Dienstag, 17. Dezember 2013

Wolkenlos mit Aussicht auf heiße Weihnacht!

Zwei Wochen sind wir nun schon wieder zurück in Perth. Nach wie vor ist es unfassbar, wie schnell die Zeit hier rennt. Ebenso unfassbar ist es für mich, wie lange Leah heute schläft und so finde ich nach Erledigung der Wäsche, des Abwasches und sonstigen Putzarbeiten sogar noch Zeit, mich mit ein paar kleinen Worten an euch zu richten. Leider kann ich in diesem Eintrag nicht von einem weiteren aufregenden Urlaub berichten, aber nachdem ich nach meinem Geschreibe über Lombok ohnehin eine erschreckend geringe Resonanz von euch hatte, bin ich mittlerweile ziemlich sicher, dass ihr angefangen habt, mich zu verurteilen. Oder wart ihr schlicht so sprachlos wie wir?

Nun haben in meiner geliebten Heimatstadt alle die Fenster geschmückt und den Glühwein heiß gemacht (trotz 10 °C.. Was ist da denn los?) und so wette ich, dass es euch leichter fallen dürfte, in weihnachtliche Stimmung zu fallen, haben wir doch heute schon den 17. Dezember, was keiner von uns Deutschen hier dem Kalender glauben will. Wir waren letztes Wochenende dann mal hier auf dem „Weihnachtsmarkt“ (,der keinerlei weiterer Ausführung verdient hat. Es war nur ein riesiger Fressmarkt mit Weihnachtsmusik) und schwitzend werden Hans und ich am kommenden Wochenende mal Plätzchen backen und dabei selbstverständlich die alljährlichen Klassiker von Rolf Zuckowski hören – vielleicht wird es dann ja was mit der Stimmung! Der Adventskalender ist nach wie vor täglich meine Freude noch VOR dem Aufstehen (hab die Säckchen ja an meinem Bettgestell befestigt!) Danke, Mama! Auch die von Oma gestickten Weihnachtsmänner und Wichtel erinnern daran, dass es diese ruhige und kalte Zeit im Jahr gibt. Wir erfreuen uns jeden Tag an diesem Anblick. Tausend Dank, Oma!!

Bestickte Säckchen im Baum

Das "Erzählbüchlein" findet Platz neben dem Kugelbaum und Urlaubsbildern

Und direkt im Eingangsbereich: Die 3 Wichtel und der Badehosen-Weihnachtsmann mit Bowle und Baum! Supertoll, Oma!!

Frecher kleiner Lewis! Auf seinem T-Shirt steht übrigens: "This is what awesome looks like".. Noch Fragen?

Die Kids bei Santa. Moment, Leah wird doch nicht..

Doch!


Dass ich nicht wieder im Urlaub war, sondern ausnahmsweise mal hier im schönen Perth bleibe, soll ja aber nicht heißen, dass ich nichts mehr zu erzählen habe, steht die Fortsetzung meiner Redewendungsrecherchen ja auch noch aus. Hier habe ich meiner Liste (vor allem von Onkel Ashley) einige schöne Sachen hinzufügen können. Außerdem hört dieses Land nicht auf, mir interessante neue Eindrücke kulinarischer Art zu vermitteln. Im Supermarkt zeigen sich teilweise Früchte (nun, ich vermute, es sind Früchte, da sie bei mir bekanntem Obst rumliegen..), die ich bisher nie gesehen, und vermutlich auch noch nie geschmeckt habe. Nachdem sich meine Leser ja aber bereits bei anderen Einträgen als überaus schlau und gebildet gezeigt haben, bin ich gespannt, zu erfahren, um was für köstliche oder weniger köstliche Köstlichkeiten es sich bei folgenden „Dingen“ handelt:


Ingwer-Verwandt?

Riesen-Radieschen?

Oder eher Rüben?

DAS sind jedenfalls die ECHTEN Black eyed peas

Da sieh mal einer an..
Und die eigens angebauten Karotten

Da die Temperaturen sich hier inzwischen von ihrer richtig sommerlichen Seite zeigen und wir somit letzte Woche die 40°C-Marke um heftige drei Grad überholt haben, bleibt der Appetit zwar eher klein, die Lust auf Meer und Strand flammt aber in nahezu jeder Mittagspause auf. Manchmal ist es allerdings (wer hätte gedacht, dass ich das sagen würde..) ZU heiß für Strand. Da brennen einem wirklich die Fußsohlen weg. Aber so kommt man wenigstens dazu, alle Geschenke rechtzeitig zu besorgen (Hans, morgen wird vollendet!!).

Abkühlung bei Nils im Garten

I love my bag of ice!
Breathtaking Christmas present!! Da schenkt mir Nils' Mitbewohner Steve seinen selbstgemachten und überaus australischen Boomerang! The biggest thankyou from the bottom of my heart!!

Ja.. Weihnachten.. Das ist echt'n Ding! Und es bedeutet ebenfalls (festhalten, Leute!) Halbzeit! Ich soll also tatsächlich bald seit sechs Monaten in diesem wunderbaren Land sein und euch alle auch so lange schon nicht mehr gesehen haben. Jedenfalls live, also persönlich und ohne Pixel, dafür mit Anfassen! Manche sogar noch viel länger nicht! (Fehlst mir, Pupsi!)

