Freitag, 24. Januar 2014

Schwestern

Welcome to Australia, Leni!
Da kommt jemand vom anderen Ende der Welt in meine neue kleine Welt spaziert und wühlt hier alles neu auf. Es ist großartig und fühlt sich wundervoll an, neben Nils einen weiteren Teil Familie hier im schönen Perth zu haben und alles so wichtig Gewordene zeigen zu können. Lena ist für drei Wochen bei uns eingezogen, wodurch die Zeit einen weiteren Zahn zugelegt hat, was eine absolute Frechheit ist. Wie ist es, wenn man sich nach so vielen Monaten endlich wiedersieht? Also ohne Skype, so völlig unverpixelt und in Echtzeit. Toll! Mit Tränen in den Augen fällt man sich im Flughafen in die Arme – Schwestern endlich wieder vereint! Schnell nach Haus geflitzt, dort noch mit Cupcakes und Cider das Willkommen gefeiert, bevor es ins Bett geht. Da die Familie zu dem Zeitpunkt urlaubstechnisch auf Bali unterwegs war, hatten wir das Haus für uns. Also die alten Kindertage nochmal aufleben lassen und im Hochbett der Jungs schlafen. Ich oben, Leni unten, und dann Quatschen ohne Ende. „Komm, wir schlafen jetzt mal!“ „Ja!.. achso, aber weißt du was?“ ..“Jetzt müssen wir echt mal schlafen!“ „Ja, echt mal!“.. nach mehrmaligem Wiederholen fallen die Augen dann doch müde zu. 

Keine Zeit zu verlieren, also Quatsch machen von Anfang an!
Kleiner Fußmarsch = bisschen schmutzig! Großer Fußmarsch...
Und zu Hause lecker Eis am Stiel selber machen. Yummi

Die erste Woche bestand also aus Entspannen, Ankommen, Pool, Strand, Essen und schonmal die wichtigsten ersten Punkte auf der To-Do-List abklappern. So zum Beispiel ein (für mich weiterer) Besuch in der Gold Class des Kinos. Dieses Mal der Film „American Hustle“. Man muss zuhören und aufpassen, aber es lohnt sich und rein schauspielerisch ist es ein großartiges Ding.
Auch das Essen haben wir mit dem Popo bequem in die Kinositze gedrückt genossen. Genießen, ja, das kann man immernoch ganz ausgezeichnet. Für mich fühlt es sich noch immer so an, für Lena IST es Urlaub, daher steht Genießen auch klar im Vordergrund. Gerade in diesem Moment sitzen wir beispielsweise mit Blick auf die heute sehr ruhige, türkise See im Schatten und genießen den warmen Wind um uns herum, der die 35°C erträglicher macht. Wir hatten zwar weit heißere Tage mittlerweile (hoch bis 45°C), aber so groß sind die Unterschiede ab einer bestimmten Temperatur auch nicht mehr. In diesem Fall also gut, dass Perth sich als drittwindigste Stadt der Welt betiteln darf.
Aber man kommt ja auch nicht ständig nach Australien und daher muss ein bisschen Action auch erlaubt sein. Also – zack – ins Auto und „Down South“ nach Margaret River fahren. Da hat ein niedliches Holzhäuschen auf Hannah, Lena, Nils und mich gewartet. Auf einem Campingplatz mit Blick aufs Meer haben wir es uns mit Selbstgekochtem gutgehen lassen. Der schöne Wochenendtrip sollte seinen Höhepunkt am Samstag erreichen. Bereits aus Perth gebucht, haben wir uns schon tagelang auf die Weintour gefreut. Genau genommen eine Wein-Bier-Sekt-Käse-Schokoladentour mit ausgezeichnetem Mittagsessen und der Möglichkeit, zusammen mit insgesamt 19 lustigen Menschen verschiedener Nationen (Schottland, verschiedenste Ecken Australiens, Kanada, Argentinien und Deutschland) völlig neue Köstlichkeiten zu probieren. Auch weniger Köstliches, wenn ich an die winzigen getrockneten irgendwas-Tomaten denke, die geschmeckt haben wie ausgekotzt (leider im wahrsten aller Sinne des Wortes, daher sei die Gossensprache an dieser Stelle gestattet). Herrlich lecker waren aber Känguru, Krokodil, „Blutlimetten“ (Blood limes), verschiedene Chutneys, Pestos und das (natürlich wabbelige aber dennoch köstliche) getrocknete-Tomaten-Brot. Überraschenderweise waren Lena, ein weiterer Mitfahrer und ich die einzig Mutigen, uns auf ganz neues Eis zu wagen und so teilten wir uns zu dritt die dicke Raupe („Witchetty-Made“ für die, die googlen wollen). „Schleimig, jedoch Vitaminreich“, wie schon Timon im König der Löwen so schön feststellt. Sogar recht lecker, wie wir feststellten. Ohne Witz! Glücklicherweise hatten wir ja schon ein paar Weine probiert, so dass wir mutig genug sein konnten, das schmierige, ungekochte Ding zu essen. Wenigstens tot, dachten wir und mit einem Happs landet der Glibschi in unseren Mündern. Fischig und ausgesprochen Nussig! Der Kopf knusprig, der Rest weich. Nun wisst ihr es ganz genau und mir fallen mindestens vier Leute von euch ein, die sich jetzt schütteln und denken: „BÄÄH!“ Wir sind ja aber nicht hier, um Altbekanntes zu essen, machen, denken oder sehen. Erweitere deinen Horizont und iss ab und zu mal was Ekliges! Es lohnt sich!
Fazit des Ganzen: super Stimmung, super Wein, super Bier, leckere Schoki und auch der Käse war gut. Ein so schönes Wochenende, dass sogar unsere heimatverwurzelte Hannah ein paar „Don't wanna go“-Tränchen lassen musste. Mir graut schon jetzt vor den Bächen, die am Ende meiner australischen Zeit über mein Gesicht strömen. Oh oh..
Ja, nicht nur Leni, auch Hannah folgt dann anfang Februar ins kalte Deutschland und lässt mich für einige Monate hier „allein“ zurück. Absolut nicht allein, das ist mir bewusst, aber ohne euch wird ein großes Stück fehlen, Mädels! Schämt euch! 

