Sonntag, 27. Oktober 2013

Juju sucht Wale und Bauer sucht Frau

Es wird endlich heiß! Zu warm, um weiterhin die lange Schlafanzughose zu tragen. Wenn man das einem Aussie erzählt, kann der nur lachend den Kopf schütteln und versichern, dass wir über die Hitze hier noch ganz schön stöhnen werden. Davon gehe ich aus, ja! Aber noch nicht jetzt! Noch wird genossen, beschweren können wir uns später..
Wir kaltblütigen Europäer sind diese Temperaturen von mittlerweile frühlingshaften Anfang Dreißigern eben einfach nicht gewohnt. Daher brauchen wir Abkühlungen – auch gern schon jetzt! Und so geht’s schwobdiwob (hug for you, Granny!) in den eiskalten Pool. Der kluge Lewis ist über folgenden Fakt neulich schon gestolpert: „Dschuläi, how come the water in the pool is freezing when the weather is so hot? That's a bit silly!“ Absolutely, Lewis! Aber wir freuen uns einfach weiterhin darüber, dass das Wasser kalt genug ist, uns zu erfrischen, aber warm genug, um nicht tatsächlich „freezing“ zu sein. An unserer Vernunft zweifelnd schüttelt Gastmama Michelle den Kopf und erklärt uns für verrückt, schon vor dem November in den Eispool zu hüpfen – wir machen es trotzdem, denn wir Europäer, ja, wir schwitzen! Die Australier hingegen hören nun lediglich auf zu heizen.

Die Perther Strände haben uns also in den letzten Tagen häufiger mal zu Gesicht bekommen, wobei man trotz Sonnencreme aus dem 2,5-liter-Kanister fix den Schatten aufsuchen muss, um nicht zum Hummer zu mutieren. Eine gewisse Bräune lässt sich jetzt aber schon gar nicht mehr vermeiden. Wie soll das erst im Sommer werden? Und im Urlaub? Richtig, denn der steht ja bald an. Hier noch ein Tipp an alle, die die australische Sonne – egal wann – jemals zu Gesicht bekommen wollen: Genau dieses Gesicht, und vor allem die Augen, sind unbedingt und uneingeschränkt durch eine Sonnenbrille zu schützen! Alter, verbrannte Augen sind echt nicht witzig, da bediene ich mich sogar mal des Ghetto-Slangs! Ich habe diesen Fehler gemacht, damit wir alle draus lernen! (Bin ich nicht selbstlos?) So ging es letzte Woche mit Sonnenbrille auf's Boot, um mit Nils und Cottesloe-Lena Wale zu sehen. Um diese atemberaubenden Momente für die Nachwelt (und euch) festzuhalten, landete die Sonnenbrille schnell in der Tasche und wurde durch die Kamera ersetzt. Resultat: Verbrannte Augen (Augen, nicht Haut drumrum! Jucken, Brennen, Tränen, Rot, Autsch!) und keine Wale gesehen. Nehmt mich mit zum Whale Watching und guckt immer dahin, wo ich nicht hingucke, DA sind die Wale. Aber da Nils einen absoluten Glücksschuss (Glück? Quatsch, pures Talent natürlich!!) mit meiner Kamera hatte (ich war filmend unterwegs), habe ich wenigstens dadurch einen Eindruck, wie die Riesen aussehen. Thanks, Mate!

Woo sind die Wale?


Daaaa!!
Und ich hatte trotzdem zwei Stunden wunderbare Bootsfahrt – I looooove boats!! Schnell am Hilarys Boat Harbour noch kurz die zu verkaufenden Boote ausgecheckt. Da fehlen auch nur noch knapp 800.000 Dollar und dann schlag ich zu! Bis dahin muss ich meine Freizeit eben mit anderen Aktivitäten totschlagen – zum Beispiel Urlaub!

