Draußen spielen, überall unbedacht
rumrennen und dabei so richtig schön dreckig werden! Sounds like
fun? It is!!
Heute ist der sechste von zehn Tagen im
Nanutarra Roadhouse. (Hä? Roadhouse? Was ist das denn? Dazu später
mehr..) Einerseits vergeht die Zeit hier so schnell (wie schon sechs
Tage?), andererseits steht sie still. Man sieht nur zwangsweise
irgendwann auf die Uhr, um zu sehen, ob schon Zeit für's Mittagessen
ist – was? Erst 12? Was ist da los?
In Dubai habe ich das Gefühl für die
Uhrzeit verloren, hier verliert man sein gesamtes Gefühl für Zeit
und Raum. Datum und Tageszeit spielen hier ganz einfach überhaupt
keine Rolle und die Größenverhältnisse sind unvorstellbar und
höchst paradox. Der Flughafen von Paraburdoo, wo wir nach
zweistündigem Flug von Perth gelandet sind ist 270 km von hier
entfernt, ist aber selbst so klein, dass beinahe alles auf ein
einziges Foto passt – und das ohne übertriebenen Weitwinkel.
Zwischen Paraburdoo und Nanutarra ist nicht viel. Nur Land, Land,
Land und Kühe. Zwischendurch mal ein winziges Straßenschild, das
dir sagt, wieviele Kilometer du noch zu fahren hast, bis du beim
nächsten Irgendwas angekommen bist. Nur noch 200 km? Dann sind wir
ja gleich da! Das einzige wilde Känguru, das ich im Freien bisher
gesehen habe, lag leider tot neben dem Highway. (War also nicht mehr
soo wild..) Tja, was bei uns der Igel.. hier ist eben alles etwas
größer. Außer unser derzeitiges Wohndomizil – und hier kommen
wir zum Paradoxon! Wir wohnen in einem kleinen, aber schnuckeligen
Wohncontainer mit allem, was man braucht und – die darf ja hier
nicht fehlen – einer Nespresso (die leider vor ein paar Tagen
kaputtgegangen ist, also leben wir doch wieder ohne. Stattdessen mit
Instantkaffee, was hier irgendwie viel besser reinpasst und durchaus
schmacko sein kann.) Essen gibt’s direkt aus dem Imbiss. Imbiss?
Ja, was ist denn nun ein Roadhouse? Es lässt sich am besten betiteln
als Imbiss-Zeltplatz-Tankstellen-Wohncontainer-Raststätte. Diese
gehört meiner Gastfamilie und darum verbringen wir hier die
Schulferien der Jungs, um mal nach dem Rechten zu schauen und Daddy
zu besuchen, der momentan die meiste Zeit hier oben verbringt. Das
Schönste daran ist: Jeder packt hier mit an! Der Chef macht den
Abwasch in der Küche und dann füllt eben das AuPair auch mal den
Kühlschrank im Laden auf. Dieses Miteinander hier gefällt mir sehr!
Als Teil des Teams (ja, ich habe Cap und Uniform) haben die anderen
Angestellten mich dann auch neulich auf einen leckeren Cider zu sich
eingeladen – nettes Team, netter Abend! Alles Leute von irgendwo.
Von hier kommt niemand. Hier ist ja nichts!
Aaaaber auch im Nichts lauern
Überraschungen! (Keine Sorge, Leni, keine Schlangenstory. Die wurden
nach wie vor nicht gesichtet.) Heute hat mich eine Überraschung der
unerwarteten Art erwartet (ääh. Ja, dieser Satz ist jeder Hinsicht
absolut merkwürdig aber passend formuliert):
Wir haben heute einen Ausflug mit dem
Auto gemacht. Und zwar zum Strand. Es war traumhaft schön dort. Es
gab Möwen, Palmen, Muscheln, roten Sand (alles ist hier rot.. rot
rot rot..). Natürlich war der Weg dorthin nicht gerade kurz, nichts
ist um die Ecke, wo es keine Ecken gibt. Der Weg hat sich aber
absolut gelohnt! Fotos folgen! Ein superschöner Ausflug. Zum Glück
mussten wir dorthin fahren, um einige Schlüssel nachmachen zu
lassen. In einem Dorf, in dem hauptsächlich „Eingeborene“ leben.
Da gab es sogar einen Supermarkt. Keinen Echten natürlich, weil der
neulich wegen irgendwelcher Elektrosachen ausgebrannt ist. Sowas ist
hier natürlich nicht allzu schnell behoben – hier ist ja nichts!
Aber sie haben kurzerhand ein Basketballfeld umfunktioniert und schon
kannst du wieder Vegemite und Essig kaufen. Die zwei wohl
australischsten und wichtigsten Lebensmittel hier! Vegemite – ein
abartig aussehender, schwarzer Brotaufstrich. Meine Gastmutter
Michelle meinte, dass bisher jeder Deutsche nach dem ersten Probieren
gesagt hat, dass es abartig ist. Da bin ich dann wohl eine Ausnahme.
Nach über einer Woche australischem Aufenthalt hab ich mich
rangewagt – schmeckt! Und warum Essig? Weil die das einfach auf
alles machen! Wundern sich über uns, dass wir Majo auf unseren
Pommes mögen, aber hier werden die Fritten mit ooordentlich Essig
übergossen! Aber? Schmeckt! I'm starting to become really
australian!
Mein heutiger Blog-Gruß geht an Nils!
Der Instantkaffee erinnert mich mit jedem Schluck an unseren
verregneten und wundervollen Urlaub in Lacanau. Denke hier nicht nur
beim Kaffee an dich! Tausendundfünf Küsse für dich!
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