Mittwoch, 30. April 2014

Vom Großstadt-Dschungel in den Regenwald

Unsere Reise stellt sich schon jetzt als sehr abwechslungsreich heraus. Melbourne war wundervoll! Sydney hat uns ja nun auf den zweiten Blick auch super gefallen. Soweit hat uns die Ostküste also noch nicht enttäuscht. Aber nun geht es wirklich los. Vor genau einer Woche haben wir unseren Mietwagen abgeholt. Bereits ausgestattet mit Stühlen und Tisch, Campingkocher, Wasserkanister, dem allernötigsten Küchenkram und Navi, mussten wir also nur noch schnell zum großen Billigladen Kmart, um uns mit Matratze, Decken und Kissen zu versorgen. Anschließend noch schnell Hunderte von Dollar bei Aldi gelassen fühlten wir uns beim Start gewappnet für die kommende Reise. Nach nun einer Woche hat sich dieser Eindruck auch bestätigt.

Nun reicht es aber auch langsam mit Menschen, dachten wir uns an unseren letzten Tagen in Sydney mehrfach. Überall Gedränge, überall Gesabbel, überall Deutsche. Der Besuch von William und Kate inklusive Baby George sorgte dann noch für den absoluten Menschen-Überfluss. Die Royals im Opera House – alle hin da! Wir völlig ahnungslosen Reisenden stehen also in einer riesigen Menge gafffreudiger Touristen und Monarchie-Fans und fragen uns, was da bloß los ist und ob tatsächlich allein die Sonne all die Leute aus ihren Höhlen gelockt hat. Ein Polizist erwies sich als unser Freund und Helfer und hat uns über den hohen Besuch aufgeklärt. Also doch nicht Justin Bieber. „Nur“ der König in Spee. Am nächsten Tag standen die Blue Mountains auf dem Programm. Unsere Gastgeberin Jess hat uns aber kurz vorher eine warnende SMS zukommen lassen und uns darüber in Kenntnis gesetzt, dass auch die Royals heute in den National Park wollen, um die schöne Natur zu betrachten. Ok, dann verschieben wir den Plan doch lieber um ein paar Tage. Gute Entscheidung!

Die Blue Mountains waren unser erster Schlafplatz, den wir mit „Senfbert, der Höllenrakete“ angefahren haben. Wir wurden von netten campenden Aussies und einem absolut überwältigendem Sternenhimmel willkommen geheißen. Und weil's so schön war, sind wir dann auch gleich zwei Nächte geblieben – wir haben ja Zeit! Am zweiten Abend hat ein schönes kleines Lagerfeuer zur endgültigen Entspannung beigetragen. Genau das Richtige nach dem ganzen Gewusel!



 Am nächsten Tag ging es weiter, immer von der App „Wiki Camps“ geleitet, die uns zu kostenfreien Campingplätzen führen soll – und das bisher auch erfolgreich getan hat. Das Wetter hingegen hat uns etwas im Stich gelassen und es schien, als wollte der Regen gar nicht mehr aufhören.
Über Newcastle nach Port Macquarie – dort waren wir aber auch nur eine Nacht, weil wir schnell die Nase voll hatten von dem deutschen Platz, auf dem wir gelandet waren. Wir müssen uns wohl noch dran gewöhnen, dass diese Seite des Landes einfach voll ist mit Touristen. Inzwischen sind wir allerdings auch froh darüber, weitergefahren zu sein, denn so haben wir einen idyllischen Platz direkt am Fluss in Urunga gefunden, an dem wir ebenfalls eine Nacht verweilt haben und den Regen dann doch ziemlich gemütlich fanden. Erst noch.. Wenn dann erstmal alles klamm ist und man das Gefühl bekommt, sich nur noch im Auto aufzuhalten, kann einem fast die gute Laune vergehen. Aber auch nur fast! Da kommt die Sonne wieder raus und es geht weiter. Noch im selben Ort haben wir dann – Pauli-Pulli sei Dank – wiedermal Deutsche getroffen. Dieses Mal allerdings ein wahrer Glückstreffer. Die Mittvierziger Silke und Lutz waren supernett und haben uns zu einem echten Highlight-Erlebnis verholfen. „Wir fahren gleich in eine Kommune hier im Dschungel, gar nicht so weit. Wollt ihr mit?“ Beste Entscheidung, schnell alles einzupacken und dem großen umgebauten Rettungswagen zu folgen, in dem die beiden wohnen. Die „Bundagen Community“ hat sich als ausgezeichneter Geheimtipp herausgestellt. Allein hätten wir den Weg hierher wohl nie gefunden, also Tausend Dank an die Hamburger!

