Dienstag, 22. Oktober 2013

"Speechturns" und andere Sprachphänomene

Wie wir einfach Tag für Tag, Satz für Satz und Wort für Wort miteinander reden, ohne uns Gedanken darüber zu machen, was genau wir eigentlich sagen.. „Eigentlich“ - das ist doch gleich ein schönes Beispiel. Dieses Wort ist eigentlich (!) in den meisten Fällen absolut unnötig, trotzdem hört und liest man es ständig. (und es gibt über 20 Übersetzungen ins Englische). Lieber mal alles relativieren, was wir sagen, bevor sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Nur eine der vielen wunderbaren Redewendungen, die die deutsche Sprache so mit sich bringt. Die deutsche Sprache, ganz genau! Konfrontiert mit einer anderen Sprache, fällt einem dann mal auf, wie viel Nonsens sich in unserem Täglich-Wort befindet. Da ich ein bekennender Liebhaber von Redewendungen und sonstigen Sprachspielereien bin, habe ich mich mal auf die Suche begeben. Auf die Suche nach „Speechturns“ und sonstigen Auffälligkeiten in der englischen Sprache. Und diese Reise, meine Lieben, hat sich gelohnt!

Was die australische Mode angeht, traue ich ja gern mal meinen Augen nicht, ganz besonders in Bezug auf Leggings und andere enganliegende Schönheiten. Seinen Augen nicht zu trauen ist jedoch weit harmloser als unsere englischsprachigen Freunde vorgehen, bei denen in der selben Situation die Augen beinahe aus dem Kopf schießen („My eyes nearly popped out of my head!“). Gibt es gerade keinen Grund, seinen Augen zu misstrauen, muss eben der liebe Frieden herhalten. Wo wir diesem nicht trauen oder Böses erahnen, ist hier nur „something in the wind“.
A propos Wind.. wieviele Begriffe gibt es allein in der deutschen Sprache, um „Flatulenzen“ zu beschreiben? Ohne groß auf das deutsche Gepupse einzugehen, freue ich mich wie ein kleines Kind über die Redewendung hier, die den Schuldigen schlicht den Käse schneiden lässt (to cut the cheese). So wie es bei uns dann immer der war, der fragt (auch gern „always the the ask“), ist es hier „always the one who says no“. Und so lachen alle über Furz-Witze so wie Lewis über die Fart-Gun, die er zum Geburtstag bekommen hat. Eine schicke kleine Waffe, die ausgezeichnete, mal mehr mal weniger authentische Pupsgeräusche erzeugt. Betätigt man dazu vor dem „Abdrücken“ noch die kleine Pumpe an der Rückseite, riecht der „Schuss“ sogar nach Banane. Furchtbar, ekelhaft und zum Totlachen witzig! Ein Spaß für Jung und Alt. 
Alter kommt im Übrigen auch hier vor Schönheit, beziehungsweise „age before beauty“ und wer zuerst kommt, mahlt ja bekanntlich zuerst. Hier wird man statt zu mahlen zuerst bedient. In der Vogelwelt hingegen geht es genau wie bei uns um den Wurm, der den frühen Vogel belohnt. Der frühe Vogel ist hier ein Spatz. Woher ich das weiß? Von einer Redewendung, die uns direkt wieder zu unserem heutigen Lieblingsthema katapultiert. Steht etwas sehr früh am Morgen an, bezeichnet man diese Tageszeit als „Sparrow's fart“.
Wir müssen am 12. November zu dieser Zeit aufstehen, um unseren Ausflug anzutreten, bei dem wir mit wilden Delfinen schwimmen gehen. Das wird spannend! Hoffen wir, dass niemand von uns von irgendwelchen Meeresbewohnern aufgegessen wird. Drückt die Daumen oder „Keep your fingers crossed“!

Bei Uhrzeiten fällt mir ein, dass ich erst vor einigen Wochen wieder angefangen habe, eine Armbanduhr zu tragen. Zu Hause hatte ich es mir so schön abgewöhnt, da dieser ständige, unnötige Blick auf die Uhr einen doch irgendwie nervös macht. Nun habe ich aber bei einer Auslosung eine Armbanduhr gewonnen (ich wollte doch den Trip nach Bali, manno!) und es wäre doch schade, würde diese einfach nur rumliegen. Jetzt habe ich also wieder eine Antwort, wenn mich jemand nach der Zeit fragt (was im Handy-Zeitalter seltenst jemand macht, warum auch?). Und vorher? Ohne Uhr am Arm und trotzdem auf den Arm geguckt, wie spät es ist. Das ist mir in der Zeit der Uhren-Entwöhnung oft passiert. Wie spät ist es? „Haut vor Knochen“. Hier ist es ähnlich, jedoch ist es „Haar nach Sommersprosse“ (hair past a freckle).

