Donnerstag, 11. Juli 2013

Im Outback – oder: Paradies für die Jungs!

Draußen spielen, überall unbedacht rumrennen und dabei so richtig schön dreckig werden! Sounds like fun? It is!!

Heute ist der sechste von zehn Tagen im Nanutarra Roadhouse. (Hä? Roadhouse? Was ist das denn? Dazu später mehr..) Einerseits vergeht die Zeit hier so schnell (wie schon sechs Tage?), andererseits steht sie still. Man sieht nur zwangsweise irgendwann auf die Uhr, um zu sehen, ob schon Zeit für's Mittagessen ist – was? Erst 12? Was ist da los?
In Dubai habe ich das Gefühl für die Uhrzeit verloren, hier verliert man sein gesamtes Gefühl für Zeit und Raum. Datum und Tageszeit spielen hier ganz einfach überhaupt keine Rolle und die Größenverhältnisse sind unvorstellbar und höchst paradox. Der Flughafen von Paraburdoo, wo wir nach zweistündigem Flug von Perth gelandet sind ist 270 km von hier entfernt, ist aber selbst so klein, dass beinahe alles auf ein einziges Foto passt – und das ohne übertriebenen Weitwinkel. Zwischen Paraburdoo und Nanutarra ist nicht viel. Nur Land, Land, Land und Kühe. Zwischendurch mal ein winziges Straßenschild, das dir sagt, wieviele Kilometer du noch zu fahren hast, bis du beim nächsten Irgendwas angekommen bist. Nur noch 200 km? Dann sind wir ja gleich da! Das einzige wilde Känguru, das ich im Freien bisher gesehen habe, lag leider tot neben dem Highway. (War also nicht mehr soo wild..) Tja, was bei uns der Igel.. hier ist eben alles etwas größer. Außer unser derzeitiges Wohndomizil – und hier kommen wir zum Paradoxon! Wir wohnen in einem kleinen, aber schnuckeligen Wohncontainer mit allem, was man braucht und – die darf ja hier nicht fehlen – einer Nespresso (die leider vor ein paar Tagen kaputtgegangen ist, also leben wir doch wieder ohne. Stattdessen mit Instantkaffee, was hier irgendwie viel besser reinpasst und durchaus schmacko sein kann.) Essen gibt’s direkt aus dem Imbiss. Imbiss? Ja, was ist denn nun ein Roadhouse? Es lässt sich am besten betiteln als Imbiss-Zeltplatz-Tankstellen-Wohncontainer-Raststätte. Diese gehört meiner Gastfamilie und darum verbringen wir hier die Schulferien der Jungs, um mal nach dem Rechten zu schauen und Daddy zu besuchen, der momentan die meiste Zeit hier oben verbringt. Das Schönste daran ist: Jeder packt hier mit an! Der Chef macht den Abwasch in der Küche und dann füllt eben das AuPair auch mal den Kühlschrank im Laden auf. Dieses Miteinander hier gefällt mir sehr! Als Teil des Teams (ja, ich habe Cap und Uniform) haben die anderen Angestellten mich dann auch neulich auf einen leckeren Cider zu sich eingeladen – nettes Team, netter Abend! Alles Leute von irgendwo. Von hier kommt niemand. Hier ist ja nichts!

Aaaaber auch im Nichts lauern Überraschungen! (Keine Sorge, Leni, keine Schlangenstory. Die wurden nach wie vor nicht gesichtet.) Heute hat mich eine Überraschung der unerwarteten Art erwartet (ääh. Ja, dieser Satz ist jeder Hinsicht absolut merkwürdig aber passend formuliert):
Wir haben heute einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Und zwar zum Strand. Es war traumhaft schön dort. Es gab Möwen, Palmen, Muscheln, roten Sand (alles ist hier rot.. rot rot rot..). Natürlich war der Weg dorthin nicht gerade kurz, nichts ist um die Ecke, wo es keine Ecken gibt. Der Weg hat sich aber absolut gelohnt! Fotos folgen! Ein superschöner Ausflug. Zum Glück mussten wir dorthin fahren, um einige Schlüssel nachmachen zu lassen. In einem Dorf, in dem hauptsächlich „Eingeborene“ leben. Da gab es sogar einen Supermarkt. Keinen Echten natürlich, weil der neulich wegen irgendwelcher Elektrosachen ausgebrannt ist. Sowas ist hier natürlich nicht allzu schnell behoben – hier ist ja nichts! Aber sie haben kurzerhand ein Basketballfeld umfunktioniert und schon kannst du wieder Vegemite und Essig kaufen. Die zwei wohl australischsten und wichtigsten Lebensmittel hier! Vegemite – ein abartig aussehender, schwarzer Brotaufstrich. Meine Gastmutter Michelle meinte, dass bisher jeder Deutsche nach dem ersten Probieren gesagt hat, dass es abartig ist. Da bin ich dann wohl eine Ausnahme. Nach über einer Woche australischem Aufenthalt hab ich mich rangewagt – schmeckt! Und warum Essig? Weil die das einfach auf alles machen! Wundern sich über uns, dass wir Majo auf unseren Pommes mögen, aber hier werden die Fritten mit ooordentlich Essig übergossen! Aber? Schmeckt! I'm starting to become really australian!

Mein heutiger Blog-Gruß geht an Nils! Der Instantkaffee erinnert mich mit jedem Schluck an unseren verregneten und wundervollen Urlaub in Lacanau. Denke hier nicht nur beim Kaffee an dich! Tausendundfünf Küsse für dich!

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