Bananen

Mit sich selbst im Gleichgewicht


Strand und Berge

der Weg zum Strand

Wir haben hier die letzten zwei Nächte verbracht und haben hier mitten im Dschungel tatsächlich so schön stabiles Internet, dass es sogar möglich ist, endlich den Blog auf's Laufende zu bringen. Nach dem Hochladen geht es weiter, aber wir haben die Zeit hier sehr genossen und werden so einiges nie mehr vergessen. Die Geräuschkulisse, die einem hier geboten wird, ist erstmals erschreckend, aber dann nur noch spannend. Hier ein Knistern, da ein Knacken. War das jetzt'ne Schlange? Abgesehen vom sich bewegenden hohen Gras (und das war bestimmt eine), sind uns hier keine begegnet. Nachts kommen wohl Dingos raus, also lasst kein Fleisch oder Knochenreste draußen, hat man uns gewarnt. Ok, das kriegen wir hin. Ansonsten superviele Vögel, die alle anders klingen. Von Mücken sind wir ziemlich zerstochen jetzt, aber das war ja fast nicht anders zu erwarten. Wir haben uns inzwischen aber mit allen notwendigen Abwehrmaßnahmen eingedeckt. Eingesprüht und beräuchert verbringen wir die Abende also im Schein der Citronella-Kerze. Romantisch und entspannt! Die kalten Regenwasserduschen hätte man sogar für einen Dollar warm haben können, aber das muss ja nicht unbedingt sein. Auf dem Weg durch den Dschungel zum Strand hatte ich dann auch die erste Begegnung mit den so häufig angekündigten Blutegeln. Da wollt sich so'n freches Viech doch einfach an meinem Fuß andocken. Da er aber noch ziemlich klein war, dürfte er da noch nicht so lange geklebt und mich ausgesaugt haben. Von Zecken sind wir glücklicherweise verschont geblieben.

Gleich geht’s weiter die Ostküste hoch. Mal sehen, wo wir als nächstes landen. Bisher lässt sich sagen, es ist spannend und aufregend und wir haben viel Spaß. Und da die Frage auch schon oft kam: Ja, wir vertragen uns!

Mein Blog-Gruß geht heute an alle, die gerade das Gefühl haben, völlig überarbeitet zu sein und dringend Urlaub zu brauchen. Ich schicke euch ganz viel Entspannung und schöne Gedanken – habe davon ja ohnehin gerade mehr als ich verbrauchen kann. Vielleicht geht ihr schnell mal ins Internet und bucht eine Reise? Oder fahrt einfach raus! Selbst wenn es nur an die Ostsee geht. Die Ausmaße und Entfernungen, die hier zwischen einzelnen Städten liegen (wir sind immernoch im selben Staat mit Sydney..) lassen einen vollkommen anders darüber denken. Einfach machen – ist ja nicht weit! Also los und raus aus dem Alltag, Tapetenwechsel und Kopf aus!



Dienstag, 22. April 2014

Sydney 2.0

Reichlich übermüdet von anderthalb spannenden Wochen in Sydney melde ich mich ein letztes Mal umgeben von stabilem Internet zu Wort. Die Zeit ist – wen überrascht es noch – vergangen wie im Fluge. Nachdem wir die erste Woche warm und geborgen bei einem lieben Sydney'er Pärchen direkt beim Coogee Beach untergekommen sind, haben wir die letzten vier Nächte bei Maike im Stadtteil Camperdown verbracht. Wir können uns absolut glücklich schätzen, da all unsere Gastgeber sich von ihrer liebsten Seite gezeigt haben und ja, sogar Sydney hat das dieses Mal getan!

