| Welcome to Australia, Leni! |
Da kommt jemand vom anderen Ende der
Welt in meine neue kleine Welt spaziert und wühlt hier alles neu
auf. Es ist großartig und fühlt sich wundervoll an, neben Nils
einen weiteren Teil Familie hier im schönen Perth zu haben und alles
so wichtig Gewordene zeigen zu können. Lena ist für drei Wochen bei
uns eingezogen, wodurch die Zeit einen weiteren Zahn zugelegt hat,
was eine absolute Frechheit ist. Wie ist es, wenn man sich nach so
vielen Monaten endlich wiedersieht? Also ohne Skype, so völlig
unverpixelt und in Echtzeit. Toll! Mit Tränen in den Augen fällt
man sich im Flughafen in die Arme – Schwestern endlich wieder
vereint! Schnell nach Haus geflitzt, dort noch mit Cupcakes und Cider
das Willkommen gefeiert, bevor es ins Bett geht. Da die Familie zu
dem Zeitpunkt urlaubstechnisch auf Bali unterwegs war, hatten wir das
Haus für uns. Also die alten Kindertage nochmal aufleben lassen und
im Hochbett der Jungs schlafen. Ich oben, Leni unten, und dann
Quatschen ohne Ende. „Komm, wir schlafen jetzt mal!“ „Ja!..
achso, aber weißt du was?“ ..“Jetzt müssen wir echt mal
schlafen!“ „Ja, echt mal!“.. nach mehrmaligem Wiederholen
fallen die Augen dann doch müde zu.
| Keine Zeit zu verlieren, also Quatsch machen von Anfang an! |
| Kleiner Fußmarsch = bisschen schmutzig! Großer Fußmarsch... |
| Und zu Hause lecker Eis am Stiel selber machen. Yummi |
Die erste Woche bestand also aus
Entspannen, Ankommen, Pool, Strand, Essen und schonmal die
wichtigsten ersten Punkte auf der To-Do-List abklappern. So zum
Beispiel ein (für mich weiterer) Besuch in der Gold Class des Kinos.
Dieses Mal der Film „American Hustle“. Man muss zuhören und
aufpassen, aber es lohnt sich und rein schauspielerisch ist es ein
großartiges Ding.
Auch das Essen haben wir mit dem Popo
bequem in die Kinositze gedrückt genossen. Genießen, ja, das kann
man immernoch ganz ausgezeichnet. Für mich fühlt es sich noch immer
so an, für Lena IST es Urlaub, daher steht Genießen auch klar im
Vordergrund. Gerade in diesem Moment sitzen wir beispielsweise mit
Blick auf die heute sehr ruhige, türkise See im Schatten und
genießen den warmen Wind um uns herum, der die 35°C erträglicher
macht. Wir hatten zwar weit heißere Tage mittlerweile (hoch bis
45°C), aber so groß sind die Unterschiede ab einer bestimmten
Temperatur auch nicht mehr. In diesem Fall also gut, dass Perth sich
als drittwindigste Stadt der Welt betiteln darf.
Aber man kommt ja auch nicht ständig
nach Australien und daher muss ein bisschen Action auch erlaubt sein.
Also – zack – ins Auto und „Down South“ nach Margaret River
fahren. Da hat ein niedliches Holzhäuschen auf Hannah, Lena, Nils
und mich gewartet. Auf einem Campingplatz mit Blick aufs Meer haben
wir es uns mit Selbstgekochtem gutgehen lassen. Der schöne
Wochenendtrip sollte seinen Höhepunkt am Samstag erreichen. Bereits
aus Perth gebucht, haben wir uns schon tagelang auf die Weintour
gefreut. Genau genommen eine Wein-Bier-Sekt-Käse-Schokoladentour mit
ausgezeichnetem Mittagsessen und der Möglichkeit, zusammen mit
insgesamt 19 lustigen Menschen verschiedener Nationen (Schottland,
verschiedenste Ecken Australiens, Kanada, Argentinien und
Deutschland) völlig neue Köstlichkeiten zu probieren. Auch weniger
Köstliches, wenn ich an die winzigen getrockneten irgendwas-Tomaten
denke, die geschmeckt haben wie ausgekotzt (leider im wahrsten aller
Sinne des Wortes, daher sei die Gossensprache an dieser Stelle
gestattet). Herrlich lecker waren aber Känguru, Krokodil,
„Blutlimetten“ (Blood limes), verschiedene Chutneys, Pestos und
das (natürlich wabbelige aber dennoch köstliche)
getrocknete-Tomaten-Brot. Überraschenderweise waren Lena, ein
weiterer Mitfahrer und ich die einzig Mutigen, uns auf ganz neues Eis
zu wagen und so teilten wir uns zu dritt die dicke Raupe
(„Witchetty-Made“ für die, die googlen wollen). „Schleimig,
jedoch Vitaminreich“, wie schon Timon im König der Löwen so schön
feststellt. Sogar recht lecker, wie wir feststellten. Ohne Witz!
