Sonntag, 15. Juni 2014

351 Tage in Australien

65 Fotoordner auf dem Laptop
278 Tage Leben in Perth
3 wundervolle Kinder
44°C Höchsttemperatur
0 Haie
3 Huntsman-Spinnen
1 Redback-Spinne
0 Schlangen
1 Spinnenbiss
7 Ameisenbisse
267 Tage Nils in Australien
20 Tage Leni in Australien
2 Wochen Tobi in Australien
14 Flüge (davon einer ohne Landung)
5 Tage Lombok
1 Arztbesuch
10 Tage Outback
5 Tage Sydney
1 Sonnenbrand
unzählbar viele schöne Momente
unzählbar viele Tränen zum Abschied
100% sicher: Ich komme wieder!!

72 Tage Reisen entlang der Ostküste

4258 Kilometer mit Senfbert
45 Tage Leben im Auto
0 Unfälle
0 Strafzettel
619 $ für Benzin
1 Werkstattbesuch
600g Instantkaffee
4.667 m Höhe beim Fallschirmsprung
55 Sekunden freier Fall
2 Dosen Mückenspray
20 Mücken-Räucherkringel
9 warme Duschen
2 Gläser Erdnussbutter
1 Blutegel
0 Zecken
10 Nächte im Hostel
2 Bücher
2 Schnorcheltouren
1 Segeltörn
5 Kerzen
1 gekaufte CD
1 geschenkte CD
7 Nächte bezahltes Camping
38 Nächte kostenloses Camping
11 Tage Sydney
14 Folgen TKKG
43 Begriffe Galgenraten
2 Luftmatratzen
16 Gaskartuschen
1,5 kg Käse
4 Tage Melbourne
3 Kisten Bier
8 Tage Cairns
2 Bauernmärkte
0 Sonnenbrände
53 Passionsfrüchte

In meinem nun allerletzten von insgesamt 36 Blogeinträgen danke ich euch, meinen lieben Bloglesern, für bisher 6831 Blogaufrufe! Ich habe jedes meiner Worte (die ich jetzt aber NICHT zählen werde) gern geschrieben und erfreue mich an jedem Lob, jeder Kritik und jedem Lächeln, das dadurch entstanden ist!
„Juju am anderen Ende der Welt“ ist ein ständiger Begleiter auf meiner Reise geworden und ich bin sicher, dass ich es sehr vermissen werde, meine Erlebnisse in Bild und Wort Revue passieren zu lassen. Ich freue mich, dass so viele von euch so eifrig mitgelesen haben und somit auch hier in Australien auf bestimmte Art und Weise bei mir waren.
Aber ich freue mich auch auf das, was jetzt kommt: auf zu Hause, auf den Sommer in Hamburg, auf meine Familie und meine Freunde, auf mein Bett, auf Arbeit, auf's Klönen, auf die WM und darauf, mit euch zusammen in Erinnerung zu schwelgen. Die Erinnerung an mein Jahr am anderen Ende der Welt.. 

meine kleine Reise in einem riesigen Land! 1 Jahr ist definitiv nicht lang genug!

Nicht? Aaww..

Queenslands schöne Seiten

muckelige Lesestunde in Senfbert

Superfrische Ananas direkt vom Feld

Baum mit Wurzel.. Oder Wurzel mit Baum?

Bye bye, my beloved Australia! I will miss you so much but definitely come back!

Freitag, 6. Juni 2014

Wie Juju aus allen Wolken fiel

Fallschirmspringen? Sowas könnte ich nie.. Die sind doch verrückt.. Es ist nicht so gedacht, dass Menschen aus Flugzeugen springen..
Wie genau ich auf die Idee gekommen bin, dass ich das auch unbedingt machen möchte, weiß ich nicht mehr. Es ist, als wäre ich irgendwann aufgewacht und hätte gedacht: So, Fallschirmspringen muss ich ja dann auch mal machen. Und so kam es, dass Nils und ich den Weg zu einer Reiseagentur gemacht haben, um das Ereignis zu buchen. Wenn ihr einen Segeltrip, den Fallschirmsprung und einen Schnorcheltour zusammen bucht, wird es günstiger. Na, dann mal her mit den schönen Erlebnissen!