Es ist Ende Oktober (sagt man.. glauben tu ich's nicht..) und somit steht er vor der Tür: der absolute Reisemonat. Gut, ein kleiner Tagesausflug hat sich auch eingeschlichen und so geht es ja wieder ab auf's Boot und dann zu den wilden Delfinen. Aber dann! Ja, dann geht’s ab nach Sydney und da bleiben Nils und ich dann erstmal schöne fünf Nächte, um die Stadt ein bisschen unsicher und uns ein Bild von der anderen Seite des anderen Ende der Welt zu machen. Zurück in Perth kann dann die frisch gewaschene Wäsche schon fast wieder eingepackt werden. Zehn Tage später geht es dann nach Lombok, wo wir wieder fünf wunderbare Nächte bleiben. Drei schicke private Häuschen mit privatem Pool warten da schon auf uns! Groupon und Ourdeal werden hier regelmäßig unter die Lupe genommen, um richtig gute Deals zu schießen – bisher ja sehr erfolgreich (Lombok, Whale Watching und das Delfinschwimmen.. Fortsetzung folgt hoffentlich). Dieses Mal fahren wir allerdings nicht ganz allein zu zweit, sondern mit meinen lieben Mädels Hans, Freya und Mona. Das sechste Bett ist bislang noch unbelegt, es bleibt spannend. Das wird ein Spaß und ich bin sicher, dass auch unser Hahn im Korb nicht die schlimmste Zeit haben wird. Bei vier Mädels um ihn herum ist doch sicher immer eine gerade bereit, das Bier zu holen! Aber vielleicht brechen wir ja auch einfach das Klischee und lassen uns mal bedienen.. Bis zu dieser Zeit müssen wir ja nur noch ein bisschen abwarten, was nicht schwer ist, da die Zeit seit Nils' Ankunft ja nochmal einen ordentlichen Zahn zugelegt hat und nun mit Trippeltempo davonbraust.
Ja ja.. Ende Oktober..
„Was essen wir eigentlich Weihnachten?“ Diese Frage ist in Deutschland zu dieser Zeit ja immer mal eher weniger ernst gemeint und schmunzelnd gefallen. Möglicherweise habt ihr sie euch schon gestellt oder sie irgendwo aufgeschnappt? Ich bin sicher, die Weihnachtsleckereien haben längst die Supermärkte eingenommen.
Hier stellt sich die Frage nach dem Essen wohl weniger, da es zu warm für Gänsebraten oder ähnliches sein wird und es vermutlich auf gegrilltes Fleischgut und Salat hinausläuft, was ausgezeichnet klingt, wenn ihr mich fragt! (Das Wort „Fleischgut“ ist übrigens doppelt gemoppelt, ist euch das mal aufgefallen?) Allerdings ist Weihnachten dennoch schon ein Thema. Nachdem es zwischendurch so aussah, als würde ich die Feiertage mit meiner Aussie-family im Outback verbringen, ist ja nun raus, dass wir doch in Perth bleiben. Was mich freut, ihr findet mich dann im Pool! Nachdem das grob organisatorische Zeugs geklärt ist, sind aber auch schon die Feinheiten in Gange: Geschenke.. In Shorts und T-Shirt durch die Shoppingcenter zu laufen, um Geschenke zu kaufen, ist komisch. Aber auch hier schauen einen die Weihnachtsmänner und Dekoartikel aus jedem Regal an und so muss man eben versuchen, sich in die heilige Zeit zu versetzen. Schon jetzt. Das ist nicht leicht, aber wir kennen ja die Post (zumindest die Deutsche und da die Deutschen ansonsten ja eher pünktlich sind und sogar DIE schon so rumtrödeln, wollen wir mal gar nicht erst fragen, wie lange ein Paket von hier nach Deutschland in der Weihnachtszeit braucht) und so wird das eben einfach schonmal jetzt erledigt. Das richtige Weihnachtsfeeling wird hier vermutlich ohnehin nicht aufkommen, aber vielleicht werde ich in diesem Punkt ja noch überrascht.
Nun aber genug von Weihnachten, es ist doch erst ende Oktober. Und so genieße ich weiterhin die Sonne, die aufkommende Hitze, die schönen Blumen, die hier und da zum Vorschein kommen, das laute „Gezwitscher“ der Vögel (ich komme noch immer nicht drüber hinweg, wie lustig die hier zum Teil klingen), die vielen spannenden Aktivitäten und die Vorfreude auf alles, was sich da noch so anbahnt. Vier Monate schon, ja, gut! Aber was das angeht, auch mal einen Gedanken wert: acht Monate NOCH!