Von diesen sehr ähnlichen Redewendungen gibt es tatsächlich relativ viele, mehr als ich erwartet habe. Manche haben kleine Abwandlungen und so ist man hier statt grün eben nass hinter den Ohren oder befindet sich „up the garden path“, wo wir auf dem deutschen Holzweg sind. 
Wer zuletzt lacht, lacht hier nicht nur am besten, sondern wahlweise auch am lautesten oder längsten. 

Derjenige, der nun nichts mehr zu lachen hat, ist möglicherweise sauer, aber nicht einfach nur sauer, sondern „mad as a cut snake“ und wir wollen uns weder vorstellen, wie wütend die wohl sind, noch wollen wir auch nur ahnen, wie eklig das aussieht (stellt es sich jetzt jeder vor? Gut!). An dieser Stelle ein kleiner Angstnehmer: Nach fast vier Monaten noch immer keine Begegnung mit einer Schlange - weder wütend, noch glücklich!

Mit Redewendungsfan Michelle an meiner Seite (mein „Partner in crime“ sozusagen) auf der Reise durch die Redewendungen hatte ich ziemlich viel Spaß beim Recherchieren. Da ich kein großer Freund von „JWD – Janz weit draußen“ bin, um weite Entfernungen auszudrücken, freue ich mich umso mehr, dass Weites hier „out in WoopWoop“ ist. Wunderbar, niedlich und ziemlich australisch!

Im Gegensatz dazu sind macnhe Dinge aber auch so absolut gar nicht australisch, nicht einmal englisch. Kinder besuchen den „Kindergarten“, hier also schonmal keine Schwierigkeit für deutsche Aupairs, das Kind an der richtigen Einrichtung abzugeben. Zudem machen sie es uns hier leicht, wenn wir unser „Auto“ waschen wollen. Aber nur waschen! Wenn wir es fahren, ist es wie gelernt das „car“ und nicht das "Auto" anymore! No no no!
Wem das alles zu viel wird, empfehle ich ein kühles „Bier“ - ja, genau das! Das ist – wie ebenfalls die meisten von euch wissen dürften – nicht die korrekte Vokabel beziehungsweise Schreibweise, da wir alle ja wissen, dass man hier vor allem „beer“ trinkt. Möglicherweise hat es ja damit zu tun, dass die deutsche Brauereikunst hoch gelobt und anerkannt wird. Dann darf das „beer“ auch ruhig mal „Bier“ genannt werden! Vergleicht man diese winzige Auflistung mal mit Anglizismen, die sich in der deutschen Sprache schon so übertrieben breit gemacht haben, kann man da wohl nur drüber schmunzeln. Dabei kann man doch mit deutschen Begriffen und Redewendungen auch so wunderbar spielen und Spaß haben. Verniedlichungen mit „-chen“, „-lein“ oder schlicht einem „i“ machen Freude! Aber Vorsicht bei der Übertragung in andere Sprachen. Ein „nap“ zum Beispiel ist bereits ein verniedlichtes „Schläfchen“. Von weiteren Verniedlichungsversuchen ist in diesem Fall dringend abzuraten, da falsche Eindrücke entstehen können! Vorsicht also mit dem Satz „I need a nappy!“, denn durch ihn outet man sich als Windelträger!

Da sieht man es: Sprache ist Spaß! Sprache ist endlos und Sprache lebt, Sprache entwickelt sich ununterbrochen. Gerne forsche ich mal nach eurer Lieblings-Redewendung und finde heraus, ob es die hier auch gibt. Ich freue mich über jeden Kommentar, also sprecht! Erfreut euch an Sprachen und der unglaublichen Vielfalt und seid nur sprachlos, wenn ihr überwältigt seid (oder schlaft oder so)! Für heute habe ich genug gesagt, ich gehe in den Schlafmodus über und darf somit nach soeben aufgestellter Regel sprachlos werden!

Vorher natürlich noch fix gegrüßt! Der heutige Blog-Gruß geht ganz im Sinne des Wortes an meine lieben Ex-Kolleginnen von SprachSignal. Ich hoffe, es geht euch und meinen Fördis gut! Macht weiter wie bisher und habt eine schöne Zeit. Ganz herzliche Grüße natürlich in meine Förderfamilien, an Emil und Ben!! 
 

2 Kommentare:

  1. Es ist immer wieder eine Freude deine überaus lehrreichen und doch sehr amüsanten Artikel zu lesen! Danke für die vielen guten Infos über Oz und das Leben als Aussie :-D

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  2. Dat geiht narms bunter to as op de Welt.

    M+V

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