Die Segeltour von Airlie Beach aus entlang der Whitsunday Islands war super schön! Trotz Regen. Die leuchtend gelben Regenjacken haben für den optimalen Segler-Einheitslook gesorgt. Auf einem 39-Gäste-Boot waren wir nur zu siebt plus Crew und hatten somit jede Menge Platz. Dass darunter keine Deutschen Touristen waren, zeigte sich als überaus entspannend. Unsere Mitsegler aus der Schweiz, Belgien und Holland waren alle sehr nett und die dreiköpfige Seglercrew ließ spüren, dass Bootfahren für sie auch nach Jahren noch immer das Größte ist. Kein Wunder auf diesem tollen Schiff! Die „Derwent Hunter“ ist ein altes Segelboot, das nicht nur unglaublich hübsch aussieht, sondern glücklicherweise auch nicht durch drei Personen zu handhaben ist. So waren wir Gäste „gezwungen“, mit anzupacken und die großen, weißen Segel zu hissen und wieder einzuholen. Hau Ruck, das war ziemlich toll!
Nach einer Runde auf dem Wasser ging es dann auch rein. Neoprenanzüge angezogen, Schnorchelmasken ausgesetzte und alle Mann auf's kleine rote Schlauchboot. Am Strand wurden wir „ausgesetzt“ und konnten von dort aus ins Wasser und uns an den vielen bunten Fischen und Korallen erfreuen. Glücklicherweise haben uns die Whitsundays ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Schwimmen und Tauchen mit Wasserschildkröten. Die Süßen waren ungefähr einen Meter lang, uralt und schwer beeindruckend. Entspannt ließen sie sich nicht von ihrem Mittagsschläfchen in den Korallen aufhalten und wir hatten Zeit, sie uns genau anzusehen und natürlich auch Fotos zu machen. 

Schildkröte beim Mittagsschlaf

Viele bunte Fischis

Auf dem Rückweg nach Airlie Beach gab es dann noch ein leckeres Lunch, Kekse und Kaffee und die Aussicht auf einen strahlend blauen Ozean, viele Inseln und Delfine, die sich über die Wellen gefreut haben, die wir mit unserer schönen Derwent Hunter erzeugt haben.
Und wenn man schon mal in einem so touristischen Ort wie Airlie Beach auf dem Parkplatz einer Jugendherberge bleibt, kann man es ja auch genießen, Bars in Fußnähe zu haben. Der schöne Tag klang also ebenso schön beim Bierchen in gemütlicher Runde mit unseren Mitseglern aus.

Airlie Beach haben wir am nächsten Tag allerdings verlassen. Nicht, weil es uns nicht gefallen hat, sondern, weil es genau wie in Byron Bay nirgends möglich ist, kostenlos zu parken.
Unsere Weiterfahrt hat uns auch wieder mit unseren Reisepartnern zusammengebracht und so ging's weiter Richtung Cairns. Den Ort, den wir vor ein Paar Stunden erreicht haben. Aber Moment.. Hab ich da nicht etwas ausgelassen? Richtig, dem Titel nach war da ja noch ein Ereignis. Und zwar gestern.

Nach einer eher nervösen Nacht mit recht wenig Schlaf ging es früh morgens nach Mission Beach. Als dann endlich alle notwendigen Formulare ausgefüllt waren, wir uns auf der Waage versichert haben, nicht zu schwer zu sein (und das trotz „gesunder“ Camper-Nahrung), hat der Bus uns zu unserem kleinen Flieger gebracht. Jeder Fallwillige hatte schnell seinen Profispringer gefunden. Bei Sinno's Worten „Where is my Julie?“ wusste ich, dass es los geht. Ich springe wirklich! Von da an ging alles ziemlich schnell.. Aber seht selbst: 

Noch auf festem Boden, aber voller Vorfreude

rein ins kleine Flugzeug

"Oh, das ist ja schön hoch!" Ja, sagt Sinno, das ist jetzt so 1/4 der Höhe

also weiter rauf

und dann wieder runter. 55 Sekunden freier Fall - whuuuuuu


dann gute Laune im Schwebeflug

Landung am Strand. Der blaue Schirm oben am Strand war Nils


darf ich vorstellen: der glücklichste Mensch der Welt

Thanks for bringing me down safely, Sinno!
Der tapfere Nils, der das Flugzeug zuerst verlassen hat, ist genauso überwältigt wie ich. Glücklich und voller Adrenalin haben wir uns am Strand von Mission Beach wieder getroffen und bekamen das Grinsen noch Stunden später nicht aus dem Gesicht gewischt. 

Und somit befehle ich per Blog-Gruß JEDEM, der auch nur EINE Sekunde darüber nachgedacht hat, zu springen! Es ist ein so unbeschreibliches Erlebnis – keine Sekunde Angst, weil man dazu viel zu beeindruckt ist. Und denkt dran, das Gute ist: Man braucht keinen Mut, um zu springen. Springen tut der Mann, an dem du befestigt bist!

