Zwei Wochen sind wir nun schon wieder
zurück in Perth. Nach wie vor ist es unfassbar, wie schnell die Zeit
hier rennt. Ebenso unfassbar ist es für mich, wie lange Leah heute
schläft und so finde ich nach Erledigung der Wäsche, des Abwasches
und sonstigen Putzarbeiten sogar noch Zeit, mich mit ein paar kleinen
Worten an euch zu richten. Leider kann ich in diesem Eintrag nicht
von einem weiteren aufregenden Urlaub berichten, aber nachdem ich
nach meinem Geschreibe über Lombok ohnehin eine erschreckend geringe
Resonanz von euch hatte, bin ich mittlerweile ziemlich sicher, dass
ihr angefangen habt, mich zu verurteilen. Oder wart ihr schlicht so
sprachlos wie wir?
Nun haben in meiner geliebten
Heimatstadt alle die Fenster geschmückt und den Glühwein heiß
gemacht (trotz 10 °C.. Was ist da denn los?) und so wette ich, dass
es euch leichter fallen dürfte, in weihnachtliche Stimmung zu
fallen, haben wir doch heute schon den 17. Dezember, was keiner von
uns Deutschen hier dem Kalender glauben will. Wir waren letztes
Wochenende dann mal hier auf dem „Weihnachtsmarkt“ (,der
keinerlei weiterer Ausführung verdient hat. Es war nur ein riesiger
Fressmarkt mit Weihnachtsmusik) und schwitzend werden Hans und ich am
kommenden Wochenende mal Plätzchen backen und dabei
selbstverständlich die alljährlichen Klassiker von Rolf Zuckowski
hören – vielleicht wird es dann ja was mit der Stimmung! Der
Adventskalender ist nach wie vor täglich meine Freude noch VOR dem
Aufstehen (hab die Säckchen ja an meinem Bettgestell befestigt!)
Danke, Mama! Auch die von Oma gestickten Weihnachtsmänner und
Wichtel erinnern daran, dass es diese ruhige und kalte Zeit im Jahr
gibt. Wir erfreuen uns jeden Tag an diesem Anblick. Tausend Dank,
Oma!!
| Bestickte Säckchen im Baum |
| Das "Erzählbüchlein" findet Platz neben dem Kugelbaum und Urlaubsbildern |
| Und direkt im Eingangsbereich: Die 3 Wichtel und der Badehosen-Weihnachtsmann mit Bowle und Baum! Supertoll, Oma!! |
| Frecher kleiner Lewis! Auf seinem T-Shirt steht übrigens: "This is what awesome looks like".. Noch Fragen? |
| Die Kids bei Santa. Moment, Leah wird doch nicht.. |
| Doch! |
Dass ich nicht wieder im Urlaub war,
sondern ausnahmsweise mal hier im schönen Perth bleibe, soll ja aber
nicht heißen, dass ich nichts mehr zu erzählen habe, steht die
Fortsetzung meiner Redewendungsrecherchen ja auch noch aus. Hier habe
ich meiner Liste (vor allem von Onkel Ashley) einige schöne Sachen
hinzufügen können. Außerdem hört dieses Land nicht auf, mir
interessante neue Eindrücke kulinarischer Art zu vermitteln. Im
Supermarkt zeigen sich teilweise Früchte (nun, ich vermute, es sind
Früchte, da sie bei mir bekanntem Obst rumliegen..), die ich bisher
nie gesehen, und vermutlich auch noch nie geschmeckt habe. Nachdem
sich meine Leser ja aber bereits bei anderen Einträgen als überaus
schlau und gebildet gezeigt haben, bin ich gespannt, zu erfahren, um
was für köstliche oder weniger köstliche Köstlichkeiten es sich
bei folgenden „Dingen“ handelt:
| Ingwer-Verwandt? |
| Riesen-Radieschen? |
| Oder eher Rüben? |
| DAS sind jedenfalls die ECHTEN Black eyed peas |
| Da sieh mal einer an.. |
| Und die eigens angebauten Karotten |
Da die Temperaturen sich hier
inzwischen von ihrer richtig sommerlichen Seite zeigen und wir somit
letzte Woche die 40°C-Marke um heftige drei Grad überholt haben,
bleibt der Appetit zwar eher klein, die Lust auf Meer und Strand
flammt aber in nahezu jeder Mittagspause auf. Manchmal ist es
allerdings (wer hätte gedacht, dass ich das sagen würde..) ZU heiß
für Strand. Da brennen einem wirklich die Fußsohlen weg. Aber so
kommt man wenigstens dazu, alle Geschenke rechtzeitig zu besorgen
(Hans, morgen wird vollendet!!).
| Abkühlung bei Nils im Garten |
| I love my bag of ice! |
| Breathtaking Christmas present!! Da schenkt mir Nils' Mitbewohner Steve seinen selbstgemachten und überaus australischen Boomerang! The biggest thankyou from the bottom of my heart!! |
Ja.. Weihnachten.. Das ist echt'n Ding!
Und es bedeutet ebenfalls (festhalten, Leute!) Halbzeit! Ich soll
also tatsächlich bald seit sechs Monaten in diesem wunderbaren Land
sein und euch alle auch so lange schon nicht mehr gesehen haben.
Jedenfalls live, also persönlich und ohne Pixel, dafür mit
Anfassen! Manche sogar noch viel länger nicht! (Fehlst mir, Pupsi!)
Täglich sehe ich an den Kindern, dass
es stimmen muss. Ich bin wirklich schon so lange hier. Leah konnte
nicht krabbeln als ich kam und nun macht sie neben ihrem unglaublich
entzückenden Monkey-Walk (auf Händen und Füßen krabbelnd) ihre
ersten Schritte und das immer elegant auf den Zehenspitzen – die
kleine Ballerina! Sie hatte gerade mal zwei Zähne und nun kann sie
mit ihren dazugewonnenen Backenzähnen herrlich gruselig knirschen.