Gruppenkuscheln im Meer. Prevelly Beach / Margaret River

Wein im schönen Margaret River

Professionelle Weintester

Und guten Appetit!

Nun haben Lena und ich also noch eine gemeinsame Woche, die mit lauter schönen Aktivitäten vollgestopft wird. Die Familie hat Lena absolut unüberraschenderweise so herzlich aufgenommen wie mich und Nils auch damals. Wir haben eine schöne Zeit zusammen und auch die Kinder sind verliebt. Kein Wunder! Wir spielen viel und Lena kommt mit in den Pool und backt „awesome“ Geburtstagskuchen für Michelle. Gestern haben wir ihren Ehrentag gefeiert, hatten ein leckeres Essen und Lena hatte die Gelegenheit, meine australische Familie ein bisschen kennen zu lernen. Fortgesetzt wird die Party dann kommende Woche.

An dieser Stelle einen Gruß an sämtliche Geburtstagskinder vom gestrigen Tag:

Lieber Detlef, auch hier bekommst du nochmal einen Gruß aus diesem schönen Land. Nächstes Jahr können wir unsere Geburtstage ja mal wieder zusammen feiern. Außerdem freue ich mich auf die Sommerparty, die du angekündigt hast, um alles nachzuholen, was ich jetzt gerade bei euch nicht mitbekomme. Ich hoffe, ihr hattet eine tolle Zeit und einen schönen Abend, leckeren Kuchen und ein super Essen am Lütjensee.

Liebe Anna, auch dir natürlich alles Gute nochmal auf diesem Wege, wo es jeder mitbekommt, Frau Geburtstags-Geheimhalterin! Deine Nachricht, dass wir uns ein weiteres Jahr nicht sehen sollen, missfällt mir gänzlich, aber ich freue mich darauf, weiterhin deine Emails lesen zu können. You made so many of my days, liebe Brieffreundin! Ich hoffe, auch du hattest einen wundervollen Tag mit lauter Geschenken nach deinem Geschmack!

Dear Michelle, of course I can't miss you in this blog. Happy birthday again! I'm so happy we could celebrate your special day together. It was an awesome day with all of you awesome people. You all gave me a home right from the beginning and I love spending time with you. I hope you had at least as much fun as we had. And thanks so much for making it possible to have such a special time with Lena!