Donnerstag, 29. Mai 2014

nach 3300 gefahrenen Kilometern

Wieder am Strand. Unsere Erwartung, hier an der Ostküste keine so schönen Strände zu finden wie im Westen, wurde inzwischen widerlegt. Sie sind anders. Es gibt mehr Leute (zumeist deutscher Herkunft), das Meer ist weniger türkis, dafür strahlend blau, es gibt mehr Surfer und Rettungsschwimmer, weniger Haie (die uns ja aber in Perth auch nie begegnet sind) dafür mehr kleine giftige Quallen und Sandflöhe (die sehen aus wie Mücken und benehmen sich auch so). Die Strandtage hier sind dennoch genauso entspannt. Angeblich ist hier in Agnes Water die letzte mögliche Badestelle, da weiter nördlich die erwähnten Quallen auftreten und es dann weniger empfehlenswert ist, im Wasser zu sein. 

Qualle mit Motte

Suchbild: Wo ist die Krabbe?

Achsoooo... Na, dann vielen Dank für dieses entzückende Geschenk!

Ölige Füße am Strand
Agnes Water ist ein schöner Fleck. Aber auch der Weg hierher muss nicht verschwiegen werden. Nachdem Sunshine Coast sich am letzten Tag doch noch von sonniger Seite gezeigt hat, sind wir als fröhliche Fünfergruppe weitergezogen. Noosa sollte uns nur eine Nacht beherbergen, hier gab es dann doch nicht allzu viel Spannendes zu sehen. Also nur schnell auf den Bauernmarkt und noch mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Auch ein „German Bread“ sollte dieses Mal in unserem Einkaufskorb landen. Die Hoffnung war groß, dass der Berliner Bäcker sich an traditionelle Rezepte hält und uns ein Brot liefert, dass nicht schwammig weich und kernlos ist. Leider war auch die Enttäuschung nicht kleiner. Geschmacklich zwar körnig und lecker, aber wie gehabt australisch knautschbar. Was freuen wir uns inzwischen auf eine satte, echte Scheibe Schwarzbrot.. und Krabbensalat.. und Quark.. und und und..

 Also nach dem Markt weiter mit Senfbert. Die App führte uns in einen kleinen Ort namens Tiaro. Nicht an der Küste. Keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Nichts besonderes. Aber ganz besonders gastfreundlich! Der kostenlose Platz bot uns eine WARME Dusche, saubere und sogar nachts beleuchtete Toiletten, superviel Platz und sogar Trinkwasser, das ausschließlich den Reisenden zustand. Ein Schild neben dem Wasserhahn klärte auf: Dieses Wasser ist nur für die Reisenden gedacht. Die Anwohner wurden gebeten, davon abzusehen, sich daran zu bedienen. So willkommen haben wir uns selten gefühlt. Es stellte sich heraus, dass der kleine unscheinbare Ort so lieb zu seinen Besuchern ist, damit diese den ein oder anderen Dollar in einem der kleinen Dorfläden lassen. Gern geschehen! Auf diese Weise gab es frisches Essen aus dem Supermarkt und vom Schlachter. Willkommen ins Tiaro! Aber echt!

Uns hat Tiaro sogar noch eine andere, ganz besondere Freude gemacht: ein neues Mitglied unserer Reisetruppe. Willkommen, Lina! Meine weibliche Unterstützung aus Regensburg, die aus dem testosteronüberladenen Quintett eine noch buntere und fröhlichere Gruppe gemacht hat. Bereits am ersten Abend in Tiaro hat die allein Reisende sich uns angeschlossen und ist geblieben.

Nachdem Lina, Sven und Jason nach zwei Nächten schonmal weitergezogen sind, haben Arthur, Nils uns ich das Kilo Rinderhack vom Schlachter eben allein verputzt. Der absolute Burger-Overkill, völlige Überfressung und kaum noch Kommunikationskompetenz bis zum folgenden Tag waren die Folgen. Und Genuss! Yummi, waren die lecker!

