Freizeit. Da ich Mittwochs immer erst
um drei Uhr nachmittags anfange, schlafe ich erstmal aus, frühstücke
in Ruhe, dusche und sehe dann, worauf ich Lust habe. Heute stecke ich
meinen Kopf schon wieder zwecks Recherchen (und nun ja offensichtlich
dem Blog) in meinen Computer. Sehr ärgerlich, dass ausgerechnet
jetzt die Terrasse „weg“ ist. Der viel zu heiße, dunkle
Holzboden erlaubt es kaum, ohne Möbel hier Zeit zu verbringen.
Inzwischen ist es aber nach 12 und da wirft das Haus einen Schatten
auf die dachlose Terrasse, der groß genug ist für Max und mich. Wir
teilen uns eine Picknickdecke und kuscheln an die Wand gequetscht, um
trotz der heftigen Sonne draußen sein zu können. Ich will, Max
muss. Er scheint aber ganz froh, dass er heute nicht alleine hier
rumschwitzt und da Emily letzte Woche da war, halte auch ich es gut
aus neben ihm. Emily kommt alle vier Wochen, um den Hund zu waschen.
Er hasst es, wir lieben es!
Die Planung unserer nächsten Monate
ist in vollem Gange. Zwar haben wir noch immer keine Zu- oder Absage
vom Nanutarra Roadhouse für den April, aber es gibt ja auch genug
Dinge, die man trotzdem planen oder wenigstens überdenken kann.
Einfacher wär's natürlich mit der Info, aber üben wir uns mal in
Geduld. Kommt Zeit, kommt Antwort. Absolut planbar ist aber leider
schon ein sehr wichtiger Punkt der gesamten Reise: der Rückflug. Und
so wird wohl in den kommenden Tagen gebucht. Das freut und betrübt
mich. Ganz bald verlässt auch Freya das schöne Perth und so wird
Freund für Freund klarer, dass das Ende langsam naht.
Glücklicherweise langsam, aber es naht! Weiterhin abhängig von
Nanutarra – ja oder nein – sind es also möglicherweise nur noch
gute anderthalb Monate, die ich hier verbringe. Und nun hoffen wir
auf Klarheit. Und auf Arbeit!
A propos Arbeit wurde mir doch nach dem
letzten Blog tatsächlich vorgeworfen, ich würde ja hier nur
faulenzen und Spaß haben. Wie kann man das bloß glauben? Mit Recht!
Sicher arbeite ich hier. Bei 30 Wochenstunden bleiben aber noch 138
Stunden Freizeit. Davon schlafe ich ungefähr 60, bleiben 78. (Mathe
ist ja doch ganz nützlich für's Leben..) Natürlich berichte ich
gern und hauptsächlich über meine Spaß-Zeit hier, aber es geht
auch anders.
Aufstehen, Zähne putzen, los geht’s
um 7:30.
James, Lewis und Leah sind natürlich
schon wach und haben auch bereits allen Grund, sich zu ärgern,
kitzeln, jagen, hauen oder für sonstige morgendliche Aktivitäten.
Wenn ich Leah das Frühstück
zubereitet und gegeben habe, rücken auch die Jungs nach dem fünften
Mal fragen, was sie denn essen möchten, endlich mit der Sprache raus
und so bereite ich Spiegelei, Bohnen, Müsli, Joghurt, Obst oder
natürlich Toast mit Vegemite zu. Anschließend geht es in die
nächste Runde: Frühstücksverschmiertes Gesicht waschen, Zähne
putzen und rein in die Schuluniform. Abhängig davon, wie lange es
wieder dauert, bleibt noch Zeit zum Spielen. Dann aber ab in die
Schule. Kurze Zeit später geht Leah wieder ins Bett für ihr
Morgenschläfchen. Für mich beginnt nun die Pause, um drei geht’s
weiter.
Leah ist zu der Zeit meistens – oh,
wie überraschend – im Bett und schläft ihr Nachmittagsschläfchen.
So bleibt Zeit zum Kochen, Wäsche waschen oder für sonstige kleine
Hausarbeiten. Sind alle wieder da, geht es ans Spielen. Monopoly,
Janga, Speed Cups (Danke, Leni!), Sagaland, Memory, Uno – rauf und
runter und dann nochmal von vorne. Die Jungs fahren Fahrrad auf der
sehr wenig befahrenen Straße („Stay where I can see you!“), Leah
und ich sehen zu. Die Jungs schwimmen im Pool, ich gebe Anweisung,
wie sie reinhüpfen sollen „Jump like a horse/chicken/Spiderman...“
Erschöpfend für die Jungs, einfach für mich – ein tolles Spiel!
