Donnerstag, 5. Dezember 2013

Oh, atemberaubendes Lombok!

Da steht ein Mann mit einem Schild in der Hand. Darauf mein Name. Wir schieben uns und unser Gepäck also schnurstracks in seine Richtung, da er offensichtlich unser Fahrer ist. Schnell noch zum Geldautomaten, um die landeseigene Währung Indonesische Rupiah abzuheben und los geht’s Richtung Auto. Groß genug für uns alle und glücklicherweise klimatisiert, klebt die Hose doch ohnehin schon an den Beinen vor lauter Luftfeuchtigkeit. Vor uns liegen anderthalb Stunden Autofahrt, die wie im Fluge vergehen, kann man sich an all den spannenden Eindrücken ja gar nicht satt sehen. Und so lösen sich die Blicke kaum eine Sekunde von den Geschehnissen im noch völlig unbekannten Land. Mit laufendem Schweiß und steigender Aufregung kommen wir schließlich im „Hotel“ an. Die (wiedermal bei Groupon gefundene) Unterkunft ist kein Hotel wie ich sie bisher kennen gelernt habe. Das – nennen wir es mal Resort – besteht aus mehreren Villen und Suiten. Die Suiten sollten nun für fünf Nächte unsere sein. Drei baugleiche Häuser jeweils ausgestattet mit Schlafzimmer mit Minibar und Bad stehen direkt nebeneinander und teilen einen riesigen Pool. Bei der Führung durch die Räumlichkeiten bleibt uns nicht nur auf Grund der Hitze die Luft weg. Schnell ist klar: das wird eine wunderbare Zeit!

Blumengeschmücktes Bett

Duschen mit Blick auf die Palmen

Unsere Suiten aus dem Pool betrachtet
Nach dem Einchecken und Durchforsten der Karten (Speisekarte, Massagekarte und Ausflugskarte) wird die erste Bestellung durchgegeben. Durch die entzückende Tri an der Rezeption haben wir gute Tipps erhalten und uns gleich für den nächsten Tag für eine achtstündige Tour inklusive Wasserfall und Monkey Forest angemeldet. Wieder unten bei den Suiten geht es erstmal in den Pool. Ins Handtuch eingewickelt wird das erste gemeinsame Dinner gänzlich ungezwungen auf dem Fußboden genossen. Anschließend geht es früh ins Bett, wollen wir ja morgen alle fit sein. Also abends nur noch ein paar Kaltgetränke aus der Minibar holen und dann dem Klang der Moscheen lauschen. Da in Lombok laut Fahrer Hardi rund 75% der Einwohner muslimisch sind (Tri hat sogar von 95% gesprochen), stehen die Moscheen hier dicht an dicht. Kaum ein Kilometer vergeht, ohne eine weitere der wunderschönen Bauten zu sehen. Hardi sagt voller Stolz, dass es auf der kleinen Insel circa 1000 Moscheen gibt. Und eine ist schöner als die andere.



Gut geschlafen und frisch aus dem Bett geht es zum Frühstück. Wieder auf der eigenen Terrasse. Dieses Mal entscheiden wir uns dafür, die Tische und Stühle so zurechtzuschieben, dass wir alle bei Mona und Freya Platz finden und dies zu unserem gemeinsamen Treffpunkt wird. Hier wird gegessen, gesessen, gespielt, geklönt und entspannt. Da das Resort kein Restaurant hat, wofür sich die Besitzer unverständlicherweise entschuldigen, müssen wir „leider“ bei jedem Essen auf den Roomservice zurückgreifen und so kommen Frühstück und Dinner bequem vor die Tür. Schon schlimm, wenn man einfach nur aus dem Bett rollen muss und dann ganz privat das beste Essen serviert bekommt. Auch das Frühstück mit den frischen Melonen- und Bananensäften kann sich sehen lassen.

frischgepresster Wassermelonensaft
Aufgegessen und los geht’s zu unserem ersten Ausflug. Hier ist schnell klar, dass Rumliegen und Faulenzen jeden Tag die reinste Zeitverschwendung wären. Und so wartet Hardi schon oben an der Rezeption, um uns sein Lombok zu zeigen.
Im Monkey Forest um die Ecke füttern wir Affen mit Erdnüssen und genießen neben einer wunderbaren Aussicht auch das wilde Herumtollen der lustigen Tierchen. Man muss schon sagen, man erkennt den einen oder anderen menschlichen Zug wieder. Schnell noch ein paar Bilder gemacht und weiter geht es auf den wilden Straßen von Lombok. 


Die mutige Freya fleißig am Füttern

ein Teil der Affenbande

Kleine Affen, große Affen und wunderschöne Aussicht
Oh ja.. wilde Straßen. Keine Verkehrsregeln, Schilder oder Ampeln, tausende von Rollerfahrern, wobei die meisten weder Helm noch Führerschein haben. Da man den Führerschein hier jedoch ohnehin nur kauft und keinerlei Prüfung oder Fahrstunden machen muss, ist es auch nicht wirklich beruhigend, wenn Leute den Lappen haben. Also immer mit einem leicht angegruselten Gefühl unterwegs. Aber Hardi ist ja ein trainierter Fahrer und so werden alle Störenfriede wie vierköpfige Familien auf einem (!) Roller kurzer Hand weggehupt und überholt. 

Ein "bisschen" Gepäck auf dem Rad



Familienausflug (wenigstens Papa ist behelmt)..
Einige Zeit später kommen wir an einem Kiosk an. Hier tauschen wir Hardi gegen einen Waldführer ein. Schnell noch den Preis von fünf auf drei Personen runtergehandelt und ab in den Regenwald. Die atemberaubende Sicht auf die Pflanzen und die unglaublich hohe Energie, die dort in der Luft zu sein scheint, helfen uns dabei, den beschwerlichen Weg auf Steinen, durch Flüsse und über Brücken bis hin zu unserem großen Ziel zu schaffen – dem Wasserfall. Und was für einer! Also nichts wie rein da und schwimmen. Das kalte Wasser prasselt von allen Seiten auf uns ein und wir können nichts weiter als Staunen und Genießen. Wieder schnell ein paar Bilder gemacht (das glaubt uns ja sonst kein Mensch) und dann auf dem selben Weg zurück. Dieses Mal leider ohne Schuhe, da diese auf halbem Wege aufgegeben haben. Nach meiner kleinen Panikattacke auf dem Hinweg stand mir der zweite Weg über die circa 50 m hohe, superschmale Brücke ohne Rand ziemlich bevor. Nils sollte mit seinen beruhigenden Worten „Du hast es eben auch geschafft, du schaffst das nochmal!“ Recht behalten und so ging es sogar mit beeindruckender, wenn auch mehr gespielter Lässigkeit wieder über die tiefe Schlucht. Geschafft! Und darauf bin ich als bekennender Brückenängstler auch ein bisschen stolz!
Absolut erschlagen von Eindrücken und Anstrengung, aber glücklich und überwältigt!

NOCH mit Treppen

unglaubliche Größen

auch da müssen wir durch


Endlich angekommen!

kurze Verschnaufpause

und ab ins Wasser

Nils und seine kleinen Frauen

Tschüß Flip Flops

mein persönlicher Horror


Die Anstrengung zeigt sich dann gleich am nächsten Morgen wieder, und zwar in den Waden. Was für ein Muskelkater vom ganzen Rumgekrieche auf den Steinen. Und so genießen Hannah, Nils und ich dann eben doch wenigstens an diesem Tag das volle Pool-Entspannungsprogramm. Für Hannah und mich war zusätzlich noch eine schöne, lange Ayurveda-Massage drin. Gänzlich entspannt wird Kraft gesammelt für den nächsten Tag. 

entspannen

entspannen

Spaß haben

und wieder lieb sein
Doch erst soll die Nacht noch spannend werden. Kräftig klopft es um zehn vor eins an unserer Glastür. Ich werde wach und schicke natürlich den Mann vor, um die Tür aufzumachen. Freya und Mona stehen dort, Mona ziemlich aufgelöst. Ihr ohnehin schon schmerzendes Ohr zeigt sich jetzt von seiner blutigen Seite. Fiese Sache, also schnell einen Fahrer bestellt, um die beiden ins Krankenhaus zu fahren. Das hat leider zu.. ist ja auch mitten in der Nacht.. Also weiter zu einem anderen, in dem aber derzeit leider kein Doktor war.. kann ja mal passieren.. ist ja auch mitten in der Nacht. Da fragt man sich, was ist, wenn man ein „richtiger“ Notfall ist, was bei dem Verkehr wohl kaum selten sein darf. Wenn dein Blinddarm durchbricht oder dich irgendein fieses exotisches Tier beißt. Mona bekommt also den wertvollen Rat, nicht Schwimmen zu gehen (…) und wird nach Haus geschickt, um morgen früh wiederzukommen und einen Arzt zu treffen. Und wir beschweren uns ernsthaft, wenn wir mal eine halbe Stunde im Wartezimmer verweilen müssen.. Diagnose: Dicke Infektion, die hoffentlich nicht mehr allzu lange bleibt. Mona, ich drück die Daumen, dass der Perther Arzt übertreibt und du nicht wirklich noch zwei Monate mit dem Druck leben musst.

Nächster Tag. Es geht zur fünfstündigen City-Tour. Dieses Mal beeindruckt uns weniger die ziemlich zugemüllte Natur als die spannenden Menschen, die teilweise kaum die Augen von uns und vor allem unseren drei Blondinen lassen konnten. Daran erkennt man, dass Lombok vom bösen Tourismus zum Glück noch nicht so stark vereinnahmt ist. Wir mit unserer hellen und sonnenempfindlichen Haut sind da offensichtlich schon einen Blick wert und so werden wir zum gemeinsamen Foto aufgefordert wie eine Berühmtheit (oder ein exotisches Tier?). Die Moscheen dürfen wir leider nicht betreten, was absolut akzeptiert wird. Der hinduistische Tempel zeigt sich gegen eine winzige Spende von umgerechnet 50 Cent offen und beeindruckt uns mit Farben, Gerüchen und freundlichen Menschen. Und das direkt am Meer. Wunderschön!






Als grausam hingegen soll sich der letzte Teil unserer City-Tour herausstellen. Eine große, volle, stinkige und vor allem laute Mall. Eine schlechte Rockband spielt mittendrin mit viel zu viel Becken ihre merkwürdigen Lieder, während die kleine, zierliche Sängerin schräg in ihr Mikro brüllt. Also nur schnell das von Lewis bestellte Spiderman-Cap gekauft und raus da. Die Laune etwas im Keller geht es noch einmal zum „Local Market“, wo wir uns mit massenhaft frischestem Obst eindecken – Melone, Bananen, Mangos. Früchte kann man dort gut und bedenkenlos kaufen. Jedoch verschafft es einem eine dicke Gänsehaut, wenn man die Fliegen auf rohem Fisch und halbgerupften Hühnern herumlaufen sieht. Bleiben wir also bei Obst und unserem Roomservice!
Bei allabendlichem Bintang und trauter Gemeinsamkeit lassen wir auch diesen spannenden Tag ausklingen und haben somit noch einen kompletten Tag vor uns. Jedoch sollten wir dieses Mal in einen ganz besonderen Genuss kommen. Da wir ja "nur" die Suiten anstatt der uns eigentlich laut Gutschein zustehenden Villa bekommen konnten, da diese schon gebucht war, hat Tri es uns ermöglicht, wenigstens an diesem Abend ein wundervolles BBQ mit Blick aufs Meer im Garten der Villa zu bekommen. Herrliches Essen bei herrlicher Aussicht!





Gebucht haben wir für den kommenden Tag die achtstündige Schnorcheltour. In aller Frühe also wieder zu Hardi ins Auto und los zur Miniinsel Gili Nanggu. Schnell noch Schnorchel, Brillen und Flossen geliehen (die wurden natürlich nach Anruf mit dem Roller geliefert) und dann ins Boot. Bootängstlerin Hannah wurde zwar etwas mulmig, als wir uns und unsere Sachen im kleinen Bötchen verstaut hatten, aber so wie ich die Brücke hat auch sie die 15-minütige Fahrt wunderbar überstanden. Gut gemacht, Hans! Und es hat sich gelohnt! Runter vom Boot und raus aus den Klamotten. Aus lauter Vernunft dann mit T-Shirt rein ins Wasser. (Gerade bei Blondi Hannah sollte sich das am nächsten Tag als sehr schlau herausstellen, waren so also „nur“ die Rückseiten von Beinen und Armen und der Popo verbrannt.) Die ersten Fische zeigen sich schnell und dank Hardis toller Erfindung – dem „Brot in der Flasche“ (Toast kleingekrümelt, Wasser rein, Loch in den Deckel und dann die Fische mit kleinen Stoßspritzern des ekligen Schleimzeugs anlocken, klappt wunderbar!!) wurden es auch schnell mehr. Erstmal gehen wir neben dem Bootanleger ins Wasser. Dort sind die kleinen, bunten Fische. Nachdem wir uns mit Schnorchel und Plastikfüßen angefreundet haben, trauen wir uns auch auf die andere Seite zu den großen Fischen und den Korallen. Anschließend noch die Sonne und den paradiesischen Strand genießen, bevor es wieder zurück geht, wo wir ein letztes Mal die indonesischen Köstlichkeiten bestellen.

Hardi

unser Boot



Riesenseestern



Korallenfarm




Hardi bringt uns am nächsten Tag rechtzeitig zum Flughafen und wir haben viel Zeit, dort von Lombok und unserer schönen Zeit Abschied zu nehmen. Obwohl wir wissen, dass uns ja nicht das kalte Deutschland, sondern das sommerliche Perth erwartet, ist die Stimmung eher unwillig, das Land so schnell wieder zu verlassen.

Lombok hat sich zwar nicht nur von seiner schönsten Seite gezeigt, waren Armut und Drogen vielen Leuten anzusehen. Aber es war wunderschön, beeindruckend, atemberaubend und vor allem ehrlich. Im Gegensatz zur Wettervorhersage, die uns komplette sechs Tage Gewitter und Regen versprochen hat. (Überaus glaubhaft, da auf Lombok momentan Regenzeit ist.) Dass wir in dieser Hinsicht angelogen wurden, nehmen wir aber gern in Kauf und freuen uns, dass wir lediglich 3-16 Tropfen indonesischen Regens gesehen haben.
Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann wieder! Und gern wieder mit euch Mädels und Nils!
Oh, atemberaubendes Lombok! 



Mein Blog-Gruß geht heute an Timm! Bei dem paradiesischen Lombok und vor allem Gili Nanggu wurde ich stark an die Bilder erinnert, die du mir von deinem Urlaub auf den Malediven gezeigt hast. Ich denk an dich und hoffe, dass die Entspannung aus diesem Urlaub noch immer anhält. Oh, und außerdem haben wir neulich so weihnachtliche Schokokugeln gegessen, die fast so geschmeckt haben, wie deine Pralinen! Aber nur fast.. Dicker Drücki für dich!

2 Kommentare:

  1. Hey Julie,
    Da sind wir in Australien und du haust ab. Perth hätten wir wohl aber auch nicht geschafft...das bisschen Natur zwischen den Küsten ist ein wenig weit. Viel Spaß euch beiden noch und wir sehen uns dann einfach wieder in der Gärtner Straße - bei viel Wein und noch mehr neuen Geschichten! Viele Grüße aus Airlie Beach von Chrischie und Nadi - auch an Nils.

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  2. Ihr seid alle lustig. Man sieht auf Euren Bildern nur Strand, Sonne, Natur, Bikinis etc. :-( und wir hier 'hetzen' von einem Weihnachtsmarkt auf den nächsten, kaufen zwischendurch die Geschenke ein, verpacken diese ... eben der normale 'Weihnachtsstress'. Alles ist gut und dieses Jahr tatsächlich 'mal entschleunigt. Ganz viele liebe Grüße aus der G 97 von M+V

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