Weiter ging die wilde Fahrt auch für uns nach dritter Nacht in Tiaro Richtung Stadt – keine Großstadt, was uns ganz Recht war. Bundaberg ist bekannt für seinen Rum. Schon die nette Reiseagentin Marie (im Hostel in Melbourne, bei der wir das Auto gebucht haben, wir erinnern uns) hat gesagt, dass wir mit diesem Rum sehr vorsichtig umgehen sollen, da er wohl ziemlich aggressiv machen soll. Die Bundaberger, wenn man sie mal so nennen darf, haben mit ihrem Erscheinungsbild ebenfalls dazu beigetragen, dass wir von diesem Rum lieber mal die Finger gelassen haben. Entweder er hält jung und alle Menschen um uns herum waren so schätzungsweise 120 Jahre alt oder aber der Rum lässt superschnell altern und die Menschen um uns herum waren in Wirklichkeit alle Mitte 20 und sagen nur aus wie 120. Wir wollten nicht am eigenen Leib testen, welche Variante nun stimmte und verließen auch Bundaberg rumfrei und friedlich nach nur einer Nacht. (Auf dem nebenbei bemerkt schlimmsten Platz bisher. Ungemütlich und unsympathisch – ne ne.. weg hier!) Lina, die wir zufällig in Bundaberg im Cafe trafen (Australien ist ein Dorf), erzählte uns von Ihrem Plan, noch heute die Weiterfahrt anzutreten Richtung Agnes Water, was auch unser Ziel für die kommende Fahrt werden sollte. Allerdings auch erst, nachdem unser Navigationssystem angefangen hat, Straßen zu erfinden, die nicht da waren und wir das ursprüngliche Ziel nicht erreichen konnten. 

Unterwegs: Spontanes Fotoshooting am Ananasfeld
Und da waren wir. Agnes Water. Ein kleiner Ort mit netten Läden, wundervollen Stränden und Geldautomaten, die meine deutsche Bankkarte hassten. Der Platz war so schön, dass wir ausnahmsweise Geld dafür zahlten, sogar drei Nächte zu bleiben. Kalte Dusche, saubere Klos, wunderschöner Strand in Fußnähe, supernette Atmosphäre und alle sechs Reisenden wiedervereint. Das muss man ja genießen.

oh, wunderschönes Agnes Water

Nun läuft ja die Zeit aber leider nicht langsamer nur, weil es irgendwo besonders schön ist. Da Cairns ruft, wir das Auto tatsächlich schon fast bald wieder abgeben müssen, dürfen wir jetzt nicht so lange trödeln, wenn wir nicht später stressen möchten. Also haben wir in Agnes Water beschlossen, alle zusammen einen großen Kilometersprung zu wagen. Ein Australier, den wir unterwegs getroffen haben, berichtete uns von einem Platz namens Carmila Beach. Dieser liegt so ungefähr 500 Kilometer nördlich von Agnes Water und soll wunderschön sein. Da zwischen diesen beiden Orten wohl ohnehin nicht so viel Sehenswertes ist, zogen wir die weite Fahrt durch – alle zusammen und kamen dann mit fünf Autos und im Dunkeln hier an. Moment.. fünf Autos? Wir, Arthur, Jason und Sven, Lina – das müssten doch vier sein? Gut aufgepasst. Franzose Gaultier hat auf dem Highway beobachtet, dass da vier Autos Kolonne fahren. Da schließ' ich mich an, dachte er sich wohl und so wurden wir sieben. 
Der Platz im Hellen hat uns dann alle ziemlich umgehauen! Wir parken direkt am Strand, es gibt Toiletten, die Autos stehen schattig und heizen nicht auf. Ein so schöner Ort. Der perfekte Ort für einen besonderen Tag: Nils' Geburtstag!
Gestern wurde gefeiert. Mit teurem australischem Lieblingsbier, tollen Leuten, Musik, Lagerfeuer und Stockbrot haben wir den Tag am Strand verbracht und uns darüber gefreut, wie gut es uns geht! Genießen! Die letzten Wochen.. 

Sonnenaufgang am Carmila Beach (Ja, ich sagte AUFgang)
Party-Gemeinschaft! Happy Birthday, Nili!

Sieben auf einen Streich

Lina und Gaultier haben sich heute schonmal verabschiedet und fahren weiter gen Norden. Wir folgen morgen – weiterhin der Sonne entgegen! 

und wir verstehen uns immer noch!
 Der Blog-Gruß geht heute auch an ein besonders sonniges Gemüt! Juliane, meine Liebe, ich schicke dir warme Grüße von „deiner“ australischen Ostküste und freue mich schon sehr darauf, mit dir über das ganz eigene Völkchen – die Aussies – zu schnacken! Sehr schade, dass Zeit und Geld dafür sorgten, dass wir uns nicht hier gesehen haben. Freu mich auf dich!