Glücklicherweise hatten wir ja schon ein paar Weine probiert, so
dass wir mutig genug sein konnten, das schmierige, ungekochte Ding zu
essen. Wenigstens tot, dachten wir und mit einem Happs landet der
Glibschi in unseren Mündern. Fischig und ausgesprochen Nussig! Der
Kopf knusprig, der Rest weich. Nun wisst ihr es ganz genau und mir
fallen mindestens vier Leute von euch ein, die sich jetzt schütteln
und denken: „BÄÄH!“ Wir sind ja aber nicht hier, um
Altbekanntes zu essen, machen, denken oder sehen. Erweitere deinen
Horizont und iss ab und zu mal was Ekliges! Es lohnt sich!
Fazit des Ganzen: super Stimmung, super
Wein, super Bier, leckere Schoki und auch der Käse war gut. Ein so
schönes Wochenende, dass sogar unsere heimatverwurzelte Hannah ein
paar „Don't wanna go“-Tränchen lassen musste. Mir graut schon
jetzt vor den Bächen, die am Ende meiner australischen Zeit über
mein Gesicht strömen. Oh oh..
Ja, nicht nur Leni, auch Hannah folgt
dann anfang Februar ins kalte Deutschland und lässt mich für einige
Monate hier „allein“ zurück. Absolut nicht allein, das ist mir
bewusst, aber ohne euch wird ein großes Stück fehlen, Mädels!
Schämt euch!
| Gruppenkuscheln im Meer. Prevelly Beach / Margaret River |
| Wein im schönen Margaret River |
| Professionelle Weintester |
| Und guten Appetit! |
Nun haben Lena und ich also noch eine
gemeinsame Woche, die mit lauter schönen Aktivitäten vollgestopft
wird. Die Familie hat Lena absolut unüberraschenderweise so herzlich
aufgenommen wie mich und Nils auch damals. Wir haben eine schöne
Zeit zusammen und auch die Kinder sind verliebt. Kein Wunder! Wir
spielen viel und Lena kommt mit in den Pool und backt „awesome“
Geburtstagskuchen für Michelle. Gestern haben wir ihren Ehrentag
gefeiert, hatten ein leckeres Essen und Lena hatte die Gelegenheit,
meine australische Familie ein bisschen kennen zu lernen. Fortgesetzt
wird die Party dann kommende Woche.
An dieser Stelle einen Gruß an
sämtliche Geburtstagskinder vom gestrigen Tag:
Lieber Detlef, auch hier bekommst du
nochmal einen Gruß aus diesem schönen Land. Nächstes Jahr können
wir unsere Geburtstage ja mal wieder zusammen feiern. Außerdem freue
ich mich auf die Sommerparty, die du angekündigt hast, um alles
nachzuholen, was ich jetzt gerade bei euch nicht mitbekomme. Ich
hoffe, ihr hattet eine tolle Zeit und einen schönen Abend, leckeren
Kuchen und ein super Essen am Lütjensee.
Liebe Anna, auch dir natürlich alles
Gute nochmal auf diesem Wege, wo es jeder mitbekommt, Frau
Geburtstags-Geheimhalterin! Deine Nachricht, dass wir uns ein
weiteres Jahr nicht sehen sollen, missfällt mir gänzlich, aber ich
freue mich darauf, weiterhin deine Emails lesen zu können. You made
so many of my days, liebe Brieffreundin! Ich hoffe, auch du hattest
einen wundervollen Tag mit lauter Geschenken nach deinem Geschmack!
Dear Michelle, of course I can't miss
you in this blog. Happy birthday again! I'm so happy we could
celebrate your special day together. It was an awesome day with all
of you awesome people. You all gave me a home right from the
beginning and I love spending time with you. I hope you had at least
as much fun as we had. And thanks so much for making it possible to
have such a special time with Lena!