Habe ich schon erwähnt, dass das australische Fernsehprogramm ziemlich zu wünschen übrig lässt? Gut, dass das Wetter ohnehin bald nicht mehr fernsehtauglich ist. Das Pay-TV ist zwar ganz nett, aber das kostenlose Programm besteht zum größten Teil aus Homeshopping, Heimsportgeräten, Diätpülverchen und Castingshows, in denen sie alles suchen: Superstars, Tänzer, Designer, Frauen, Männer, Dicke, Dünne, Köche, Models, Scherzkekse.. Doch wenn man schon über das Fernsehen sucht, dann doch bitte als Bauer eine Frau! Und so freue ich mich seit letzter Woche sehr darüber, dass ich es tatsächlich online und nur mit einem Tag Verzögerung verfolgen kann. Hans und ich sind uns einig: erste Folge bot vielversprechende Bauern und bereits jetzt viel Freude. Und ein bisschen Verliebtheit ist auch aufgekommen, so wie sich das gehört. Nächste Woche dann wieder! Ach wie schön, ein Stückchen Heimat!
Und sonst so?

Scarborough Beach

Beide mit Unterkunft, beide mit Job! Let's enjoy and be happy! <3

Sonnenuntergang am Hilarys Boat Harbour

Leah, der kleine Pauli-Fan!

Entspannen und Sonnenbaden im Pool auf der selbstgebastelten Poolnudelmatratze
Nicht zu vergessen: der heutige Blog-Gruß geht an meine lieben Chaoten Kirstin und René! Wieso das denn bitte, fragt ihr euch jetzt? Weil ich ziemlich Bock hätte, Bauer sucht Frau mit euch zu gucken! Aber da man ja nun eben nicht alles haben kann, heb' ich nächste Woche bei Folge 2 mein Glas und sag: Prost, auf euch zwei Rabauken! Ganz lieben Gruß auch an Stefan, der darf am nächsten Morgen dann den Brand löschen,Tatütata!


Dienstag, 22. Oktober 2013

"Speechturns" und andere Sprachphänomene

Wie wir einfach Tag für Tag, Satz für Satz und Wort für Wort miteinander reden, ohne uns Gedanken darüber zu machen, was genau wir eigentlich sagen.. „Eigentlich“ - das ist doch gleich ein schönes Beispiel. Dieses Wort ist eigentlich (!) in den meisten Fällen absolut unnötig, trotzdem hört und liest man es ständig. (und es gibt über 20 Übersetzungen ins Englische). Lieber mal alles relativieren, was wir sagen, bevor sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Nur eine der vielen wunderbaren Redewendungen, die die deutsche Sprache so mit sich bringt. Die deutsche Sprache, ganz genau! Konfrontiert mit einer anderen Sprache, fällt einem dann mal auf, wie viel Nonsens sich in unserem Täglich-Wort befindet. Da ich ein bekennender Liebhaber von Redewendungen und sonstigen Sprachspielereien bin, habe ich mich mal auf die Suche begeben. Auf die Suche nach „Speechturns“ und sonstigen Auffälligkeiten in der englischen Sprache. Und diese Reise, meine Lieben, hat sich gelohnt!