Samstag, 17. Mai 2014

Weiter geht die wilde Fahrt

Surfers Paradise

In Surfers Paradise sind die Menschen unfreundlich. Niemand ist willkommen und man muss aufpassen, nicht beklaut zu werden. So die Ansagen einiger Leute, die unseren Weg gekreuzt haben. Kaum haben wir mit Senfbert die Stadtgrenze überfahren, kommen die ersten Wutanfälle und genervten Seufzer. Wie lange kann eine Ampel rot sein? Und wieso kriegen es offensichtlich auch die Australier nicht auf die Reihe, sich ordnungsgemäß reißverschließend einzuordnen, wenn eine Spur wegfällt, so dass kein kilometerlanger Stau entsteht? Wieso fällt die Spur überhaupt weg? Gerade jetzt und mitten auf unserem Weg? Und wieder rot.. Muss wohl stimmen, was jeder über Surfers Paradise sagt. Blöde Stadt. Schnell weg hier.
Berliner Arthur nach wie vor im Schlepptau suchen wir uns einen kostenfreien Platz für die Nacht und machen es uns erst einmal bequem. Kurz darauf treffen auch Sven und Jason wieder ein. Die beiden hatten wir auf unserem Zwischenstopp in Nimbin kennen gelernt und sie haben uns auch hier ohne Absprachen wiedergefunden. Wie klein die Welt doch ist. Die Welt ja, aber Australien? Trotzdem funktioniert es auch hier, sich nicht zu verlieren und das ganz ohne die moderne Handy-Technik. Also alle zusammen um den Tisch, ein Gläschen Wein oder ein Bier, ein Schüsselchen 2-Minuten-Nudelsuppe und Kerzenschein. Das war der erste Abend hier. Heute ist der dritte.
Ich sitze im Auto während ich schreibe. Die Jungs (immernoch alle vier. Mädels, angenehmer kann man nicht reisen!) sitzen draußen und klönen bei netter Musik. Neben uns piepsen die vielfältigsten Vögel, das Wasser plätschert und wir beobachten die vielen Boote, springenden Delfine und Jetskis durch die Bäume hindurch. Wir sind in Main Beach, direkt am oberen Ende der Landzunge. Tagsüber fahren wir die wenigen Kilometer rüber zum Strand. Zuerst in Surfers Paradise direkt, heute in Main Beach. Wir machen uns Mittagessen an den öffentlichen Grillstationen und freuen uns über die tolle kleine Reisegruppe, die wir geworden sind.

Ja ja. Das Leben im Wald, im Dschungel, im Nichts hat es uns ziemlich angetan. Es ist aber auch einfach beeindruckend, was Australien an Landschaft zu bieten hat. Sehr abwechslungsreich und spannend. Da wird man schnell zum Naturfreund. Von den Menschen hingegen haben wir schnell mal die Nase voll. 

Strand und Hochhäuser (nur Hotels!) - Surfers Paradise


Nimbin

Als wir Byron Bay dann nach einer Woche doch mal verlassen haben nachdem wir uns auf dem kleinen aber süßen Bauernmarkt noch mit Avocados, Passionsfrüchten (beides zum absoluten Grundnahrungsmittel geworden, so lecker hier!) Grapefruits und „Custard Apples“ eingedeckt haben, führte uns das Navi nach Nimbin. Der Erwartung nach war es ein kleines Dorf, in dem nur Hippies leben, alle dauerhaft bekifft sind und die Polizei sich für gar nichts interessiert. Ziemlich zutreffende Beschreibung. Eine Nacht haben wir fußnah vom Ort entfernt verbracht und die erste warme Dusche seit Autoreise genossen. Dann hat's aber auch schon gereicht mit Nimbin. Die folgende Nacht sind wir wieder der App gefolgt und haben unsere Autos mit den Kofferräumen aneinander auf einem Parkplatz mit wunderschöner Aussicht geparkt. Keine Klos, keine Duschen, keine Menschen! Weit sind wir dafür nicht gefahren, aber es hat sich absolut gelohnt, den Platz zu wechseln. Hier haben uns dann auch Sven und Jason ausfindig gemacht. Die beiden kannten Arthur schon, haben ihn und uns entdeckt und so entstand unsere kleine Reisegemeinschaft.

Morgen trennen sich unsere Wege – erstmal. Nils und ich schlagen bei einem Internetangebot zu und gehen morgen in den Wasserpark „Wet'n'wild“, zu dem wir von hier keine halbe Stunde brauchen. Anschließend werden wir die Nacht wohl wieder hier in Main Beach verbringen, um nach dem angestrengten Wasserspaß keine große Suchaktion mehr starten zu müssen. Dann geht’s aber wirklich mal raus aus diesem Ort. Man sieht.. Surfers Paradise ist furchtbar. Nach vier Tagen hier können wir guten Gewissens behaupten: stimmt nicht. Hier kann man ruhig ein bisschen bleiben. Die City ist ziemlich unangenehm, das ist wahr, aber nach unseren letzten Wochen sind wir das Stadtleben mit all seinen Ampeln und Baustellen auch einfach nicht mehr gewöhnt. Mal sehen, ob unser nächstes Ziel – Brisbane – sich von einer angenehmeren Seite zeigt. 

