Wie wir einfach Tag für Tag, Satz für
Satz und Wort für Wort miteinander reden, ohne uns Gedanken darüber
zu machen, was genau wir eigentlich sagen.. „Eigentlich“ - das
ist doch gleich ein schönes Beispiel. Dieses Wort ist eigentlich (!)
in den meisten Fällen absolut unnötig, trotzdem hört und liest man
es ständig. (und es gibt über 20 Übersetzungen ins Englische). Lieber mal alles relativieren, was wir sagen, bevor sich
jemand auf den Schlips getreten fühlt. Nur eine der vielen
wunderbaren Redewendungen, die die deutsche Sprache so mit sich
bringt. Die deutsche Sprache, ganz genau! Konfrontiert mit einer
anderen Sprache, fällt einem dann mal auf, wie viel Nonsens sich in
unserem Täglich-Wort befindet. Da ich ein bekennender Liebhaber von
Redewendungen und sonstigen Sprachspielereien bin, habe ich mich mal
auf die Suche begeben. Auf die Suche nach „Speechturns“ und
sonstigen Auffälligkeiten in der englischen Sprache. Und diese
Reise, meine Lieben, hat sich gelohnt!
Was die australische Mode angeht, traue
ich ja gern mal meinen Augen nicht, ganz besonders in Bezug auf
Leggings und andere enganliegende Schönheiten. Seinen Augen nicht zu
trauen ist jedoch weit harmloser als unsere englischsprachigen
Freunde vorgehen, bei denen in der selben Situation die Augen beinahe
aus dem Kopf schießen („My eyes nearly popped out of my head!“).
Gibt es gerade keinen Grund, seinen Augen zu misstrauen, muss eben
der liebe Frieden herhalten. Wo wir diesem nicht trauen oder Böses
erahnen, ist hier nur „something in the wind“.
A propos Wind.. wieviele Begriffe gibt
es allein in der deutschen Sprache, um „Flatulenzen“ zu
beschreiben? Ohne groß auf das deutsche Gepupse einzugehen, freue
ich mich wie ein kleines Kind über die Redewendung hier, die den
Schuldigen schlicht den Käse schneiden lässt (to cut the cheese).
So wie es bei uns dann immer der war, der fragt (auch gern „always
the the ask“), ist es hier „always the one who says no“. Und so
lachen alle über Furz-Witze so wie Lewis über die Fart-Gun, die er
zum Geburtstag bekommen hat. Eine schicke kleine Waffe, die
ausgezeichnete, mal mehr mal weniger authentische Pupsgeräusche
erzeugt. Betätigt man dazu vor dem „Abdrücken“ noch die kleine
Pumpe an der Rückseite, riecht der „Schuss“ sogar nach Banane.
Furchtbar, ekelhaft und zum Totlachen witzig! Ein Spaß für Jung und
Alt.
Alter kommt im Übrigen auch hier vor Schönheit,
beziehungsweise „age before beauty“ und wer zuerst kommt, mahlt
ja bekanntlich zuerst. Hier wird man statt zu mahlen zuerst bedient. In der Vogelwelt
hingegen geht es genau wie bei uns um den Wurm, der den frühen Vogel
belohnt. Der frühe Vogel ist hier ein Spatz. Woher ich das weiß?
Von einer Redewendung, die uns direkt wieder zu unserem heutigen
Lieblingsthema katapultiert. Steht etwas sehr früh am Morgen an,
bezeichnet man diese Tageszeit als „Sparrow's fart“.
Wir müssen am 12. November zu dieser
Zeit aufstehen, um unseren Ausflug anzutreten, bei dem wir mit wilden
Delfinen schwimmen gehen. Das wird spannend! Hoffen wir, dass niemand
von uns von irgendwelchen Meeresbewohnern aufgegessen wird. Drückt
die Daumen oder „Keep your fingers crossed“!
Bei Uhrzeiten fällt mir ein, dass ich
erst vor einigen Wochen wieder angefangen habe, eine Armbanduhr zu
tragen. Zu Hause hatte ich es mir so schön abgewöhnt, da dieser
ständige, unnötige Blick auf die Uhr einen doch irgendwie nervös
macht. Nun habe ich aber bei einer Auslosung eine Armbanduhr gewonnen
(ich wollte doch den Trip nach Bali, manno!) und es wäre doch
schade, würde diese einfach nur rumliegen. Jetzt habe ich also
wieder eine Antwort, wenn mich jemand nach der Zeit fragt
(was im Handy-Zeitalter seltenst jemand macht, warum auch?). Und
vorher? Ohne Uhr am Arm und trotzdem auf den Arm geguckt, wie spät
es ist. Das ist mir in der Zeit der Uhren-Entwöhnung oft passiert.