Was die australische Mode angeht, traue ich ja gern mal meinen Augen nicht, ganz besonders in Bezug auf Leggings und andere enganliegende Schönheiten. Seinen Augen nicht zu trauen ist jedoch weit harmloser als unsere englischsprachigen Freunde vorgehen, bei denen in der selben Situation die Augen beinahe aus dem Kopf schießen („My eyes nearly popped out of my head!“). Gibt es gerade keinen Grund, seinen Augen zu misstrauen, muss eben der liebe Frieden herhalten. Wo wir diesem nicht trauen oder Böses erahnen, ist hier nur „something in the wind“.
A propos Wind.. wieviele Begriffe gibt es allein in der deutschen Sprache, um „Flatulenzen“ zu beschreiben? Ohne groß auf das deutsche Gepupse einzugehen, freue ich mich wie ein kleines Kind über die Redewendung hier, die den Schuldigen schlicht den Käse schneiden lässt (to cut the cheese). So wie es bei uns dann immer der war, der fragt (auch gern „always the the ask“), ist es hier „always the one who says no“. Und so lachen alle über Furz-Witze so wie Lewis über die Fart-Gun, die er zum Geburtstag bekommen hat. Eine schicke kleine Waffe, die ausgezeichnete, mal mehr mal weniger authentische Pupsgeräusche erzeugt. Betätigt man dazu vor dem „Abdrücken“ noch die kleine Pumpe an der Rückseite, riecht der „Schuss“ sogar nach Banane. Furchtbar, ekelhaft und zum Totlachen witzig! Ein Spaß für Jung und Alt. 
Alter kommt im Übrigen auch hier vor Schönheit, beziehungsweise „age before beauty“ und wer zuerst kommt, mahlt ja bekanntlich zuerst. Hier wird man statt zu mahlen zuerst bedient. In der Vogelwelt hingegen geht es genau wie bei uns um den Wurm, der den frühen Vogel belohnt. Der frühe Vogel ist hier ein Spatz. Woher ich das weiß? Von einer Redewendung, die uns direkt wieder zu unserem heutigen Lieblingsthema katapultiert. Steht etwas sehr früh am Morgen an, bezeichnet man diese Tageszeit als „Sparrow's fart“.
Wir müssen am 12. November zu dieser Zeit aufstehen, um unseren Ausflug anzutreten, bei dem wir mit wilden Delfinen schwimmen gehen. Das wird spannend! Hoffen wir, dass niemand von uns von irgendwelchen Meeresbewohnern aufgegessen wird. Drückt die Daumen oder „Keep your fingers crossed“!

Bei Uhrzeiten fällt mir ein, dass ich erst vor einigen Wochen wieder angefangen habe, eine Armbanduhr zu tragen. Zu Hause hatte ich es mir so schön abgewöhnt, da dieser ständige, unnötige Blick auf die Uhr einen doch irgendwie nervös macht. Nun habe ich aber bei einer Auslosung eine Armbanduhr gewonnen (ich wollte doch den Trip nach Bali, manno!) und es wäre doch schade, würde diese einfach nur rumliegen. Jetzt habe ich also wieder eine Antwort, wenn mich jemand nach der Zeit fragt (was im Handy-Zeitalter seltenst jemand macht, warum auch?). Und vorher? Ohne Uhr am Arm und trotzdem auf den Arm geguckt, wie spät es ist. Das ist mir in der Zeit der Uhren-Entwöhnung oft passiert. Wie spät ist es? „Haut vor Knochen“. Hier ist es ähnlich, jedoch ist es „Haar nach Sommersprosse“ (hair past a freckle).

Von diesen sehr ähnlichen Redewendungen gibt es tatsächlich relativ viele, mehr als ich erwartet habe. Manche haben kleine Abwandlungen und so ist man hier statt grün eben nass hinter den Ohren oder befindet sich „up the garden path“, wo wir auf dem deutschen Holzweg sind. 
Wer zuletzt lacht, lacht hier nicht nur am besten, sondern wahlweise auch am lautesten oder längsten. 

Derjenige, der nun nichts mehr zu lachen hat, ist möglicherweise sauer, aber nicht einfach nur sauer, sondern „mad as a cut snake“ und wir wollen uns weder vorstellen, wie wütend die wohl sind, noch wollen wir auch nur ahnen, wie eklig das aussieht (stellt es sich jetzt jeder vor? Gut!). An dieser Stelle ein kleiner Angstnehmer: Nach fast vier Monaten noch immer keine Begegnung mit einer Schlange - weder wütend, noch glücklich!

Mit Redewendungsfan Michelle an meiner Seite (mein „Partner in crime“ sozusagen) auf der Reise durch die Redewendungen hatte ich ziemlich viel Spaß beim Recherchieren. Da ich kein großer Freund von „JWD – Janz weit draußen“ bin, um weite Entfernungen auszudrücken, freue ich mich umso mehr, dass Weites hier „out in WoopWoop“ ist. Wunderbar, niedlich und ziemlich australisch!