Nimbin - Juju und Arthur beim Kofferraumplausch

Nimbin zweite Nacht. Arthur, Nils und Sonne

Und die Aussicht ließ sich auch aushalten


Tage später

Ja ja.. das Internet auf Reisen. Nun haben wir seit einigen Tagen keinen Ort aufgesucht, bei dem wir lange genug stabiles Internet haben, um ausführlich die Blogeinträge, geschweige denn Bilder hochzuladen. Mittlerweile liegt Surfers Paradise schon wieder einige Hunderte Kilometer hinter uns.

Der Tag im Wasserpark Wet'n'wild war erwarteterweise sehr nass und sehr wild. Einige Rutschen waren leider aus nebensaisonalen Gründen geschlossen, was uns nicht allzu sehr gefreut hat. Wir haben ausnahmsweise drüber hinweggesehen, haben wir ja nur den halben Preis bezahlt. Die Rutschen, die offen waren, haben dafür für umso mehr Spaß gesorgt! Mein persönlicher Favorit: der große Trichter! Man sitzt zusammen in einem schlauchbootartigen Gummisitz und wird dann nach einer großen Rutsche in einen Trichter geleitet, in dem es dann dank ausreichend Schwung nochmal ordentlich an den Wänden hoch und runter geht, bevor man aus dem Trichter in ein Becken gespült wird. Man vergisst absolut, wo oben und unten ist. Rutsche mit absoluter Bauchkribbel-Garantie! Die anderen Rutschen waren aber auch spaßig! Hab nur bei der Einen gekniffen. Nahezu stehend wird man durch eine Falltür in eine supersteile Rutsche gescheucht, um genug Schwung für den Looping zu haben. Nils hatte aber seinen Spaß! Die Schreie, die ich vom Zuschauerrang aus durch die rutschenden Plastikwände gehört haben, waren famos! Toller Tag!
Abends ging es dann zurück zu den anderen auf unseren Platz. Also doch noch zusammen, weil die anderen sich dazu entschlossen haben, den Aufenthalt in Surfers Paradise noch um eine weitere Nacht zu verlängern. 

Spaß im Wasserpark - huiii

Nils und seine geliebte Looping-Draufgänger-Rutsche


Brisbane

Anschließend ging es nach Brisbane. Eine Stadt wie eine Mischung aus Perth, Melbourne und Sydney. Wir haben in unserem paarstündigen Aufenthalt dort nicht so richtig durchschaut, was Brisbane gern ausstrahlen will. Die City ist voll mit Menschen, die hochprofessionell und schwer beschäftigt aussehen. Jeder Mann trägt Anzug, jede Frau Kostümchen. Ne ne.. nicht so unser Ding. Da man in der Stadt nirgends auch nur ein Stündchen kostenlos parken darf (dafür kann man gern mal 10$ lockermachen), haben wir etwas auswärts in einem Industriegebiet geparkt und da erstmal geluncht. Arthur immernoch mit dabei. Und wie kommen wir nun in die Stadt? Das war das Schöne an unserem Tagesausflug in die Stadt: vom Parkplatz einige Fußminuten entfernt haben wir einen Anleger gefunden, an dem die Fähre in die Stadt schon auf uns gewartet hat! Endlich wieder auf's Boot. Da hüpft das Hamburger Herz! 

ein Stückchen Brisbane vom Fluss aus


Sunshine Coast

Bitte was? Ja.. wer auch immer sich diesen Namen ausgedacht hat. Es regnet leider seit wir angekommen sind. Zwischendurch hört es auf, die Sonne kommt sogar raus und wir denken: Los, ab an den Strand! Aber nein! Zack – da regnet es auch schon wieder. Das Wetter schlägt hier dermaßen schnell um, dass man kaum Pläne für die nächste halbe Stunde schmieden kann. Also geben wir diesem Ort noch eine letzte Chance und bleiben eine weitere Nacht. Wenn sich das morgen aber nicht ändert und mal stabiler schön bleibt, haken wir die Sunshine Coast als eine (zumindest im Mai) dreiste Lüge ab und ziehen weiter Richtung Sonne und Strand! Der Platz, auf dem wir die letzte Nacht verbracht haben, ist ein kostenfreier (leider auch klofreier) Parkplatz direkt an einem Bootsanlegeplatz. Sehr ruhig und schön da direkt am Wasser mit Blick auf die Stadt am anderen Ufer. Bei unseren französischen Nachbarn handelt es sich doch tatsächlich ausnahmsweise um sehr kompetente Englisch-Sprecher, mit denen wir gestern einen netten und feuchtfröhlichen Abend hatten. Wenn doch bloß der Regen nicht wäre (den wir jetzt gerade allerdings ziemlich gemütlich finden, während wir so Blog-schreibend im Auto sitzen und auf's Meer gucken. Direkt am Strand haben wir schnell noch die kalte aber klare Stranddusche ausgenutzt und fühlen uns jetzt wieder frisch und guter Dinge).