Wie spät ist es? „Haut vor Knochen“. Hier ist es ähnlich,
jedoch ist es „Haar nach Sommersprosse“ (hair past a freckle).
Von diesen sehr ähnlichen Redewendungen
gibt es tatsächlich relativ viele, mehr als ich erwartet habe.
Manche haben kleine Abwandlungen und so ist man hier statt grün eben
nass hinter den Ohren oder befindet sich „up the garden path“, wo
wir auf dem deutschen Holzweg sind.
Wer zuletzt lacht, lacht hier nicht nur am
besten, sondern wahlweise auch am lautesten oder längsten.
Derjenige, der nun nichts mehr zu lachen hat, ist möglicherweise
sauer, aber nicht einfach nur sauer, sondern „mad as a cut snake“
und wir wollen uns weder vorstellen, wie wütend die wohl sind, noch
wollen wir auch nur ahnen, wie eklig das aussieht (stellt es sich
jetzt jeder vor? Gut!). An dieser Stelle ein kleiner Angstnehmer: Nach
fast vier Monaten noch immer keine Begegnung mit einer Schlange -
weder wütend, noch glücklich!
Mit Redewendungsfan Michelle an meiner Seite (mein
„Partner in crime“ sozusagen) auf der Reise durch die
Redewendungen hatte ich ziemlich viel Spaß beim Recherchieren. Da
ich kein großer Freund von „JWD – Janz weit draußen“ bin, um
weite Entfernungen auszudrücken, freue ich mich umso mehr, dass
Weites hier „out in WoopWoop“ ist. Wunderbar, niedlich und
ziemlich australisch!
Im Gegensatz dazu sind macnhe Dinge
aber auch so absolut gar nicht australisch, nicht einmal englisch.
Kinder besuchen den „Kindergarten“, hier also schonmal keine
Schwierigkeit für deutsche Aupairs, das Kind an der richtigen
Einrichtung abzugeben. Zudem machen sie es uns hier leicht, wenn wir
unser „Auto“ waschen wollen. Aber nur waschen! Wenn wir es
fahren, ist es wie gelernt das „car“ und nicht das "Auto" anymore!
No no no!
Wem das alles zu viel wird, empfehle
ich ein kühles „Bier“ - ja, genau das! Das ist – wie ebenfalls
die meisten von euch wissen dürften – nicht die korrekte Vokabel
beziehungsweise Schreibweise, da wir alle ja wissen, dass man hier
vor allem „beer“ trinkt. Möglicherweise hat es ja damit zu tun,
dass die deutsche Brauereikunst hoch gelobt und anerkannt wird. Dann
darf das „beer“ auch ruhig mal „Bier“ genannt werden!
Vergleicht man diese winzige Auflistung mal mit Anglizismen, die sich
in der deutschen Sprache schon so übertrieben breit gemacht haben,
kann man da wohl nur drüber schmunzeln. Dabei kann man doch mit
deutschen Begriffen und Redewendungen auch so wunderbar spielen und
Spaß haben. Verniedlichungen mit „-chen“, „-lein“ oder
schlicht einem „i“ machen Freude! Aber Vorsicht bei der
Übertragung in andere Sprachen. Ein „nap“ zum Beispiel ist
bereits ein verniedlichtes „Schläfchen“. Von weiteren
Verniedlichungsversuchen ist in diesem Fall dringend abzuraten, da
falsche Eindrücke entstehen können! Vorsicht also mit dem Satz „I
need a nappy!“, denn durch ihn outet man sich als Windelträger!
Da sieht man es: Sprache ist Spaß!
Sprache ist endlos und Sprache lebt, Sprache entwickelt sich
ununterbrochen. Gerne forsche ich mal nach eurer
Lieblings-Redewendung und finde heraus, ob es die hier auch gibt. Ich
freue mich über jeden Kommentar, also sprecht! Erfreut euch an
Sprachen und der unglaublichen Vielfalt und seid nur sprachlos, wenn
ihr überwältigt seid (oder schlaft oder so)! Für heute habe ich
genug gesagt, ich gehe in den Schlafmodus über und darf somit nach
soeben aufgestellter Regel sprachlos werden!
Vorher natürlich noch fix gegrüßt!
Der heutige Blog-Gruß geht ganz im Sinne des Wortes an meine lieben
Ex-Kolleginnen von SprachSignal. Ich hoffe, es geht euch und meinen
Fördis gut! Macht weiter wie bisher und habt eine schöne Zeit. Ganz
herzliche Grüße natürlich in meine Förderfamilien, an Emil und
Ben!!
Es ist immer wieder eine Freude deine überaus lehrreichen und doch sehr amüsanten Artikel zu lesen! Danke für die vielen guten Infos über Oz und das Leben als Aussie :-D
AntwortenLöschenDat geiht narms bunter to as op de Welt.
AntwortenLöschenM+V