Im Gegensatz dazu sind macnhe Dinge aber auch so absolut gar nicht australisch, nicht einmal englisch. Kinder besuchen den „Kindergarten“, hier also schonmal keine Schwierigkeit für deutsche Aupairs, das Kind an der richtigen Einrichtung abzugeben. Zudem machen sie es uns hier leicht, wenn wir unser „Auto“ waschen wollen. Aber nur waschen! Wenn wir es fahren, ist es wie gelernt das „car“ und nicht das "Auto" anymore! No no no!
Wem das alles zu viel wird, empfehle ich ein kühles „Bier“ - ja, genau das! Das ist – wie ebenfalls die meisten von euch wissen dürften – nicht die korrekte Vokabel beziehungsweise Schreibweise, da wir alle ja wissen, dass man hier vor allem „beer“ trinkt. Möglicherweise hat es ja damit zu tun, dass die deutsche Brauereikunst hoch gelobt und anerkannt wird. Dann darf das „beer“ auch ruhig mal „Bier“ genannt werden! Vergleicht man diese winzige Auflistung mal mit Anglizismen, die sich in der deutschen Sprache schon so übertrieben breit gemacht haben, kann man da wohl nur drüber schmunzeln. Dabei kann man doch mit deutschen Begriffen und Redewendungen auch so wunderbar spielen und Spaß haben. Verniedlichungen mit „-chen“, „-lein“ oder schlicht einem „i“ machen Freude! Aber Vorsicht bei der Übertragung in andere Sprachen. Ein „nap“ zum Beispiel ist bereits ein verniedlichtes „Schläfchen“. Von weiteren Verniedlichungsversuchen ist in diesem Fall dringend abzuraten, da falsche Eindrücke entstehen können! Vorsicht also mit dem Satz „I need a nappy!“, denn durch ihn outet man sich als Windelträger!

Da sieht man es: Sprache ist Spaß! Sprache ist endlos und Sprache lebt, Sprache entwickelt sich ununterbrochen. Gerne forsche ich mal nach eurer Lieblings-Redewendung und finde heraus, ob es die hier auch gibt. Ich freue mich über jeden Kommentar, also sprecht! Erfreut euch an Sprachen und der unglaublichen Vielfalt und seid nur sprachlos, wenn ihr überwältigt seid (oder schlaft oder so)! Für heute habe ich genug gesagt, ich gehe in den Schlafmodus über und darf somit nach soeben aufgestellter Regel sprachlos werden!

Vorher natürlich noch fix gegrüßt! Der heutige Blog-Gruß geht ganz im Sinne des Wortes an meine lieben Ex-Kolleginnen von SprachSignal. Ich hoffe, es geht euch und meinen Fördis gut! Macht weiter wie bisher und habt eine schöne Zeit. Ganz herzliche Grüße natürlich in meine Förderfamilien, an Emil und Ben!! 
 

Montag, 7. Oktober 2013

Das muss gefeiert werden!

Wer kennt ihn nicht? Diesen Satz. Wer kennt es nicht? Das Gefühl, wenn es einem unter den Fingernägeln juckt, die Hummeln im Hintern eine flotte Sohle hinlegen und man nur eines möchte: es ihnen gleichtun und tanzen! Doch aus welchem Grund? Worauf kann man denn mal anstoßen? Was genau muss denn gefeiert werden?

Brauchen wir denn wirklich einen Grund? Genau genommen.. nein! Aber ich bin sicher, es findet sich dennoch einer für jeden, der sich besser fühlt, nicht grundlos durch die Welt zu tanzen. Und so ging es hier in letzter Zeit ebenfalls zu. Wenn es darum geht, Gründe zu finden, die aufwändigsten Kuchen zu kreieren, die größten Feuerwerke in die Luft zu jagen oder auch einfach nur das Tanzbein zu schwingen, findet sich hier sicher ein annehmbarer Grund.. So boten sich in den letzten Tagen folgende Ereignisse dazu an, gefeiert zu werden:

Der 4. Geburtstag vom klei.. äh.. großen Lewis!