Aussicht auf den Hafen - "Sunshine Coast"

Grauer Himmel, mutiger Pelikan - Fütterung in Twin Waters /Sunshine Coast


Die Tradition verlangt es so, hier noch schnell mein Blog-Gruß, bevor wir uns eine Tankstelle mit kostenlosem WLAN suchen, um euch endlich mit Infos zu versorgen. Aujourd'hui, mon Blog-Gruß goes to: Justine! Ma chère Coucou, parlant des voisins français, je t'envoie un gros bisous et je te remercie beaucoup pour ton email! I'm happy to see you in Germany soon and hope to get more of your nice language-mixed-up emails! C'est beaucoup de fun! Salut à toute la famille!

Übrigens: Gestern in einem Monat landen wir wieder in Hamburg! Wir freuen uns riesig auf euch alle, auf Umarmungen, persönliche Gespräche, Kaffee trinken, Deutsche Leckereien Essen und zu Hause sein! Aber erstmal genießen wir noch weiter unsere Reise. Da müssen wir durch! Wir sind ja schließlich nicht aus Spaß hier..

Große Freude, die Nils mir gemacht hat: Buntstifte!! Unsere Reise auf dem Papier








Mittwoch, 7. Mai 2014

Willkommen in Byron Bay - oder auch nicht

Weil das Gegenlicht so stark ist, sieht der Mann auf dem glitzernden Wasser aus wie ein surfender Schatten. Ich erkenne nur die Umrisse. Mit dem Laptop am Strand zu sitzen, kommt einem kurz etwas daneben vor – sieht ja so nach Arbeit aus. Das Gefühl vergeht aber schnell, weil ich ja weiß, dass es alles andere als Arbeit ist. Mir fällt gerade kein Ort ein, der schöner sein könnte jetzt in diesem Moment. Das Meer plätschert vor sich hin und schiebt immer mal wieder kleine und größere Wellen an den Strand. Um mich herum nur drei Leute. Nils, ein Lesender und ein Surfer. Wo sind denn alle? Mich freut jedenfalls, dass es hier so leer ist. Die Sonne gibt jetzt zum Winteranfang nochmal alles und heizt die von der Nacht gekühlte Haut gut auf. Es ist erst zehn, aber wir sind ja frühe Vögel seit wir mit dem Auto reisen. Wir gehen ins mobile Bett, kurz nachdem es dunkel geworden ist, da wir ansonsten wenig mit der anbrechenden Nacht anfangen können. Im Dunkeln fahren wollen und sollen wir nicht. Wenn wir dann nämlich etwas anfahren – ein Känguru oder ähnliches Groß-oder Kleinvieh, sind die entstehenden Schäden nicht versichert. Also fahren wir kurz nach Sonnenuntergang zurück zu unserem kostenlosen Rastplatz – unserem Nachtdomizil. Die letzten zwei Abende konnten wir uns an der Gesellschaft von Berliner Arthur erfreuen, der ebenfalls den Rastplatz für sich entdeckt hat. 

Schuhe auf dem quietschenden Ostküstensand


spannende Wolken

Willkommen ist man als sparsamer im-Auto-Schläfer hier in Byron Bay nicht. Überall erinnern große, hässliche Warnschilder an die 1000 Dollar, die sie von dir haben wollen, wenn sie dich doch dabei erwischen, wie du dein Wohnauto in irgendeiner Straße, auf einem Parkplatz oder sonstwo im Ort strafparkst. Mit unserem pingelig errechneten Tagesbudget können und wollen wir es uns nicht erlauben, den Campingplätzen in der Stadt zig Dollar in den Rachen zu werfen. Nur elf Kilometer fahren wir aus Byron raus zu unserem Parkplatz direkt am Highway. Laut aber absolut bewohnbar. Nach Sonnenaufgang geht’s dann auch gleich wieder zurück. Augen auf, Auto von Nacht auf Tag umbauen und dann wieder rein die Stadt, um dort Strand und öffentliche Grillstationen zu genießen. 