Im November waren wir ja schon einmal hier, haben Nils' Schwester Jana und meine liebe Bandkollegin Bine getroffen. Dieses Mal sind wir mit eher geringeren Erwartungen in diese große Stadt zurückgekehrt. Im letzten Jahr hatten wir viel Regen, unsere Unterkunft war doch recht weit draußen (in Marayong, für alle, die es googlen wollen) und somit waren die fünf Tage doch eher zäh und leider weniger beeindruckend. Dieses Mal hingegen hat Sydney bewiesen, dass es die richtige Entscheidung war, ihm noch eine Chance zu geben. „Lass uns doch, wenn wir die Ostküstentour machen, Sydney einfach überfliegen. Kennen wir ja jetzt, mögen wir nicht!“ Gut, dass wir nochmal darüber nachgedacht und uns korrigiert haben. Sydney kann also auch schön!
Wir hatten nun elf Tage, davon viele sonnig. Wir waren touristisch in der Innenstadt unterwegs, haben uns aber auch von den Insidertipps der hier Lebenden leiten lassen. So führte unser letzter Spaziergang heute in den Nachbarstadtteil Newtown – dem Schanzenviertel Sydneys! Wunderbar! Nebst günstigem Lunch gab es eine Nase voll Buchladen und viele spannende und farbenfrohe Schaufenster.


Lecker Laksa in Chinatown



Auch die touristischen Attraktionen sind im Sonnenschein natürlich gleich dreimal so schön, was dazu geführt hat, dass die Kamera auf Hochtouren lief und die Speicherkarte jetzt vollgestopft ist mit dem Sydney Opera House und der schönen Harbour Bridge. Mit einer Prise Stolz darf ich auch in dieser Stadt behaupten: Ich hab's geschafft! Ich bin drübergelatscht, über die Brücke! Ziemlich hoch, muss man sagen, aber das Zähnezusammenbeißen diente ja einem guten Zweck. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Papa und Heike für das schöne Weihnachtsgeschenk. Unser ganz persönliches „Love-Lock“ hängt jetzt hoch oben über Sydney und so können wir wenigstens an der Ostküste für immer in Australien bleiben. 









Fleißig gelaufen sind wir hier. Wir haben einige Kilometer gemacht – viele zusammen mit anderen Touris, manche allein und ungehetzt. Man lässt sich schnell mitreißen in der Hektik dieser Großstadt. Hier ist alles so viel schneller als in Melbourne und erstrecht schneller als in Perth. Der „Coastal Walk“, ein Auf und Ab entlang der Küste von Coogee Beach bis hoch zum Bondi Beach, war weit und wunderschön! Man muss aber wirklich sagen, dass die ganzen Menschen uns langsam angefangen haben zu nerven. Wie können so viele Leute an einem Tag die selbe Idee haben, was sie machen wollen? Gut, es ist nicht abwegig, das Meer sehen und vielleicht eine Runde darin baden gehen zu wollen. Aber das ständige Gedrängel und Geschiebe hat das entspannte Natur-Gucken leider etwas madig gemacht. Meine Fotografenseele hat es außerdem bluten lassen, dass ständig und in jedem Bild Menschen zu sehen waren, die sich einfach frech von allen Seiten hineingeschoben haben. Weniger erfreulich. Somit also lieber wieder mit bloßem Auge die Aussicht genossen anstatt durch den Sucher.

der schöne Coogee Beach

Lebensretterinnen - es gibt schlechtere Arbeitsplätze..



Den Tag auf dem Flohmarkt in Rozelle haben wir dafür umso mehr genießen können. Keine Touristen, kein Gedränge. Stattdessen tolle Stände, herrlich riechendes Essen und eine Zwei-Mann-Live-Jazzband vom Allerfeinsten. Ein wunderbarer Tag bei wunderbarem Wetter in einem wunderbaren Stadtteil! Darauf einen Kaffee!

Morgen geht es nun schon weiter. Unvorstellbar, dass es die letzte Nacht im richtigen Bett sein wird, aber wir freuen uns tierisch auf unsere kleine, neue, fahrbare Einzimmerwohnung und unser schönes Abenteuer ohne Plan, Zwang und Dusche. Noch ein einziges Mal den Wecker stellen, um pünktlich zu sein, um all unser Hab und Gut in den Kofferraum zu laden. Dann geht es erstmal zum Einrichten, eine Matratze muss her, Kissen, Decken.. was man zum Wohnen so benötigt.
Die Flasche Rotwein zum Anstoßen auf unseren ersten gemeinsamen Autoreise-Abend haben wir schon!

