Mittwoch, 12. Februar 2014

Erst die Arbeit und gleichzeitig das Vergnügen

Freizeit. Da ich Mittwochs immer erst um drei Uhr nachmittags anfange, schlafe ich erstmal aus, frühstücke in Ruhe, dusche und sehe dann, worauf ich Lust habe. Heute stecke ich meinen Kopf schon wieder zwecks Recherchen (und nun ja offensichtlich dem Blog) in meinen Computer. Sehr ärgerlich, dass ausgerechnet jetzt die Terrasse „weg“ ist. Der viel zu heiße, dunkle Holzboden erlaubt es kaum, ohne Möbel hier Zeit zu verbringen. Inzwischen ist es aber nach 12 und da wirft das Haus einen Schatten auf die dachlose Terrasse, der groß genug ist für Max und mich. Wir teilen uns eine Picknickdecke und kuscheln an die Wand gequetscht, um trotz der heftigen Sonne draußen sein zu können. Ich will, Max muss. Er scheint aber ganz froh, dass er heute nicht alleine hier rumschwitzt und da Emily letzte Woche da war, halte auch ich es gut aus neben ihm. Emily kommt alle vier Wochen, um den Hund zu waschen. Er hasst es, wir lieben es!

Die Planung unserer nächsten Monate ist in vollem Gange. Zwar haben wir noch immer keine Zu- oder Absage vom Nanutarra Roadhouse für den April, aber es gibt ja auch genug Dinge, die man trotzdem planen oder wenigstens überdenken kann. Einfacher wär's natürlich mit der Info, aber üben wir uns mal in Geduld. Kommt Zeit, kommt Antwort. Absolut planbar ist aber leider schon ein sehr wichtiger Punkt der gesamten Reise: der Rückflug. Und so wird wohl in den kommenden Tagen gebucht. Das freut und betrübt mich. Ganz bald verlässt auch Freya das schöne Perth und so wird Freund für Freund klarer, dass das Ende langsam naht. Glücklicherweise langsam, aber es naht! Weiterhin abhängig von Nanutarra – ja oder nein – sind es also möglicherweise nur noch gute anderthalb Monate, die ich hier verbringe. Und nun hoffen wir auf Klarheit. Und auf Arbeit!

A propos Arbeit wurde mir doch nach dem letzten Blog tatsächlich vorgeworfen, ich würde ja hier nur faulenzen und Spaß haben. Wie kann man das bloß glauben? Mit Recht! Sicher arbeite ich hier. Bei 30 Wochenstunden bleiben aber noch 138 Stunden Freizeit. Davon schlafe ich ungefähr 60, bleiben 78. (Mathe ist ja doch ganz nützlich für's Leben..) Natürlich berichte ich gern und hauptsächlich über meine Spaß-Zeit hier, aber es geht auch anders.

Aufstehen, Zähne putzen, los geht’s um 7:30.
James, Lewis und Leah sind natürlich schon wach und haben auch bereits allen Grund, sich zu ärgern, kitzeln, jagen, hauen oder für sonstige morgendliche Aktivitäten.
Wenn ich Leah das Frühstück zubereitet und gegeben habe, rücken auch die Jungs nach dem fünften Mal fragen, was sie denn essen möchten, endlich mit der Sprache raus und so bereite ich Spiegelei, Bohnen, Müsli, Joghurt, Obst oder natürlich Toast mit Vegemite zu. Anschließend geht es in die nächste Runde: Frühstücksverschmiertes Gesicht waschen, Zähne putzen und rein in die Schuluniform. Abhängig davon, wie lange es wieder dauert, bleibt noch Zeit zum Spielen. Dann aber ab in die Schule. Kurze Zeit später geht Leah wieder ins Bett für ihr Morgenschläfchen. Für mich beginnt nun die Pause, um drei geht’s weiter.

Leah ist zu der Zeit meistens – oh, wie überraschend – im Bett und schläft ihr Nachmittagsschläfchen. So bleibt Zeit zum Kochen, Wäsche waschen oder für sonstige kleine Hausarbeiten. Sind alle wieder da, geht es ans Spielen. Monopoly, Janga, Speed Cups (Danke, Leni!), Sagaland, Memory, Uno – rauf und runter und dann nochmal von vorne. Die Jungs fahren Fahrrad auf der sehr wenig befahrenen Straße („Stay where I can see you!“), Leah und ich sehen zu. Die Jungs schwimmen im Pool, ich gebe Anweisung, wie sie reinhüpfen sollen „Jump like a horse/chicken/Spiderman...“ Erschöpfend für die Jungs, einfach für mich – ein tolles Spiel! Leah bewirft sich derweil selbst mit Sand in der noch recht neuen Sandkiste.