Abgesehen von der Camper-Unwillkommenheit gefällt uns Byron Bay ausgezeichnet. Wir sind seit donnerstag hier und werden auch vor donnerstag nicht wieder fahren. Ein Einheimischer hat uns erzählt, dass hier dann nämlich ein großer Bauernmarkt stattfindet. Den wollen wir uns unbedingt noch ansehen in der Hoffnung, für'n Appel und'n Ei ein bisschen Obst, Gemüse und Fleisch zu bekommen. Der „normale“ Sonntagsmarkt war schon mal sehr schön. Am liebsten hätten wir alle Preisschilder einfach ignoriert und uns komplett neu eingekleidet und mit den leckersten Köstlichkeiten vollgestopft. Unsere Ausbeute an Avocados, Passionsfrüchten und Bananen aus der unmittelbaren Umgebung hat uns aber auch sehr glücklich gemacht. Für unsere eingeschränkten Kochmöglichkeiten machen wir uns ziemlich gut. Wir essen gar nicht so oft Nudeln wie erwartet und auch an das brotlose Frühstück haben wir uns ziemlich gut gewöhnt. Eier, Obst und Reiswaffeln begleiten den allmorgendlichen Kaffee und machen uns erstmal für ein Weilchen satt. 

Frühstück in Senfbert der Höllenrakete

Nach unserem zwei-nächtigen Aufenthalt in der Kommune im Bongil-Bongil Nationalpark hatten wir nur einen Zwischenstopp bevor wir hier angekommen sind. In Broadwater (für die Google-Weg-Verfolger unter euch) haben wir Auto Senfbert direkt am Fluss geparkt. Die App, die uns mit kostenlosen Parkplätzen versorgt, hatte schon angekündigt, dass die Toiletten ziemlich verbesserungswürdig wären, das stimmte leider. Ansonsten waren wir auf dem Platz aber gut aufgehoben und Nils hat endlich seinen ersten grünen Baumfrosch gesehen.

Anschließend ging es direkt nach dem Frühstück hierher nach Byron Bay, wo wir genießen, nichts zu tun und nichts zu sehen (also nichts neues, was unsere volle Aufmerksamkeit beanspruchen würde). Wir verbringen den Tag am Strand oder in der Stadt, bummeln durch die Straßen und machen uns lecker Lunch. Abends gibt’s mal ein Glas Wein (beziehungsweise einen Plastikbecher) bei Kerzenschein. Sehr romantisch!
A propos romantisch: nirgends habe ich bisher Sonnenuntergänge gesehen, die so farbenfroh und grell sind wie hier. Mit eher schwachen Erwartungen sind wir an die Ostküste gekommen, was das angeht, weil wir ja wissen, dass die Sonne an der Westküste über dem Wasser untergeht, was sehr schön aussehen kann. Hier geht sie über dem Land unter, was bestimmt nicht halb so schön aussieht, haben wir uns gedacht. Aber Pustekuchen! Wir wurden eines Besseren belehrt und sind schon einige Abende in den Genuss tollster Wolkenbilder gekommen. Seht selbst.

atemberaubender Sonnenuntergang - immer so viel schöner MIT Wolken

Im Surferort Byron Bay kann man nicht eine ganze Woche bleiben ohne wenigstens ein Mal auf's Brett zu steigen. Bei mir war dieser Versuch weniger erfolgreich als beim letzten Surfversuch in Perth. Wahrscheinlich kann ich einfach nur mit echten Profiwellen umgehen und mit so Anfängergeplätscher nichts anfangen.. Ähm.. ja.. Um die fünf Stunden voll auszukosten, in denen wir das Board gemietet hatten (überraschenderweise zu einem erstaunlich günstigen Preis), habe ich das Handtuch geworfen und es mir stattdessen auf selbigem in der Sonne gemütlich gemacht. Nils hingegen hat auf dem Wasser eine echt sportliche Figur gemacht und ist das erste Mal stehend die Wellen geritten. Heute danken es ihm Muskeln und Knie, aber die Schmerzen war es wert. Neben viel Spaß und einer Ladung wohlverdientem Stolz haben wir auch hier ein schönes Bündel neuer Fotos gewonnen, die uns am Ende unserer Reise an all die schönen Erlebnisse erinnern werden. Wo sollen die ganzen Fotos bloß hin? 

Nils der Profisurfer

Bei Fotos fällt mir ein, an wen ich den heutigen Blog-Gruß richten möchte. Liebe Sabine T., auch wenn das letzte Mal jetzt schon ein Weilchen her ist, erfreue ich mich immer sehr an deinen Foto-Posts bei Facebook, die einen kleinen aber sehr schönen bildlichen Eindruck aus der Heimat hier ans andere Ende der Welt schicken. Die Fotos vom Hochwasser waren zwar beängstigend, aber auch so schön! Vielen Dank für tolle Frühlings- und andere Hamburgfotos und bitte mehr! Eine warme Umarmung an alle Tessis und bis bald in „echt“!