Leah bewirft sich derweil selbst mit Sand in der noch recht neuen
Sandkiste.
Anschließend geht es in die Badewanne
oder die Dusche. Auch hier müssen manchmal Tricks her wie „I time
your shower! Ready, steady, GO!“ Leah badet mit lauter Booten,
Krokodilen, Schwämmen, Eimern und sonstigem Spielkram und hat jedes
Mal viel Freude am Wasser. Die Jungs baden gern mit ihr zusammen, was
zwar schön, aber auch stressig ist, da die Kleine sich doch ständig
gegen brüderlich liebevolle Angriffe verteidigen muss, was im Wasser
natürlich schwerer ist und gern in schrillem Kreischen endet (, was
sowohl Leah als auch Lewis ausgezeichnet drauf haben). Lewis trinkt
gern mal einen Schluck Badewasser, was verständlicherweise weniger
ratsam ist, wenn Leah auch noch mit drin ist. „Don't drink it, you
never know if Leah did a wee in here!“ war meine nett gemeinte
Warnung, aber Lewis wusste es – wie so oft – besser: „Leah
can't do a wee! She doesn't have a Willy!“ Was bleibt da zu sagen..
Nach dem Essen dann noch etwas spielen,
eine Kindersendung im Fernsehen, eine Geschichte oder zehn Minuten
iPad und dann ab ins Bett. Leah ist längst in den schönsten Träumen
unterwegs. Vermutlich geht es um Kekse, Dips und Mummys iPhone. James
und Lewis wenden noch ihre letzten Tricks an und versuchen mit „I
need to tell you something very important“ zu rechtfertigen, immer
und immer wieder aus dem Bett zu schlüpfen. „If I'm quiet for
seven minutes, can I have some apple?“ Die Fantasie für solche
Ich-will-wach-bleiben-Anfragen, ist unendlich! Schließlich gewinnen
aber immer die „Großen“ und endlich auch der Schlaf über den
erschöpften Kinderkörper. Tank Energie, morgen früh geht’s von
vorne los!
An den Wochenenden habe ich
grundsätzlich frei. Gern sorgt dann mal eine Nacht bei Nils dafür,
morgens von Krähen im Garten oder den Hunden geweckt zu werden und
nicht von Sätzen wie „Put your sister down!“ oder „Muuuum, he
kicked me!“
So trubelig-wuselig es hier oft ist, so
schöne, ruhige Momente gibt es auch. Man sitzt zusammen und schmust,
James erzählt von seinen Erlebnissen in der Schule, strickt oder
erklärt, wie die Welt funktioniert oder was sein Daddy alles Tolles
kann. „My Daddy can lift up a truck with his
bare hand“.. ähm.. ja..
Lewis liest mir (!) den Gruffalo oder
die Spielregeln zu einem x-beliebigen Spiel vor. Oder er nimmt mich
in den Arm und sagt „You can't go to Germany! I want you to stay
for ever!“
Leah tanzt zum lauten Geräusch der
Küchenmaschine oder schmiegt kuschelnd ihren Kopf an meine Schulter.
Solche Momente sind unbezahlbar und
machen alles wieder gut, was tagsüber vielleicht mal nerven mag.
Kein Wunder also, dass es bisher vielleicht ein bisschen
untergegangen ist, dass ich hier auch arbeite. Vergesse ich ja sogar
selbst manchmal. Ich werde eine neue
Freizeit-Arbeitszeit-Schlaf-Rechnung aufstellen, wenn das mit
Nanutarra klappt. Die Frage, ob ich denn hier auch mal arbeite, wird
sich sicher nicht mehr stellen. Aber wie war das? Üben wir uns mal
in Geduld und genießen die rasende Zeit hier noch.
Ebenfalls sehr geduldig war diejenige,
an die mein heutiger Blog-Gruß geht. Juli, es war so schön, dich
endlich wieder zu sehen. Nachdem wir uns nach der Grundschule aus den
Augen verloren haben, ist es so verrückt, sich hier am anderen Ende
der Welt zu treffen! Der Abend bei euch war sehr schön und ich
hoffe, wir warten nicht wieder 18 Jahre, bis wir uns wiedersehen! You
are very clever, getting your whole family here!!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen