Samstag, 17. Mai 2014

Weiter geht die wilde Fahrt

Surfers Paradise

In Surfers Paradise sind die Menschen unfreundlich. Niemand ist willkommen und man muss aufpassen, nicht beklaut zu werden. So die Ansagen einiger Leute, die unseren Weg gekreuzt haben. Kaum haben wir mit Senfbert die Stadtgrenze überfahren, kommen die ersten Wutanfälle und genervten Seufzer. Wie lange kann eine Ampel rot sein? Und wieso kriegen es offensichtlich auch die Australier nicht auf die Reihe, sich ordnungsgemäß reißverschließend einzuordnen, wenn eine Spur wegfällt, so dass kein kilometerlanger Stau entsteht? Wieso fällt die Spur überhaupt weg? Gerade jetzt und mitten auf unserem Weg? Und wieder rot.. Muss wohl stimmen, was jeder über Surfers Paradise sagt. Blöde Stadt. Schnell weg hier.
Berliner Arthur nach wie vor im Schlepptau suchen wir uns einen kostenfreien Platz für die Nacht und machen es uns erst einmal bequem. Kurz darauf treffen auch Sven und Jason wieder ein. Die beiden hatten wir auf unserem Zwischenstopp in Nimbin kennen gelernt und sie haben uns auch hier ohne Absprachen wiedergefunden. Wie klein die Welt doch ist. Die Welt ja, aber Australien? Trotzdem funktioniert es auch hier, sich nicht zu verlieren und das ganz ohne die moderne Handy-Technik. Also alle zusammen um den Tisch, ein Gläschen Wein oder ein Bier, ein Schüsselchen 2-Minuten-Nudelsuppe und Kerzenschein. Das war der erste Abend hier. Heute ist der dritte.
Ich sitze im Auto während ich schreibe. Die Jungs (immernoch alle vier. Mädels, angenehmer kann man nicht reisen!) sitzen draußen und klönen bei netter Musik. Neben uns piepsen die vielfältigsten Vögel, das Wasser plätschert und wir beobachten die vielen Boote, springenden Delfine und Jetskis durch die Bäume hindurch. Wir sind in Main Beach, direkt am oberen Ende der Landzunge. Tagsüber fahren wir die wenigen Kilometer rüber zum Strand. Zuerst in Surfers Paradise direkt, heute in Main Beach. Wir machen uns Mittagessen an den öffentlichen Grillstationen und freuen uns über die tolle kleine Reisegruppe, die wir geworden sind.

Ja ja. Das Leben im Wald, im Dschungel, im Nichts hat es uns ziemlich angetan. Es ist aber auch einfach beeindruckend, was Australien an Landschaft zu bieten hat. Sehr abwechslungsreich und spannend. Da wird man schnell zum Naturfreund. Von den Menschen hingegen haben wir schnell mal die Nase voll. 

Strand und Hochhäuser (nur Hotels!) - Surfers Paradise


Nimbin

Als wir Byron Bay dann nach einer Woche doch mal verlassen haben nachdem wir uns auf dem kleinen aber süßen Bauernmarkt noch mit Avocados, Passionsfrüchten (beides zum absoluten Grundnahrungsmittel geworden, so lecker hier!) Grapefruits und „Custard Apples“ eingedeckt haben, führte uns das Navi nach Nimbin. Der Erwartung nach war es ein kleines Dorf, in dem nur Hippies leben, alle dauerhaft bekifft sind und die Polizei sich für gar nichts interessiert. Ziemlich zutreffende Beschreibung. Eine Nacht haben wir fußnah vom Ort entfernt verbracht und die erste warme Dusche seit Autoreise genossen. Dann hat's aber auch schon gereicht mit Nimbin. Die folgende Nacht sind wir wieder der App gefolgt und haben unsere Autos mit den Kofferräumen aneinander auf einem Parkplatz mit wunderschöner Aussicht geparkt. Keine Klos, keine Duschen, keine Menschen! Weit sind wir dafür nicht gefahren, aber es hat sich absolut gelohnt, den Platz zu wechseln. Hier haben uns dann auch Sven und Jason ausfindig gemacht. Die beiden kannten Arthur schon, haben ihn und uns entdeckt und so entstand unsere kleine Reisegemeinschaft.

Morgen trennen sich unsere Wege – erstmal. Nils und ich schlagen bei einem Internetangebot zu und gehen morgen in den Wasserpark „Wet'n'wild“, zu dem wir von hier keine halbe Stunde brauchen. Anschließend werden wir die Nacht wohl wieder hier in Main Beach verbringen, um nach dem angestrengten Wasserspaß keine große Suchaktion mehr starten zu müssen. Dann geht’s aber wirklich mal raus aus diesem Ort. Man sieht.. Surfers Paradise ist furchtbar. Nach vier Tagen hier können wir guten Gewissens behaupten: stimmt nicht. Hier kann man ruhig ein bisschen bleiben. Die City ist ziemlich unangenehm, das ist wahr, aber nach unseren letzten Wochen sind wir das Stadtleben mit all seinen Ampeln und Baustellen auch einfach nicht mehr gewöhnt. Mal sehen, ob unser nächstes Ziel – Brisbane – sich von einer angenehmeren Seite zeigt. 

Nimbin - Juju und Arthur beim Kofferraumplausch

Nimbin zweite Nacht. Arthur, Nils und Sonne

Und die Aussicht ließ sich auch aushalten


Tage später

Ja ja.. das Internet auf Reisen. Nun haben wir seit einigen Tagen keinen Ort aufgesucht, bei dem wir lange genug stabiles Internet haben, um ausführlich die Blogeinträge, geschweige denn Bilder hochzuladen. Mittlerweile liegt Surfers Paradise schon wieder einige Hunderte Kilometer hinter uns.