Prost sage ich heute in meinem traditionellen Blog-Gruß meiner lieben Freundin Wiebke! Ich hoffe, es geht dir gut und freue mich immer, von dir zu lesen. Eine ganz feste Umarmung nach Berlin, das hoffentlich immer bunter aussieht und nach Frühling riecht!

Montag, 14. April 2014

Melbourne – neue Liebe

Mir gegenüber ein lässiger Typ, der über seiner Wollmütze große Kopfhörer trägt. Sein Laptop ist voller Aufkleber, sein Fuß wippt im Takt eines Liedes, das ich nicht höre. Neben ihm ein eingerollter, dünner Kerl, der versucht trotz des lauten Footballspiels auf der großen Leinwand zu schlafen. Nils und sein Couchnachbar drücken ihre Hintern gemütlich ins weiche, schwarze Ledersofa. Neben mir flirtet ein Mädchen mit ihrer Hostel-Bekanntschaft – er sichtlich angetan.

So gestalten sich die letzten Stunden hier im wunderschönen Melbourne. Nach vier Tagen voller Regen und Freude ist nun auch dieses Kapitel bereits kurz vor seinem Ende. In ungefähr zwei Stunden kommt der Bus, der uns zum Flughafen fahren soll. Hier im Aufenthaltsraum mit großer Bar, Kicker- und Billardtischen, Snack- und Spielautomaten und der besagten Leinwand und Couch entspannen wir vor der nächsten, diesmal ja nur kurzen Reise. Bereits heute Abend sind wir im Zielort angelangt. Das Flugzeug bringt uns in nur anderthalb Stunden über die eher uninteressante australische Hauptstadt Canberra nach Sydney, wo wir die nächsten elf Tage verbringen werden.

Wieso ist denn nun doch schon klar, wie lange wir dort bleiben? Nachdem wir das Internet nach Autoangeboten durchforstet haben und immer schlauer wurden, was die bürokratischen Hintergründe des Autokaufes hier in Australien angeht, wurden wir nicht nur immer unruhiger, sondern auch immer sicherer, dass wir das umgehen wollen. Mit Hilfe der entzückenden Kanadierin Marie, die hier im Hostel als Travel-Agent arbeitet, haben wir ein Angebot für einen Mietwagen gefunden, das uns überzeugt hat und sogar in unsere Kostenplanung passt. Also schnell zugeschlagen und nun um eine Riesensorge leichter. Nach dem natürlich ausgebuchten Osterwochenende können wir also am 23. unser neues Zuhause in Sydney abholen und dann Richtung Norden durchstarten.

Zurück nach Melbourne: Auch außerhalb des Aufenthaltsraums ist das Hostel, in dem wir alle drei Melbourner Nächte verbracht haben, absolut empfehlenswert. Kostenloses Frühstück und unbegrenzter Reis- und Nudelverzehr haben unsere Tage zwar kulinarisch weniger wertvoll, dafür aber günstig gestaltet. Mein Vier-Bett-Zimmer habe ich mit Nils und zwei weiteren schnarchfreien Männern geteilt. Sowohl Rico aus Lübeck als auch Gianluca aus Italien waren angenehme Zimmergenossen und auch an den leicht modrigen Geruch nach altem, feuchtem Teppich hatte man sich nach einigen Minuten im Raum gewöhnt.
Schön zentral gelegen war jedes Ziel einfach und schnell zu Fuß zu erreichen und so konnten wir uns ein gutes Bild von der Stadt machen.

Wie schnell die Zeit hier vergangen ist, kann ich kaum fassen. Trotz schlechten Wetters haben wir die Stadt zu Fuß erkundet und uns sofort verliebt! Kultur begegnet einem an jeder Ecke, seien es Straßenmusiker (die leider recht selten waren – wir schieben es auf den Regen), vielfältige Wandbemalungen, Statuen oder Plakate zu verschiedensten Ausstellungen und Konzerten. Es gibt große Straßen und kleine Gassen mit atmosphärischen Läden, Schicki-Micki und Punk,Touristen und Einheimische, viele Brücken, die ebenfalls künstlerisch dekoriert sind, moderne Hochhäuser hinter wunderschönen Altbauten, Straßenbahnen, viele Autos und Fußgänger mit Schirmen. Die Ampelschaltung wirkt hier typisch australisch willkürlich, so dass sicher wieder einiges an Zeit wartend draufgegangen ist.