Mama Michelle hat die gesamte Kuchenkompetenz ausgepackt und ein wahnsinniges Kunstwerk hingelegt. Da blutet einem das Herz beim Anschneiden stundenlanger Arbeit. Lewis ist aber nun mal ein riesiger Fan der Kinder-Fernsehbande „Octonauts“ und so musste das dazugehörige U-Boot dieses Mal als Vorlage herhalten. Viele Gäste haben sich mehr als gefreut als das schöne Stück zwischen all den anderen Unterwasser-Leckereien den Platz auf dem Buffet im Park eingenommen hat. Wir haben also gelernt, was man benötigt, um eine super Kinderparty hinzulegen. Man nehme: einen Park mit Spielplatz, ein bisschen Kinderschminken, viele leckere Happen und für die Großen über 20 Kaffee, die pünktlich um Viertel nach neun abholbereit im Cafe nebenan auf die Abholer vom Dienst (Hannah, Nils und mich) gewartet haben. Super durchdacht, super Vormittag! 


ein wahres Meisterwerk, dieser Kuchen!!

Muschelkekse und Oktopus-Dipp

Lewis pusted die 4-förmige Wunderkerze aus

Ebenfalls auf Mama Michelles Mist gewachsen: selbstgebastelte Schatztruhe für die Geschenke
Doch das war ja nur das Aufwärmprogramm.. Noch am selben Tag fand sich ein weiterer Grund, mal so richtig Gas zu geben:

Das Australien Football Grand Final

Das süd-perth'sche Fremantle hat es geschafft ins grooooße Finale. Keiner von uns kennt die Regeln, keiner hat auch nur einen blassen Schimmer davon, wie das lustige Spiel gespielt wird, aber es sieht spannend aus (und auch die überaus engen und kurzen Trikots sind unseren schlabberigen Fußballtrikots weit voraus.. oder hinterher?.. jedenfalls besser!). Und so hieß es Fremantle Dockers gooo! Aber auch nur ausnahmsweise. Denn normalerweise heißt es hier „Eagles win, Dockers in the bin!“, was ganz klar die großen West Coast Eagles unterstützt. Aber nun gut, die Andler sind ja nicht ins Finale geflogen, dann sind die Dockers eben zweite Wahl. Leider auch der zweite Platz. Schade, aber das tut ja der Freude und Feierei keinen Abbruch, also Prost und weiterhin no worries! 
Klein April ganz in Dockers-Farbe Lila

Hannah und Albert schwer verliebt (naja, Albert ein bisschen mehr als Hannah)
Aprils Bruder Harry unterstützt als einziger hier die Hawks. James ist heute für.. St Pauli? Ok.. :)
Albert bleibt stur und unterstützt die West Coast Eagles!