Der Tag im Wasserpark Wet'n'wild war erwarteterweise sehr nass und sehr wild. Einige Rutschen waren leider aus nebensaisonalen Gründen geschlossen, was uns nicht allzu sehr gefreut hat. Wir haben ausnahmsweise drüber hinweggesehen, haben wir ja nur den halben Preis bezahlt. Die Rutschen, die offen waren, haben dafür für umso mehr Spaß gesorgt! Mein persönlicher Favorit: der große Trichter! Man sitzt zusammen in einem schlauchbootartigen Gummisitz und wird dann nach einer großen Rutsche in einen Trichter geleitet, in dem es dann dank ausreichend Schwung nochmal ordentlich an den Wänden hoch und runter geht, bevor man aus dem Trichter in ein Becken gespült wird. Man vergisst absolut, wo oben und unten ist. Rutsche mit absoluter Bauchkribbel-Garantie! Die anderen Rutschen waren aber auch spaßig! Hab nur bei der Einen gekniffen. Nahezu stehend wird man durch eine Falltür in eine supersteile Rutsche gescheucht, um genug Schwung für den Looping zu haben. Nils hatte aber seinen Spaß! Die Schreie, die ich vom Zuschauerrang aus durch die rutschenden Plastikwände gehört haben, waren famos! Toller Tag!
Abends ging es dann zurück zu den anderen auf unseren Platz. Also doch noch zusammen, weil die anderen sich dazu entschlossen haben, den Aufenthalt in Surfers Paradise noch um eine weitere Nacht zu verlängern. 

Spaß im Wasserpark - huiii

Nils und seine geliebte Looping-Draufgänger-Rutsche


Brisbane

Anschließend ging es nach Brisbane. Eine Stadt wie eine Mischung aus Perth, Melbourne und Sydney. Wir haben in unserem paarstündigen Aufenthalt dort nicht so richtig durchschaut, was Brisbane gern ausstrahlen will. Die City ist voll mit Menschen, die hochprofessionell und schwer beschäftigt aussehen. Jeder Mann trägt Anzug, jede Frau Kostümchen. Ne ne.. nicht so unser Ding. Da man in der Stadt nirgends auch nur ein Stündchen kostenlos parken darf (dafür kann man gern mal 10$ lockermachen), haben wir etwas auswärts in einem Industriegebiet geparkt und da erstmal geluncht. Arthur immernoch mit dabei. Und wie kommen wir nun in die Stadt? Das war das Schöne an unserem Tagesausflug in die Stadt: vom Parkplatz einige Fußminuten entfernt haben wir einen Anleger gefunden, an dem die Fähre in die Stadt schon auf uns gewartet hat! Endlich wieder auf's Boot. Da hüpft das Hamburger Herz! 

ein Stückchen Brisbane vom Fluss aus


Sunshine Coast

Bitte was? Ja.. wer auch immer sich diesen Namen ausgedacht hat. Es regnet leider seit wir angekommen sind. Zwischendurch hört es auf, die Sonne kommt sogar raus und wir denken: Los, ab an den Strand! Aber nein! Zack – da regnet es auch schon wieder. Das Wetter schlägt hier dermaßen schnell um, dass man kaum Pläne für die nächste halbe Stunde schmieden kann. Also geben wir diesem Ort noch eine letzte Chance und bleiben eine weitere Nacht. Wenn sich das morgen aber nicht ändert und mal stabiler schön bleibt, haken wir die Sunshine Coast als eine (zumindest im Mai) dreiste Lüge ab und ziehen weiter Richtung Sonne und Strand! Der Platz, auf dem wir die letzte Nacht verbracht haben, ist ein kostenfreier (leider auch klofreier) Parkplatz direkt an einem Bootsanlegeplatz. Sehr ruhig und schön da direkt am Wasser mit Blick auf die Stadt am anderen Ufer. Bei unseren französischen Nachbarn handelt es sich doch tatsächlich ausnahmsweise um sehr kompetente Englisch-Sprecher, mit denen wir gestern einen netten und feuchtfröhlichen Abend hatten. Wenn doch bloß der Regen nicht wäre (den wir jetzt gerade allerdings ziemlich gemütlich finden, während wir so Blog-schreibend im Auto sitzen und auf's Meer gucken. Direkt am Strand haben wir schnell noch die kalte aber klare Stranddusche ausgenutzt und fühlen uns jetzt wieder frisch und guter Dinge).

Aussicht auf den Hafen - "Sunshine Coast"

Grauer Himmel, mutiger Pelikan - Fütterung in Twin Waters /Sunshine Coast


Die Tradition verlangt es so, hier noch schnell mein Blog-Gruß, bevor wir uns eine Tankstelle mit kostenlosem WLAN suchen, um euch endlich mit Infos zu versorgen. Aujourd'hui, mon Blog-Gruß goes to: Justine! Ma chère Coucou, parlant des voisins français, je t'envoie un gros bisous et je te remercie beaucoup pour ton email! I'm happy to see you in Germany soon and hope to get more of your nice language-mixed-up emails! C'est beaucoup de fun! Salut à toute la famille!

Übrigens: Gestern in einem Monat landen wir wieder in Hamburg! Wir freuen uns riesig auf euch alle, auf Umarmungen, persönliche Gespräche, Kaffee trinken, Deutsche Leckereien Essen und zu Hause sein! Aber erstmal genießen wir noch weiter unsere Reise. Da müssen wir durch! Wir sind ja schließlich nicht aus Spaß hier..

Große Freude, die Nils mir gemacht hat: Buntstifte!! Unsere Reise auf dem Papier








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