Viele schöne Ereignisse, viele schöne
Erlebnisse. Eines davon war letzten Mittwoch geplant. Open Air Kino
im Kings Park. Der Kings Park ist groß! Nein, er ist riesig. Das
wissen wir jetzt. Zu Fuß von der Bahnstation hochgelaufen sind wir
ja schon einige Male und es klappt ausgezeichnet. Dieses Mal mussten
wir etwas weiter und hatten uns vorab ausnahmsweise mal nicht
ausreichend darüber informiert, wie man hinkommt. Also schnell
durchgefragt und uns dann an die Antwort gehalten, immer dem Verlauf
der Straße zu folgen. Gut, die junge Dame hatte sowas gesagt wie
„Ihr könnt aber nicht laufen, da lauft ihr ewig“, aber wer nicht
hören will.. Bei den Auto-verwöhnten Australien kann „ewig“
auch 20 Minuten heißen und daher haben Hannah, Lena und ich nicht
weiter darauf gehört und sind mit FlipFlops an den Füßen
losgestiefelt. Nach einer Stunde Fußweg (davon circa 30 Minuten
steil bergauf) sind wir endlich angekommen. Den schweren Korb mit
Sekt und Knabbereien abgestellt und Karten kaufen – so der Plan..
Ausverkauft! Auch nach mehrmaligem Betteln auf charmanteste Weise
kein Einknicken der Ticketverkäufer und auch nicht der Einlasserin.
Also Picknickdecke im Park außerhalb des Kinobereiches ausgebreitet
und stattdessen die Spielkarten ausgepackt („Go Fish“ natürlich,
nicht sowas Anspruchsvolles wie Skat). Wir hatten einen großartigen
Abend mit viel Spaß. Bestimmt war der Film eh doof..
Aufregend, spannend, entspannend und
viel zu schnell ist die Zeit! Mal sehen, was noch kommt. Morgen soll
es erstmal zu den Pinnacles gehen, wenn das Wetter mitspielt. (Der
war gut!) Diese gelbliche Sandwüste mit Steinen, falls ihr euch
nicht erinnert. Neue Fotos werden das Gedächtnis dann ja wieder
auffrischen.
Zufall des Tages übrigens: Lena findet
vor'm Shopping-Centre Karrinyup eine 10-Eurocent-Münze!
Und nun, kurz vorm immer heiß
erwarteten Bloggruß (na, wen wird es diesmal treffen?) noch ein
kleines „Statement“ der urlaubenden Schwester.
Wer nun erwartet, eine kritische Stimme
zu hören – ich kann ja durchaus auch mal skeptisch sein -, wird
gnadenlos enttäuscht. Denn tatsächlich ist Australien vom ersten
Augenblick an genau so geil, wie Ju es immer beschreibt.
Ja, die Leute sind echt so nett.
Ja, die Sonne scheint echt immer.
Ja, wir haben echt soviel Spaß.
Ja, die Kinder sind echt ein Knüller.
Allerdings sind die auch echt laut
manchmal und streiten über Kinderkram (wen wundert's, muss ja so).
Dass Ju das Ganze nicht als Arbeit sieht, spricht absolut für sie.
Ich bin manchmal ganz froh, wenn wir die Tür hinter uns zumachen und
Wahnsinnssachen erleben, die weit über das Finden von Eurocentmünzen
vorm Shoppingcenter hinausgehen ;)
Andererseits bin ich auch so verliebt,
dass ich gar nicht weiß, wen ich zuerst in den Koffer packen soll:
den schlauen, sensiblen James, der versucht hat, mir japanisches
Zählen beizubringen oder den frechen, kleinen Lewis, der mit seiner
Schwimmbrille aussieht wie eine kleine grimmige Comicfigur oder doch
das Baby Leah, das mit wechselnden aber immer süßen Outfits gerade
Laufen lernt und bald nicht mehr Baby genannt werden kann?
Oder (nanu, das waren doch schon drei)
vielleicht auch den Hund Max. Wer hätte gedacht, dass mich ein
kleiner Wauwau so begeistern kann?
So, Leute, die Zeit rennt, ich werde
sie nicht weiter mit Schreiben füllen, denn meine Abreiseuhr
tickt...
Genießt die Blogs meiner kleinen
Schwester, ich bezeuge feierlich: Sie sind nicht ein Stück
übertrieben, really! Mal gucken, ob ich meinen Flug nicht doch aus
Versehen verpasse - „accidentally“ sozusagen, so wie Lewis
manchmal seltsame Dinge ganz „accidentally“ passieren (uups, wie
kam bloß die Schere in meine Hand?)...
Jetzt muss ich aber echt mal aufhören.
Ja, echt mal.
Aber wisst ihr was? Der Blog-Gruß
fehlt immer noch und das geht ja so nicht. Also aufgepasst. Eine
dicke Umarmung „trifft“ heute mit viel Schwung unsere lieben
Tanten und Onkel. Mit geballter Schwesternpower schicken wir einen
sonnigen Gruß in die ganze Familie und hoffen, es geht euch allen
gut. So gut wie uns? Nun, das dürfte schwer werden, aber halb so gut
wäre ja mindestens wünschenswert. Wir denken an euch! Genießt den
Schnee!