Täglich sehe ich an den Kindern, dass es stimmen muss. Ich bin wirklich schon so lange hier. Leah konnte nicht krabbeln als ich kam und nun macht sie neben ihrem unglaublich entzückenden Monkey-Walk (auf Händen und Füßen krabbelnd) ihre ersten Schritte und das immer elegant auf den Zehenspitzen – die kleine Ballerina! Sie hatte gerade mal zwei Zähne und nun kann sie mit ihren dazugewonnenen Backenzähnen herrlich gruselig knirschen. Und auch ein paar Babygebärden hat sie dankend angenommen und so teilt sie uns mit, wenn sie müde ist, runter will (vom Hochstuhl zum Beispiel) und auch das Winken und „Gib mir“ klappen ausgezeichnet. Am liebsten unterlegt sie das Ganze, vor allem „Gib mir“ mit einem lauten „Ääähhhhh“ in höchster Frequenz. Netter Sound.. Die Zeit rennt..
Lewis kann inzwischen auch ohne Stützräder Fahrrad fahren und bekommt seine Schuhe allein angezogen. An seinem Charme arbeitet er täglich und so gewinnt er spielend mein und Hannahs Herz, der kleine Casanova! Die Zeit rennt..
James wird auch immer besser. In allem, was er tut. Man möchte meinen, in seinem Alter sind die Schritte weniger deutlich zu sehen als bei Leah oder Lewis, dem ist aber nicht so. Man muss vielleicht etwas genauer hinsehen, aber auch seine Entwicklung ist unverkennbar, wenn man ihn sich ansieht. Der große Junge, der jetzt schon fast bei jedem Essen ohne mütterlichen Hinweis zur Gabel greift und nicht mehr unterbewusst der indischen Mit-den-Fingern-Ess-Kultur frönt. An der „Geräuschkulisse“ beim Essen arbeiten wir noch.. „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?“ Zwar ist es in seinem Fall eher Rülpsen und Schmatzen, aber das kann er wie ein ganz Großer! Außerdem merkt er immer mehr, dass es durchaus auch eine Freude sein kann, anderen eine Freude zu machen oder mit etwas Kleinem zu überraschen. So streckt er mir gestern noch vor dem „Good morning, Julie“ ein Papier hin und sagt, ich solle die Schrift lesen. Zwischen lauter liegenden Achten (er findet es unendlich (!) spannend, dass „the biggest number of the world“ eine liegende Acht ist) steht in ordentlichen Buchstaben „Julie is very polite“. Als Belohnung für meine guten Manieren habe ich dann eine leckere Zuckerstange vom Tannenbaum bekommen. Herzerwärmend und Zahnschmerz-erregend süß! Die Zeit rennt..
Bin nach wie vor sehr stolz auf meine Lütten!! Aber nicht zu sehr, denn hier heißt es „Pride before a fall“, um endlich eure Fragen zu beantworten. Und so gelingt mir wieder eine elegante Überleitung zu euren angefragten Redewendungen.

Tatsächlich kamen Anfragen doppelt, wer hätte das erwartet? Offensichtlich interessiert es die meisten in erster Linie, ob auch hier mal die Kacke am Dampfen ist. Im übertragenen Sinne sicher! Und aufgrund der Hitze sicher auch mal wortwörtlich.. Rein sprachlich setzen die Aussies mit ihrem „The shit has hit the fan“ meiner Meinung nach noch einen drauf in Punkto Ekligkeit. Um gleich mal im Thema zu bleiben, kann man hier allerdings auch super mal einen Abend auf die Kacke hauen. Dieser durchaus unaustralische Ausruck für's Party machen hat auch eher für Lacher gesorgt. Hier hingegen geht man lediglich „on the piss“. Überhaupt haben die's hier mit Pipi. Mit „To take a piss“ nimmt man beispielsweise jemanden auf den Arm, fühlt man sich elend, so darf man das vulgär auch als „piss-poor“ bezeichnen und auch das Besäufnis ist hier „gossensprachlich“ ein „piss-up“. Jetzt aber genug gepinkelt, schließlich kamen auch durchaus unvulgäre Anfragen.

Sucht nicht jeder seinen Deckel? Gut, es gibt diesen Spruch „Auf jeden Topf passt ein Deckel? Dann bin ich ein Wok!“, aber auch für Woks gibt es Deckel, oder nicht? Und so sucht man hier in Australien ebenfalls seinen „lid for the sauce pan“. Der Samthandschuh ist hier der Kinderhandschuh (kid-glove) und nein, hier sind die Leute weder oben hui, noch unten pfui, auch innen und außen ist davon nichts zu erkennen. Familie Hempel und ihr Sofa sind gänzlich unbekannt genau so wie Schmidt's Katze. Ärzte sind hier nicht unbedingt die schlimmsten Patienten, aber, und das ist wohl das Ähnlichste: „Shoemakers children never have shoes“.

Da sieht man's doch deutlich:
Dat geiht narms bunter to as op de Welt. (Es geht nirgends bunter zu als auf der Welt)
Auch wenn es diesen Spruch hier zwar wörtlich nicht gibt, haben auch die schlauen Australier eine passende Weisheit parat: „Variety is the spice of life!“ 



Und so wünsche ich euch eben weihnachtlich gewürzte, bunte und vielseitige Adventstage. In fröhlicher Erinnerung ans gemeinsame Lebkuchengebacke geht mein Blog-Gruß heute singend an meine liebe Selma! „Wann kOOmmst du, Weihnachtsmann?“ Ich backe am Wochenende in Gedanken an dich und freue mich auf einen bis acht gemeinsame Liter Adventstee in 2014!

1 Kommentar:

  1. das rote Gemüse ist übrigens Galangal (tatsächlich Ingwer-verwandt) und sehr beliebt in Thailand ;)

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