Au Pair in Australien.. Auch nach vier
Wochen fühlt es sich noch an wie Urlaub und das obwohl mich der
Radiowecker täglich um 7:15 Uhr mit immer wieder neuen Klängen
überrascht. Von lautem Rauschen über griechisch-melodiöse Lieder
bis hin zu den aktuellsten australischen Dance-Hits war bisher alles
dabei. Mal sehen, welcher Sender morgen unter dieser Frequenz meine
Ohren beglücken und mich aus dem schönsten Schlaf reißen darf. Es
bleibt spannend.. Und auch wenn es früh ist, macht es einem doch
wenig aus, wenn der „Arbeitstag“ für die ersten zwei Stunden im
Schlafanzug (hier liebevoll (Py-)Jami genannt) beginnt.
Das Au Pair-Treffen zum gemeinsamen
Pizza lunchen letzten Samstag hat aber auch gezeigt, dass bei Weitem
nicht alle „Kolleginnen“ so großes Glück haben, wie meine
Au Pair-Cousine Hannah (an dieser Stelle liebe Grüße zurück an
dich) und ich. Herzlich, harmonisch, offen – eine großartige
Familie, die zusammenhält und in der jeder zur Freude anderer
beitragen will. Oma Julia sagte neulich: At the end of the day, it's
always the family! - sehr schön gesagt, sehr richtig, ich stimme
voll und ganz zu!
Ja, es fühlt sich gut an, hier und
sofort als Teil dieser tollen Familie aufgenommen worden zu sein!
Dennoch – wie heißt es so schön? Ich bin ja nicht aus Spaß hier!
Oder doch? Geschäftlich privat im Arbeitsurlaub könnte man sagen.
Um euch diese konfuse Situation verständlicher zu machen, heute ein
Einblick in meinen „Arbeitsalltag“. (Ihr seht, ich KANN es nicht
Arbeit nennen, so sehr ich es versuche..) Daher gebe ich mich
geschlagen, und nenne es nicht Fleiß, Arbeit oder Pflicht.. Ich
nenne es offen für jede Interpretation: KINDER, KINDER...
James – 5 Jahre
Nie habe ich charmantere Sommersprossen
gesehen. Der kleine Oliver Twist ist sprachbegabt und ausgesprochen
intelligent. Nicht nur in Bezug auf seine exzellenten Schulnoten (und
das weiß ich, obwohl das Benotungssystem für die Vorschüler höchst
uneinleuchtend ist), sondern auch bezogen auf soziales Verhalten.
Ein Blick in seine Augen und du spürst genau, wie er gerade dabei
ist, dich genauestens zu analysieren. Er durchschaut andere Menschen
schnell und kann genau sagen, wer in der Vorschule Märchen erzählt,
wer der Frechdachs ist, welches der Kinder gemein zu anderen ist und
wer ein guter Freund sein kann. Und weil er Menschen so gut kennt,
ist er erstmal vorsichtig. Umso glücklicher bin ich darüber, dass
er mich scheinbar in sein Herz schließen will.
Momentanes Lieblingsspielzeug:
Vulkan, in den man Backpulver füllt
und dann vorsichtig Essig gießt, was in Kombination mit roter
Lebensmittelfarbe einen wunderbaren Ausbruch ergibt.
Unsere schönsten Momente:
- als er meinem Kuschel-Koala den Namen „Rosy“ gegeben hat und seitdem fast täglich fragt, ob ich das noch weiß und wie es ihr geht
- wie er sich jedes Mal freut, wenn ich ihn Mister Bony-Bottom nenne, wenn er sich mit seinem kleinen, knochigen Hintern auf meinen Schoß setzt
- jede deutsche Vokabel oder Gebärde, die er erfragt und dann diszipliniert solange übt, bis es super klappt (gar nicht so leicht bei Brokkoli und Küchenrolle..)
- als er mir beim Uno spielen aufgeregt strahlend seine letzte Karte auf der Hand zeigt und flüstert: „I'm going to win!“
- als er meinte, wenn Leah 3 oder 4 ist, bringt er ihr bei, einen Schraubenzieher zu benutzen
- als er mich zur Schlafenszeit gefragt hat, ob ich ihm drei Minuten lang den Rücken klopfen und streicheln kann und mir dann gezeigt hat, wie genau er sich das Ganze vorstellt
- als er meine Bolognese probiert hat, beide Daumen weit nach oben zeigten und er überzeugt sagte: Wow, awesome!!!
- jedes Mal, wenn er stolz und bemüht, aber ausgesprochen französisch meinen Namen sagt (manchmal erwischt man ihn dabei, wie er das heimlich übt, während er spielt und dabei leise meinen Namen flüstert – immer und immer wieder)
- als er beim Skypen mit Nils dazukam und meinte, dass er ihm beibringt, den Australian Football zu kicken, wenn er hier ist
Lewis – 3 Jahre
Ein absolutes Energiebündel! Manchmal
powert er sich so sehr aus, dass er entweder einfach nachgibt und zum
Beispiel mit Eis in der Hand einschläft oder aber völlig
durchdreht. Er ist eben viel zu gern wach und verpasst ungern auch
nur eine einzige Minute des Tages.