„The Perth Royal Show“

Als wäre das nicht genug, startete ebenfalls am selben Tag noch ein weiteres großes Event hier in Perth. Eine weitere große Feierei namens „The Perth Royal Show“, die für eine Woche hier alles aufgewirbelt hat. Ein großer Hamburger Dom mit verschiedenen Künstlern wie Sängern, Big Band, einem Beatboxer, Akrobaten und sonstigen Scherzkeksen. Außerdem Stände mit lauter Müll, den man für viel Geld käuflich erwerben konnte, Fressbuden mit „German Bratwurst“, Waffeln am Spieß, Zuckerwatte, Döner, Schokobananen und Eis, Eis, Eis. Wenn man dann vollgefuttert war, ging's weiter durch die Scheunen, in denen man Tiere streicheln konnte. Schweine, Lamas, Hasen, Kühe.. Als Belohnung gab es dann für die Kleinen einen Aufkleber ans T-Shirt, auf dem stand "I petted a pig". Obersüß! Und da die Perth Royal Show eine Veranstaltung zum Wohle der Australischen Agrarwissenschaft, Landwirtschaft, Viehwirtschaft, Vetternwirtschaft und was-weiß-ich-nicht-alles-Wirtschaft ist, absolut themenbezogen und wunderbar! 
Die 24 Dollar Eintritt taten zwar erst ein wenig weh, vor allem, wenn man bedenkt, dass die vielen Karussells natürlich noch zusätzlich Fahrtgeld kosteten und der Hamburger Dom doch auch kostenfreien Eintritt hat. Aber letztlich wurden wir absolut entschädigt. Der wunderschöne Tag mit angeberischem Wetter wurde durch ein atemberaubendes Feuerwerk verabschiedet. Und was für eins! Für gewöhnlich habe ich Feuerwerke eher mit Silvester verbunden (oh.. wie überraschend..) Mit Silvester wiederum verbinde ich hohe Erwartungen an einen Abend, der im Grunde genommen ist wie jeder andere Abend auch, aber eben mit hohen Erwartungen, die jeder an diesen normalen Abend hat. Nie können diese überdimensionalen Erwartungen an ein Wow-Silvester erfüllt werden. Und so ist Silvester Jahr für Jahr enttäuschend poplig im Gegensatz zu dem, was es sein müsste, sein sollte, was erwartet wurde. Aber zu unrecht erwartet! Es ist doch eben nur ein Tag wie jeder andere auch. Und daher wird dieses Jahr einfach wieder nichts erwartet, denn das waren doch immer die besten „Rutsche“ ins neue Jahr! Und so waren auch die Erwartungen ans Feuerwerk vorsichtig gespannt und möglichst gering gehalten, da es ja auch unspektakulär, laut und überaus stinkig sein kann. Aaaaber das war es nicht! Es war schlichtweg grandios, wunderschön, beeindruckend und bezaubernd! Und so haben die Eindrücke des Tages, die Gerüche und Klänge und das bunte Lichterspektakel mich zu Tränen gerührt (voll zum Weinen gebracht kann man auch sagen..). Sprachlos! Ich!.. das sagt doch mehr als 1000 Worte... Aus über 15 Minuten Feuerwerk hier nur ein kleiner Ausschnitt. Das Einzige, was Hannah mir bisher aushändigen konnte, da das Video natürlich enorm groß ist und ich zu sehr mit Weinen und genießen beschätigt war, um selbst zu filmen.



Nach all der Feierei kehrt nun Ruhe ein. Viel Ruhe! Meine lieben australischen Familienmitglieder sind gerade im Outback, während ich hier geblieben bin, um Hund und Haus zu hüten und Nils weiterhin bei der Jobsuche zu unterstützen. Das Wetter gibt uns das Gefühl, wahre Urlaubstage zu verbringen und so wurde heute endlich der Pool beschwommen. Wunderschöne Tage, aber ich freue mich auch schon darauf, am Mittwoch meine Kinder wiederzuhaben (obwohl sie mittwoch vom Flug und der Reise sicher so kaputt sein werden, dass es ziemlich anstrengend wird, also sagen wir doch, ich freue mich auf donnerstag). 

Poolfreude
Und ja.. so ist es bereits Oktober und ich verbringe noch immer die meiste Zeit damit, mich zu freuen. Darüber, allein zu sein, darüber, bald nicht mehr allein zu sein, darüber, dass die Backmischung "German Bread" so lecker ist, darüber, dass ich in der letzten Woche wieder so liebe Emails bekommen habe, darüber, dass mein Blog über 3000 Aufrufe hat, darüber, dass ich jeden Tag die Sonne sehe (wenn auch manchmal nur sehr kurz), darüber, dass ich dir, Leni, im Januar alles zeigen kann, darüber, dass Nils es jetzt schon sieht, darüber, dass ich hier so wundervoll Leute um mich habe, darüber, dass Max letzte Nacht nicht wieder auf den Teppich gepinkelt hat, darüber, dass ich entschieden habe, herzukommen, darüber, dass ich mich zu Hause fühle und auch darüber, dass ich weiß, noch ein weiteres Zuhause zu haben! Darüber dass ich diese Zeilen lächelnd schreiben kann und darüber, dass ich weiß, dass jemand sie lächelnd liest!

Davon kriegt man nicht genug: der schöne Scarborough Beach


Heute geht mein lächelnder Feier-Bloggruß an meine liebe Bo! Laura, es ist zwar lange her, aber die Feiereien mit dir bleiben mir immer unvergessen! Ich hoffe, Sie haben eine schöne Zeit, Frau Lehrerin und dass wir uns bald wiedersehen, wenn ich zurück bin! Ganz viele sonnige Grüße von mir an dich! Übrigens: Süßes Shirt! ;)