Und auch ein paar Babygebärden hat sie dankend angenommen und so
teilt sie uns mit, wenn sie müde ist, runter will (vom Hochstuhl zum
Beispiel) und auch das Winken und „Gib mir“ klappen
ausgezeichnet. Am liebsten unterlegt sie das Ganze, vor allem „Gib
mir“ mit einem lauten „Ääähhhhh“ in höchster Frequenz.
Netter Sound.. Die Zeit rennt..
Lewis kann inzwischen auch ohne
Stützräder Fahrrad fahren und bekommt seine Schuhe allein
angezogen. An seinem Charme arbeitet er täglich und so gewinnt er
spielend mein und Hannahs Herz, der kleine Casanova! Die Zeit rennt..
James wird auch immer besser. In allem,
was er tut. Man möchte meinen, in seinem Alter sind die Schritte
weniger deutlich zu sehen als bei Leah oder Lewis, dem ist aber nicht
so. Man muss vielleicht etwas genauer hinsehen, aber auch seine
Entwicklung ist unverkennbar, wenn man ihn sich ansieht. Der große
Junge, der jetzt schon fast bei jedem Essen ohne mütterlichen
Hinweis zur Gabel greift und nicht mehr unterbewusst der indischen
Mit-den-Fingern-Ess-Kultur frönt. An der „Geräuschkulisse“ beim
Essen arbeiten wir noch.. „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat
es euch nicht geschmecket?“ Zwar ist es in seinem Fall eher Rülpsen
und Schmatzen, aber das kann er wie ein ganz Großer! Außerdem merkt
er immer mehr, dass es durchaus auch eine Freude sein kann, anderen
eine Freude zu machen oder mit etwas Kleinem zu überraschen. So
streckt er mir gestern noch vor dem „Good morning, Julie“ ein
Papier hin und sagt, ich solle die Schrift lesen. Zwischen lauter
liegenden Achten (er findet es unendlich (!) spannend, dass „the
biggest number of the world“ eine liegende Acht ist) steht in
ordentlichen Buchstaben „Julie is very polite“. Als Belohnung für
meine guten Manieren habe ich dann eine leckere Zuckerstange vom
Tannenbaum bekommen. Herzerwärmend und Zahnschmerz-erregend süß!
Die Zeit rennt..
Bin nach wie vor sehr stolz auf meine
Lütten!! Aber nicht zu sehr, denn hier heißt es „Pride before a
fall“, um endlich eure Fragen zu beantworten. Und so gelingt mir
wieder eine elegante Überleitung zu euren angefragten Redewendungen.
Tatsächlich kamen Anfragen doppelt,
wer hätte das erwartet? Offensichtlich interessiert es die meisten
in erster Linie, ob auch hier mal die Kacke am Dampfen ist. Im
übertragenen Sinne sicher! Und aufgrund der Hitze sicher auch mal
wortwörtlich.. Rein sprachlich setzen die Aussies mit ihrem „The
shit has hit the fan“ meiner Meinung nach noch einen drauf in
Punkto Ekligkeit. Um gleich mal im Thema zu bleiben, kann man hier
allerdings auch super mal einen Abend auf die Kacke hauen. Dieser
durchaus unaustralische Ausruck für's Party machen hat auch eher für
Lacher gesorgt. Hier hingegen geht man lediglich „on the piss“.
Überhaupt haben die's hier mit Pipi. Mit „To take a piss“ nimmt
man beispielsweise jemanden auf den Arm, fühlt man sich elend, so
darf man das vulgär auch als „piss-poor“ bezeichnen und auch das
Besäufnis ist hier „gossensprachlich“ ein „piss-up“. Jetzt
aber genug gepinkelt, schließlich kamen auch durchaus unvulgäre
Anfragen.
Sucht nicht jeder seinen Deckel? Gut,
es gibt diesen Spruch „Auf jeden Topf passt ein Deckel? Dann bin
ich ein Wok!“, aber auch für Woks gibt es Deckel, oder nicht? Und
so sucht man hier in Australien ebenfalls seinen „lid for the sauce
pan“. Der Samthandschuh ist hier der Kinderhandschuh (kid-glove)
und nein, hier sind die Leute weder oben hui, noch unten pfui, auch
innen und außen ist davon nichts zu erkennen. Familie Hempel und ihr
Sofa sind gänzlich unbekannt genau so wie Schmidt's Katze. Ärzte
sind hier nicht unbedingt die schlimmsten Patienten, aber, und das
ist wohl das Ähnlichste: „Shoemakers children never have shoes“.
Da sieht man's doch deutlich:
Dat geiht narms bunter to as op de
Welt. (Es geht nirgends bunter zu als auf der Welt)
Auch wenn es diesen Spruch hier zwar
wörtlich nicht gibt, haben auch die schlauen Australier eine
passende Weisheit parat: „Variety is the spice of life!“
Und so wünsche ich euch eben
weihnachtlich gewürzte, bunte und vielseitige Adventstage. In
fröhlicher Erinnerung ans gemeinsame Lebkuchengebacke geht mein
Blog-Gruß heute singend an meine liebe Selma! „Wann kOOmmst du,
Weihnachtsmann?“ Ich backe am Wochenende in Gedanken an dich und
freue mich auf einen bis acht gemeinsame Liter Adventstee in 2014!
das rote Gemüse ist übrigens Galangal (tatsächlich Ingwer-verwandt) und sehr beliebt in Thailand ;)
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