Lewis ist ein sehr humorvolles Kind,
das unheimlich gern lacht („Julie, tickle me!!). Da war der
Kinobesuch mit einem lustigen Film natürlich genau das Richtige. Er
ist nämlich auch ein absoluter Fernsehliebhaber und würde, wenn er
denn dürfte, am liebsten den ganzen Tag mit Glotze und seinem iPad
verbringen. „Leider“ achten Mummy und Daddy aber darauf, dass es
begrenzt und pädagogisch möglichst wertvolles Programm ist. Dennoch
– Lewis kennt alles, was das Kinderprogramm so hergibt, seien es
Bananas in Pyjamas, Fireman Sam oder Peppa Pig. Und natürlich –
wie sich das für einen echten Junkie gehört – liebt er jede
Sendung.
Ich habe Lewis schon jetzt viel zu
verdanken! Er hat mich von der ersten Minute an offenst (einzig
passendes Wort an dieser Stelle, also verzeih, Herr Duden)
aufgenommen und ist schon jetzt ein kleiner Bruder für mich!
Außerdem habe ich nur seinetwegen ständig einen Ohrwurm von
„Peeeeppa Pig...“.. Lewis ist lieb, nervig, cool, schlau und
herzlich - der Süße!
Momentanes Lieblingsspielzeug:
Furzkissen – vor jedem Essen muss
jeder sich mindestens zwei Mal draufsetzen und dann ganz überrascht
sagen: „What was thaaaaaat?“, woraufhin er dann laut lachend
sagt: „YOUUUUU!“
Unsere schönsten Momente:
- als er das erste Mal fest seine Arme um meine Beine geschlossen hat, um sich zu verabschieden, bevor er zur Schule gegangen ist
- als er gestern abend „Tschüß“ gesagt hat, als Gastmutter Michelle und ich das Haus verlassen haben
- wie er fast jedes Mal auf meinen Schoß gekrabbelt kommt, wenn ich abends vor dem Kamin sitze
- wie er mich beim Essen fragt, ob ich das vorher schonmal gegessen habe (sogar bei den selbstgeriebenen Kartoffelpuffern mit Apfelmus, die ich letzte Woche gemacht hab)
- gute-Nacht-High-Fives
- als er zwei Tage nach meiner Ankunft meinte, dass er lilane Fingernägel eigentlich nicht mag
- als ich meine Bolognese gewürzt habe, er konzentriert sein Kinderprogramm verfolgt hat und dann ohne aufzusehen meinte: „Well, actually I don't like Pepper!“)
- als es ihm dann aber so gut geschmeckt hat, dass er drei ganzen Portionen verputzt hat
Leah – 8 Monate
Ganz altersgemäß kann ich natürlich
noch keine Zitate hier aufführen und auch bewegungstechnisch ist sie
– sagen wir – bequem. Warum soll ich mit acht Monaten krabbeln,
wenn mich schon irgendjemand durch die Gegend schleppt, wenn ich nur
lange genug brülle? Recht hat die kleine Haare-Zieherein. Trotzdem
hat der Wille sie jetzt gepackt und sie übt fleißig jeden Tag, auf
ihre kleinen Knie zu kommen und sich vorwärts zu bewegen –
rückwärts klappt schon super, frustriert sie aber
verständlicherweise mehr als dass es Freude macht.
Leah hat das entzückendste Lachen und
jedes kleine Lächeln entschädigt für den langsamen Verlust des
Hörvermögens – kleine Brüllwurst!
A propos Wurst – Leah ist ein
absoluter Schnellesser. Beide Arme in die Höh' und schon geht’s
los. Ungestoppt und bloß geschätzt dürfte die Bestzeit wohl bei
circa 27,8 Sekunden liegen. Wenn du beim Füttern absetzt, hast du
verloren!
Unglaublich schön! Leah, die kleine
Missy, ist eine absolute Bereicherung für meine AuPair-Erfahrung.
Sie ist so voller Freude und Liebe und hilft einem mit kleinen
Schmuse-Einheiten sicher irgendwann über die noch ausbleibende
Heimwehattacke.
Momentanes Lieblingsspielzeug:
Fernbedienung - da kommt sie wohl nach Lewis. Oder nach James, der Krabbeln gelernt hat, als man ihm die Fernbedienung vor die Nase gelegt hat.
Unsere schönsten Momente:
- Badestunde kurz vorm Schlafengehen
- die gemeinsamen Spaziergänge
- das erste Mal, als sie sich fest an mich gekuschelt hat
- wie sie jedes Mal mit der ganzen Hand meinen Daumen umfasst und mich mit riesigen Augen beobachtet, während ich ihr die Milchflasche gebe
- das gemeinsame Spielen auf der Picknickdecke in Nanutarra
- jedes breite Grinsen, bei dem sie einem alle drei Zähne zeigt
Diese drei Schätze füllen meinen australischen Alltag mit Leben und Freude und zeigen mir jeden Tag auf's Neue, wie erfüllend es ist, Zeit mit Kindern zu verbringen. Ich bin zuversichtlich, hier noch viele entnervte aber auch überglückliche Momente zu erleben!
Mein heutiger Blog-Gruß geht alle meine vier Eltern! Vielen Dank, dass ihr mir beigebracht habt, das Schöne im Leben zu sehen und zu erkennen. Ich vermisse euch sehr, kann aber jeden Moment genießen! Bin in Gedanken bei euch und entschuldige mich hiermit offiziell für jede Minute, die ich als Kind unnötig rumgebrüllt habe. Hab euch sehr lieb!