufgabenbereich fällt. Eine Katze mag sieben Leben haben. Diese
folgen aber eines dem anderen. Als Aupair/ Au Pair/ AuPair /Oh Pähr
(einigen wir uns auf die einfachste Schreibweise „Aupair“, um
rheumatischen Erscheinungen in meinem linken Ringfinger vom vielen
Shifttaste-Drücken vorzubeugen) führt man sieben Leben parallel –
„Sieben auf einen Streich“!
Wem kommt nicht manchmal der Gedanke,
dass all die zu erfüllenden Aufgaben und Dinge, an die man denken
muss doch schon viel zu viel für ein einziges Leben sind? Nicht aus
Spaß gibt es zu jedem nur erdenklichen Thema eine Liste in meinem
Handy, meinem Kalender oder meinem Ordner (zu finden unter „Listen“
(echt jetzt)). Ok, ich gebe zu, mittlerweile ist es auch Spaß, war
es eigentlich immer. Aber ich komme vom rechten Weg ab! Wie
vereinbart man also gleich sieben Leben in einem, wenn es doch
trotzdem nur 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche gibt?
Vermutlich ist es das Beste, die Rollen, die man so spielt, möglichst
wenig durcheinander zu bringen, so dass man sich zur jeweiligen Zeit
nur um das jeweilige Thema einen Kopf machen muss. Versucht man mal,
die Rollen auseinanderzupulen, sieht das ungefähr so aus (bevor
jemand versucht, eine Logik in der Reihenfolge zu finden, diese ist
per Zufallsgenerator bestimmt) :
Leben 1: Das neue Familienmitglied
Für die Gasteltern im besten Fall eher
eine Cousine, Schwester oder familiäre Freundin. Ein zusätzliches
Kind wünscht sich sicher keine Familie, die nach einem Aupair sucht.
Bei uns sind es ja nun auch nur alberne neun Jahre Altersunterschied
zwischen „Gastmama“ Michelle und mir, was vermutlich die Ursache
dafür ist, dass wir von Anfang an auf einer Augenhöhe und wunderbar
miteinander kommunizieren konnten. Für die Kinder bin ich vermutlich
und ebenfalls im besten Falle so etwas wie eine große Schwester
geworden. Auch die Großeltern und Tanten/Onkels haben mich von
Anfang an aufgenommen wie ein eigenes Familienmitglied, das einfach
lange sonstwo war und wieder da ist, wo es hingehört. Hingehören..
Genau das ist doch das Gefühl, das jeder sich wünscht in seiner
Familie und auf das man auch in Beziehungen mehr oder lieber weniger
mühsam hinarbeitet. Zueinander gehören!
Und so macht man sich in diesem Leben
einen Kopf um andere Familienmitglieder, darum, ob es allen gut geht,
darum, wie man einander helfen kann und darum, wann man einander
wiedersieht.
Leben 2: Das Familienmitglied der
„traditionellen Art“
Hier bin ich Schwester, Tochter,
Enkelin, Cousine, Nichte und was nicht sonst noch alles. Aber da gibt
es ja noch eine Familie – MEINE Familie. Da bin ich doppelte
Schwester, Tochter, Enkelin, Cousine, Nichte und was nicht sonst noch
alles. Alles und vor allem jeden hat man zurückgelassen und vermisst
jeden einzelnen hier jeden einzelnen Tag!
Und so macht man sich einen Kopf um
andere Familienmitglieder, darum, ob es allen gut geht, darum, wie
man einander helfen kann und darum, wann man einander wiedersieht.
Leben 3: Die Freundin
Nicht nur die Familie ist zu Hause
geblieben. Auch die Freunde und nicht zuletzt der Freund. Dank Skype
und Kopf und Herz voller Erinnerungen ist natürlich jeder ein
Stückchen näher bei mir und kann so gut es geht alles miterleben.
An dieser Stelle auch ein ganz liebes Dankeschön an meine liebe
Ziegi und meine liebe Anna für die schönen Heimweh-1.Hilfe-Boxen,
die ich glücklicherweise noch nicht gebraucht habe, die mich aber
jeden Tag wieder von meinem Regal aus anlächeln, mein Zimmer und
jeden Tag verschönern (vermutlich habe ich es genau deswegen noch
nicht gebraucht. Ist es doch wie mit Regenschirmen – hat man einen,
braucht man keinen).
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| Der Delete-Ring für schlechte Tage (auch noch nicht gebraucht) |
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| "Home is where your heart is" |
Seid euch gewiss, liebe Freunde, ich
denke jeden Tag an euch, wünschte mir, ihr wärt alle hier und freue
mich über jeden, von dem ich hier ein paar Zeilen lesen darf oder
der über Skype einen Kaffee oder Wein mit mir trinkt.
Und so macht man sich einen Kopf um den
daheimgebliebenen Freund, fragt sich, wie er sich wohl fühlt,
wissend, dass es einem selbst leichter fallen muss, so in einer
komplett neuen und tollen Umgebung, wo er selbst doch im gleichen
alten Trott geblieben ist – nur eben ohne mich. (Sicher ja auch mal
ganz schön, oder?) Macht sich einen Kopf um seine Freunde, darum, ob
es allen gut geht, darum, wie man einander helfen kann und darum,
wann man einander wiedersieht.
Leben 4: Jules – die neue Freundin
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| Julia, Lena & Jules biem Picknick in Fremantle |
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| Vivi, Hannah (aka Hans), Freya und Juju am Bahnhof Perth Underground |
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| Trend-Testen im Shoppingcenter "Batmaaaan" |
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| Jules und Hans mit geliebtem Boost-Smoothie |
Wollen wir mal hier nicht nur so
melancholisch und sentimental vor uns hinschreiben. Party ooon! Perth
ist alles andere als eine traurige oder Trübsal-blasende Stadt. Und
so war es leicht, schnell viele tolle und spannende Kontakte zu
knüpfen. Mit meinen Mädels (wie, nur Mädels? Ja, nur Mädels!)
verbringe ich wunderschöne Stunden und Tage und ich freue mich, in
ihnen neue Freunde gefunden zu haben, mit denen ich diese aufregende
Zeit teilen kann. Yummi Lunch im Lieblingscafe „Yelo“,
Milchshake, Kaffee, Cider, Wein, Shopping und nun das Spannendste:
Unser erster gemeinsamer Urlaub! Am 28. November geht es für fünf
Nächste nach Lombok in Indonesien, wo wir zu sechst 3 Suiten mit
eigenem Pool teilen und mal Urlaub vom ständigen Strand und Spaß
machen. Albern in den Urlaub zu fahren, wenn man doch durchgehend im
Urlaub ist, möchte man meinen, aber ein Tapetenwechsel hat ja
bekanntlich noch niemandem geschadet, außerdem tut es ja auch sicher
niemandem weh, ein zusätzliches Stückchen dieser schönen Welt zu
sehen.
Und so macht man sich einen Kopf um
seine neuen Lieben, darum, ob es allen gut geht, darum, wie man
einander helfen kann und darum, wann man einander wiedersieht.
(So, Ladies, I'm so happy to have you
here, am so looking forward to flying to Lombok with you and hope for
round about a million of nice Milkshakes, Sunday Sessions, Beach
Times and Picnics to whichever time of the day! You're filling my
time with lots of love and fun!
Big TA for that!!)
Leben 5: Der Tourist
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| Australien in der Tube oder im Pott. Wundermittel gegen trockene Haut! |
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| Lunch im geliebten "The Coffee Club" |
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| Bizarr und gar nicht soo eklig. Cola-Rosinen |
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| Lunch im geliebten "Yelo Cafe" |
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| Vegemite-Regal im Supermarkt |
Die Kamera darf natürlich nirgends
fehlen. Und wenn doch mal, dann muss eben die hochqualitative (...)
Handykamera herhalten, damit im „Leben danach“ auch nichts in
Vergessenheit gerät. Außerdem wollen ja die geliebten Blogleser
auch alles sehen, nicht wahr? Und so packt man an den schlichtesten
und langweiligsten Orten oder ganz unauffällig im Restaurant mal
schnell das Handy aus und – zack – Foto gemacht. Gelegentlich
kommt man sich dabei ziemlich albern vor, das Ergebnis ist es dann
aber doch fast jedes Mal wert.
Und so macht man sich in diesem Leben
einen Kopf um ein schönes Bild, ein schönes Souvenir, das richtige
Licht oder darum, unbeobachtet zu bleiben, wenn man zum gefühlten
zwanzigsten Mal seinen Milchshake fotografiert.
Leben 6: Die Mutti
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| Im Park mit Leah |
Erziehung ist nicht meine Aufgabe.
Darüber bin ich ganz froh, das kommt schon noch früh genug auf
einen zugerollt. Als Aupair führt aber glücklicherweise kein Weg an
gewissen – nennen wir es mal mütterlichen Pflichten – vorbei.
Und so backe, räume, wasche, putze, ermahne, koche und stricke ich.
Außerdem lese ich vor, nehme in den Arm, putze Gesichter, gebe das
Fläschchen, bereite das Frühstück (was wohl, meistens Vegemite und
Butter auf Toast), räume hinterher, erkläre, spiele und sorge mich.
All das genieße ich!
Und so mache ich mir einen Kopf um die
Kinder, ob es ihnen gut geht, wie ich ihnen helfen kann und wann sie
endlich schlafen.
Leben 7: Juju
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| Mittagspause am North Beach |
Spät eingefallen und doch nicht
vergessen. Bei so vielen Leben macht man sich eben einen Kopf um
alles, da sollte man doch selbst nicht allzu kurz kommen. Sicher, es
betrifft ja alles mich, sind es ja meine Rollen, mein Leben. Aber es
gibt ja auch noch mich – einfach nur als Ich. Schlicht meine Person
und da muss man sich gelegentlich dran erinnern, den Kopf für die
weiteren sechs Leben mal für einen Moment lang auszuschalten, um
Raum zu machen für sich selbst. Was möchte ich machen, was nicht?
Brauche ich Ruhe? Brauche ich Action? Brauche ich Spaß oder brauche
ich nichts? Was kommt jetzt, was kommt danach? Möchte ich mehr sehen
oder möchte ich bleiben?
Und so mache ich mir gelegentlich einen
Kopf um mich selbst, ob es mir gut geht oder was ich mir Gutes tun
kann. Muss man anscheinend üben, tut aber gut, wenn man es dann
einigermaßen beherrscht, sehr empfehlenswert!
Und so leben ich hier meine sieben
parallelen Leben genüsslich vor mich hin und versuche sie schön
sortiert zu halten.
Nun aber zur Rolle der Blogschreiberin
(dürfte wohl ein wenig Freundin, ein wenig Familienmitglied und vor
allem Juju sein), folgt hier noch der Bloggruß. Der geht heute an
meine liebe Schwiegerfamilie! Ein dickes Dankeschön an euch, dass
ihr mir unseren Nils ab nächster Woche überlasst, damit er hier in
Australien meine Leben durcheinanderbringen kann! Ich werde gut auf
ihn aufpassen und ihm wenn nötig beim Sortieren seiner Leben helfen!
Fühlt euch umarmt und lasst es euch gut gehen!