Anschließend geht es in die Badewanne oder die Dusche. Auch hier müssen manchmal Tricks her wie „I time your shower! Ready, steady, GO!“ Leah badet mit lauter Booten, Krokodilen, Schwämmen, Eimern und sonstigem Spielkram und hat jedes Mal viel Freude am Wasser. Die Jungs baden gern mit ihr zusammen, was zwar schön, aber auch stressig ist, da die Kleine sich doch ständig gegen brüderlich liebevolle Angriffe verteidigen muss, was im Wasser natürlich schwerer ist und gern in schrillem Kreischen endet (, was sowohl Leah als auch Lewis ausgezeichnet drauf haben). Lewis trinkt gern mal einen Schluck Badewasser, was verständlicherweise weniger ratsam ist, wenn Leah auch noch mit drin ist. „Don't drink it, you never know if Leah did a wee in here!“ war meine nett gemeinte Warnung, aber Lewis wusste es – wie so oft – besser: „Leah can't do a wee! She doesn't have a Willy!“ Was bleibt da zu sagen..
Nach dem Essen dann noch etwas spielen, eine Kindersendung im Fernsehen, eine Geschichte oder zehn Minuten iPad und dann ab ins Bett. Leah ist längst in den schönsten Träumen unterwegs. Vermutlich geht es um Kekse, Dips und Mummys iPhone. James und Lewis wenden noch ihre letzten Tricks an und versuchen mit „I need to tell you something very important“ zu rechtfertigen, immer und immer wieder aus dem Bett zu schlüpfen. „If I'm quiet for seven minutes, can I have some apple?“ Die Fantasie für solche Ich-will-wach-bleiben-Anfragen, ist unendlich! Schließlich gewinnen aber immer die „Großen“ und endlich auch der Schlaf über den erschöpften Kinderkörper. Tank Energie, morgen früh geht’s von vorne los!

An den Wochenenden habe ich grundsätzlich frei. Gern sorgt dann mal eine Nacht bei Nils dafür, morgens von Krähen im Garten oder den Hunden geweckt zu werden und nicht von Sätzen wie „Put your sister down!“ oder „Muuuum, he kicked me!“

So trubelig-wuselig es hier oft ist, so schöne, ruhige Momente gibt es auch. Man sitzt zusammen und schmust, James erzählt von seinen Erlebnissen in der Schule, strickt oder erklärt, wie die Welt funktioniert oder was sein Daddy alles Tolles kann. „My Daddy can lift up a truck with his bare hand“.. ähm.. ja..
Lewis liest mir (!) den Gruffalo oder die Spielregeln zu einem x-beliebigen Spiel vor. Oder er nimmt mich in den Arm und sagt „You can't go to Germany! I want you to stay for ever!“
Leah tanzt zum lauten Geräusch der Küchenmaschine oder schmiegt kuschelnd ihren Kopf an meine Schulter.
Solche Momente sind unbezahlbar und machen alles wieder gut, was tagsüber vielleicht mal nerven mag. Kein Wunder also, dass es bisher vielleicht ein bisschen untergegangen ist, dass ich hier auch arbeite. Vergesse ich ja sogar selbst manchmal. Ich werde eine neue Freizeit-Arbeitszeit-Schlaf-Rechnung aufstellen, wenn das mit Nanutarra klappt. Die Frage, ob ich denn hier auch mal arbeite, wird sich sicher nicht mehr stellen. Aber wie war das? Üben wir uns mal in Geduld und genießen die rasende Zeit hier noch.

Ebenfalls sehr geduldig war diejenige, an die mein heutiger Blog-Gruß geht. Juli, es war so schön, dich endlich wieder zu sehen. Nachdem wir uns nach der Grundschule aus den Augen verloren haben, ist es so verrückt, sich hier am anderen Ende der Welt zu treffen! Der Abend bei euch war sehr schön und ich hoffe, wir warten nicht wieder 18 Jahre, bis wir uns wiedersehen! You are very clever, getting your whole family here!!


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