Steve hat unserer Reise hierher gestern Abend nochmal ein besonderes Highlight bereitet. Vor Wochen hat er mir Karten für das Footballspiel zweier Melbourner Mannschaften gegeneinander geschickt. Unter dem Vorwand, sich das berühmte und riesige „Melbourne Cricket Ground“ wenigstens mal von außen anzusehen, spazierten wir also gestern die knappe Stunde durch den Regen bis hin zum Stadion. Die Freude war groß, als ich die Karten gezückt habe und klar war: Wir gehen da heute rein und sehen uns ein Spiel an. Vorab noch gemütlich in einer Bar die sportliche Atmosphäre auf uns wirken lassend, kamen wir mit einer Mutter mit Teenager-Sohn ins Gespräch. Weil's so nett war, hatten wir dann auch entschieden, welche Mannschaft wir unterstützen wollten: die Richmond Tigers! Sohn Timothy war im Gegensatz zu uns natürlich passend mit Schal in den Farben Schwarz und Gelb eingekleidet. Spannendes Spiel, in dem „unsere“ Tiger leider von den bösen Collingwood Magpies auf die Nuss bekommen haben.
Im Dunklen und sogar Trockenen zurück zum Hostel hat uns die beleuchtete Stadt einen sehr schönen Heimweg und viele tolle Fotomotive geboten. 

Footy Player

Ruhe vor dem Sturm

Noch sind alle Stühle leer

und Zack.. voll


Melbourne Cricket Ground


Palmen.. Eben immernoch Australien

Straßenkunst in "Melburn"

Aussicht auf dem Rückweg vom Stadion


Die Latte war hoch gelegt und da musste der heutige Tag erstmal zeigen, was er so drauf hat. Aber auch hier hat Melbourne uns nicht enttäuscht. Den letzten Tag hier zeigte sich dann doch tatsächlich mal die Sonne, die die ohnehin schöne Stadt noch ziemlich aufpoliert hat. Glücklicherweise hatten wir uns eine Aktivität aufgehoben in der Hoffnung, dass sich das Wetter doch noch bessern würde und so ging es heute zum Eureka-Tower mitten in der City. Innerhalb von 36 Sekunden im Fahrstuhl hoch bis in den 88. Stock und dann die Rundumsicht auf die Stadt genießen. Die Stadien, die Hochhäuser und bis hin zum Wasser und dem Flughafen – wir kamen uns ein bisschen vor wie im Miniatur-Wunderland. Vor allem die Bahnen und Bahnhöfe und die unrealistisch kleinen Menschen wirkten eher wie beim Spielen mit der elektrischen Eisenbahn. Atemberaubende Höhe und wunderschöne Aussicht! Zurück auf dem Boden der Tatsachen angelangt, gingen die Blicke dann wieder nach oben Richtung Hochhausdach und wir wieder Richtung Hostel, um (zur Vermeidung von Abwechslung) mal Nudeln essen zu gehen. Als letztes Melbourne-Erlebnis haben wir dann bei einem ausgesprochen köstlichen aber günstigen Kaffee in einem süßen Café die Sonne genossen.


Eureka Tower. Da ging's rauf

Und so sah's aus

Netter Platz für Kaffee

Großstadt und Meer
Vier Tage. Drei verregnet. Alle wunderschön! Melbourne, I'd love to see you again! 

As it is Melbourne, there is only one person to send my traditional "Blog-Gruß" to. Jill, we just looove your home town. This nice city is definitely one of our favorite Aussie places! Thank you so much for everything you and John did for us! We really enjoyed spending so much "british" time with you and are looking forward to meeting you back in Perth - my Aussie home town. Lots of love for you and John!


Sonntag, 6. April 2014

Letzte Male

Sie begegnen mir ständig und überall. Der letzte Tag als Aupair, die letzten Stunden allein mit Leah, Lewis und James. Der letzte Montag, das letzte Wochenende. Das letzte Treffen mit Steve und letzte Lachanfälle mit Freundin Pia, die in den letzten Wochen zu einem so wichtigen Teil meines Lebens hier in Perth geworden ist. Das letzte Mal Hühnerfrikassee Kochen für die Kids, das letzte leckere Mal Lunch im Lieblingscafe „Yelo“. Der letzte Smoothie bei „Boost“, der letzte Burger bei „Grill'd“, das letzte Mal Zusammensitzen mit unseren lieben Hamburgern Thore und Luise. Das letzte Family Dinner am Mittwoch Abend, die letzte Folge Peppa Pig, das letzte Glas Wein mit Oma Jill und Opa John, die letzte Nacht im eigenen Bett, die letzte Dusche im eigenen Bad. Die letzten Stiche von Perther Mücken (hoffentlich), der letzte Blogeintrag aus meiner geliebten australischen Heimatstadt!

Der Schrank leert sich, die Koffer werden schwerer. Nicht zu schwer, wie sich gerade zeigt, komme ich glücklicherweise noch nicht ansatzweise an die erlaubte 30kg-Gepäckgrenze. Ein bisschen Platz ist auch noch und so bin ich guter Dinge, das nichts hierbleiben muss. Gut, nachdem ich ungefähr 50% meiner Kleidung im Vorhinein aussortiert habe und den Spendencontainer in den nächsten Tagen damit beglücken werde, hätte mich alles andere auch schwer gewundert. Was das angeht, bin ich inzwischen froh, dass die harte australische Sonne viele meiner Sachen gnadenlos zerstört hat, da fiel das Wegwerfen leicht.

Gestern hat Gastmama Michelle jeden zu einem großen Abschiedsabend eingeladen. Natürlich echt australisch mit BBQ. Die ganze Familie, Nils und Pia sind gekommen, um nochmal anzustoßen und anständig Tschüß zu sagen. (Nils hat natürlich nur „Prost“ gesagt, nicht Tschüß). Meine gebastelte Leinwand-Fotocollage kam gut an und ich habe mich sehr über ein süßes Fotobuch und ein großes Wandtuch gefreut, das mich in Hamburg an meine australische Familie erinnern wird. Auch wenn sich ein paar kleine Tränen nicht verdrücken ließen, haben sich alle tapfer gehalten und darauf konzentriert, die gemeinsame Zeit noch so gut wie eben möglich zu genießen.

Aber neben dem weinenden gibt es auch das lachende Auge. Wie wir alle wissen, geht ja eine Tür auf, wenn sich eine andere schließt und wenn sich die Tür „Perth“ vorerst schließt (ich lehne sie mal nur an), freuen wir uns auf das kommende Kapitel: Ostküste. In zwei Tagen geht es los nach Melbourne. Da ja bereits alles gepackt ist, überzeugt das Zimmer ohnehin weniger mit Gemütlichkeit, was das Aufbrechen vereinfacht. Für Unterkunft in Melbourne und Sydney ist bereits gesorgt. Das Internet wird täglich fleißig nach tollen Auto-Angeboten durchforstet und auch die wichtigsten Infos zu öffentlichen Verkehrsmitteln und solchen Späßen sind zu diesen beiden Städten schonmal eingeholt. Gewohnt organisiert geht es dann also zu den ersten beiden Etappen. Nach dem hoffentlich erfolgreichen Autokauf in Sydney lass ich dann mal völlig ungewohnt die Planzügel locker und mich auf den australischen Abenteurergeist ein. Wir schauen aber voller Vorfreude auf unser kommendes Leben auf den Straßen Australiens!
Und auf lauter erste Male.

Weder das erste, noch das letzte Mal, dass ich die letzten Zeilen nutze, einen persönlichen Blog-Gruß zu senden. Dieser geht heute an meine Oma Erika. Oma, ich weiß, dass du dir Sorgen darüber machst, ob wohl alles gut geht, wenn wir da so ganz allein am anderen Ende der Welt im Auto durch die Wildnis fahren. Aber ich kann dich beruhigen: Wir passen schön auf uns auf und erzählen dir dann alles ganz genau, wenn wir uns im Juni wiedersehen! Es wird alles gut gehen! Die Wildnis ist da, wo wir uns aufhalten werden halbsowild!