Viele schöne Ereignisse, viele schöne Erlebnisse. Eines davon war letzten Mittwoch geplant. Open Air Kino im Kings Park. Der Kings Park ist groß! Nein, er ist riesig. Das wissen wir jetzt. Zu Fuß von der Bahnstation hochgelaufen sind wir ja schon einige Male und es klappt ausgezeichnet. Dieses Mal mussten wir etwas weiter und hatten uns vorab ausnahmsweise mal nicht ausreichend darüber informiert, wie man hinkommt. Also schnell durchgefragt und uns dann an die Antwort gehalten, immer dem Verlauf der Straße zu folgen. Gut, die junge Dame hatte sowas gesagt wie „Ihr könnt aber nicht laufen, da lauft ihr ewig“, aber wer nicht hören will.. Bei den Auto-verwöhnten Australien kann „ewig“ auch 20 Minuten heißen und daher haben Hannah, Lena und ich nicht weiter darauf gehört und sind mit FlipFlops an den Füßen losgestiefelt. Nach einer Stunde Fußweg (davon circa 30 Minuten steil bergauf) sind wir endlich angekommen. Den schweren Korb mit Sekt und Knabbereien abgestellt und Karten kaufen – so der Plan.. Ausverkauft! Auch nach mehrmaligem Betteln auf charmanteste Weise kein Einknicken der Ticketverkäufer und auch nicht der Einlasserin. Also Picknickdecke im Park außerhalb des Kinobereiches ausgebreitet und stattdessen die Spielkarten ausgepackt („Go Fish“ natürlich, nicht sowas Anspruchsvolles wie Skat). Wir hatten einen großartigen Abend mit viel Spaß. Bestimmt war der Film eh doof..

Aufregend, spannend, entspannend und viel zu schnell ist die Zeit! Mal sehen, was noch kommt. Morgen soll es erstmal zu den Pinnacles gehen, wenn das Wetter mitspielt. (Der war gut!) Diese gelbliche Sandwüste mit Steinen, falls ihr euch nicht erinnert. Neue Fotos werden das Gedächtnis dann ja wieder auffrischen.

Zufall des Tages übrigens: Lena findet vor'm Shopping-Centre Karrinyup eine 10-Eurocent-Münze!

Und nun, kurz vorm immer heiß erwarteten Bloggruß (na, wen wird es diesmal treffen?) noch ein kleines „Statement“ der urlaubenden Schwester.
Wer nun erwartet, eine kritische Stimme zu hören – ich kann ja durchaus auch mal skeptisch sein -, wird gnadenlos enttäuscht. Denn tatsächlich ist Australien vom ersten Augenblick an genau so geil, wie Ju es immer beschreibt.
Ja, die Leute sind echt so nett.
Ja, die Sonne scheint echt immer.
Ja, wir haben echt soviel Spaß.
Ja, die Kinder sind echt ein Knüller.
Allerdings sind die auch echt laut manchmal und streiten über Kinderkram (wen wundert's, muss ja so). Dass Ju das Ganze nicht als Arbeit sieht, spricht absolut für sie. Ich bin manchmal ganz froh, wenn wir die Tür hinter uns zumachen und Wahnsinnssachen erleben, die weit über das Finden von Eurocentmünzen vorm Shoppingcenter hinausgehen ;)
Andererseits bin ich auch so verliebt, dass ich gar nicht weiß, wen ich zuerst in den Koffer packen soll: den schlauen, sensiblen James, der versucht hat, mir japanisches Zählen beizubringen oder den frechen, kleinen Lewis, der mit seiner Schwimmbrille aussieht wie eine kleine grimmige Comicfigur oder doch das Baby Leah, das mit wechselnden aber immer süßen Outfits gerade Laufen lernt und bald nicht mehr Baby genannt werden kann?
Oder (nanu, das waren doch schon drei) vielleicht auch den Hund Max. Wer hätte gedacht, dass mich ein kleiner Wauwau so begeistern kann?
So, Leute, die Zeit rennt, ich werde sie nicht weiter mit Schreiben füllen, denn meine Abreiseuhr tickt...
Genießt die Blogs meiner kleinen Schwester, ich bezeuge feierlich: Sie sind nicht ein Stück übertrieben, really! Mal gucken, ob ich meinen Flug nicht doch aus Versehen verpasse - „accidentally“ sozusagen, so wie Lewis manchmal seltsame Dinge ganz „accidentally“ passieren (uups, wie kam bloß die Schere in meine Hand?)...
Jetzt muss ich aber echt mal aufhören. Ja, echt mal.

Aber wisst ihr was? Der Blog-Gruß fehlt immer noch und das geht ja so nicht. Also aufgepasst. Eine dicke Umarmung „trifft“ heute mit viel Schwung unsere lieben Tanten und Onkel. Mit geballter Schwesternpower schicken wir einen sonnigen Gruß in die ganze Familie und hoffen, es geht euch allen gut. So gut wie uns? Nun, das dürfte schwer werden, aber halb so gut wäre ja mindestens wünschenswert. Wir denken an euch! Genießt den Schnee!



1 Kommentar:

  1. Genießt weiterhin die 'verbleibende' Zeit zu 2t.Wir denken an Euch und freuen uns schon auf die 'erste' Rückkehr.
    Liebe Grüße aus dem - 5 ° kalten Hamburg von M + V

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