Donnerstag, 29. Mai 2014

nach 3300 gefahrenen Kilometern

Wieder am Strand. Unsere Erwartung, hier an der Ostküste keine so schönen Strände zu finden wie im Westen, wurde inzwischen widerlegt. Sie sind anders. Es gibt mehr Leute (zumeist deutscher Herkunft), das Meer ist weniger türkis, dafür strahlend blau, es gibt mehr Surfer und Rettungsschwimmer, weniger Haie (die uns ja aber in Perth auch nie begegnet sind) dafür mehr kleine giftige Quallen und Sandflöhe (die sehen aus wie Mücken und benehmen sich auch so). Die Strandtage hier sind dennoch genauso entspannt. Angeblich ist hier in Agnes Water die letzte mögliche Badestelle, da weiter nördlich die erwähnten Quallen auftreten und es dann weniger empfehlenswert ist, im Wasser zu sein. 

Qualle mit Motte

Suchbild: Wo ist die Krabbe?

Achsoooo... Na, dann vielen Dank für dieses entzückende Geschenk!

Ölige Füße am Strand
Agnes Water ist ein schöner Fleck. Aber auch der Weg hierher muss nicht verschwiegen werden. Nachdem Sunshine Coast sich am letzten Tag doch noch von sonniger Seite gezeigt hat, sind wir als fröhliche Fünfergruppe weitergezogen. Noosa sollte uns nur eine Nacht beherbergen, hier gab es dann doch nicht allzu viel Spannendes zu sehen. Also nur schnell auf den Bauernmarkt und noch mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Auch ein „German Bread“ sollte dieses Mal in unserem Einkaufskorb landen. Die Hoffnung war groß, dass der Berliner Bäcker sich an traditionelle Rezepte hält und uns ein Brot liefert, dass nicht schwammig weich und kernlos ist. Leider war auch die Enttäuschung nicht kleiner. Geschmacklich zwar körnig und lecker, aber wie gehabt australisch knautschbar. Was freuen wir uns inzwischen auf eine satte, echte Scheibe Schwarzbrot.. und Krabbensalat.. und Quark.. und und und..

 Also nach dem Markt weiter mit Senfbert. Die App führte uns in einen kleinen Ort namens Tiaro. Nicht an der Küste. Keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Nichts besonderes. Aber ganz besonders gastfreundlich! Der kostenlose Platz bot uns eine WARME Dusche, saubere und sogar nachts beleuchtete Toiletten, superviel Platz und sogar Trinkwasser, das ausschließlich den Reisenden zustand. Ein Schild neben dem Wasserhahn klärte auf: Dieses Wasser ist nur für die Reisenden gedacht. Die Anwohner wurden gebeten, davon abzusehen, sich daran zu bedienen. So willkommen haben wir uns selten gefühlt. Es stellte sich heraus, dass der kleine unscheinbare Ort so lieb zu seinen Besuchern ist, damit diese den ein oder anderen Dollar in einem der kleinen Dorfläden lassen. Gern geschehen! Auf diese Weise gab es frisches Essen aus dem Supermarkt und vom Schlachter. Willkommen ins Tiaro! Aber echt!

Uns hat Tiaro sogar noch eine andere, ganz besondere Freude gemacht: ein neues Mitglied unserer Reisetruppe. Willkommen, Lina! Meine weibliche Unterstützung aus Regensburg, die aus dem testosteronüberladenen Quintett eine noch buntere und fröhlichere Gruppe gemacht hat. Bereits am ersten Abend in Tiaro hat die allein Reisende sich uns angeschlossen und ist geblieben.

Nachdem Lina, Sven und Jason nach zwei Nächten schonmal weitergezogen sind, haben Arthur, Nils uns ich das Kilo Rinderhack vom Schlachter eben allein verputzt. Der absolute Burger-Overkill, völlige Überfressung und kaum noch Kommunikationskompetenz bis zum folgenden Tag waren die Folgen. Und Genuss! Yummi, waren die lecker!

Weiter ging die wilde Fahrt auch für uns nach dritter Nacht in Tiaro Richtung Stadt – keine Großstadt, was uns ganz Recht war. Bundaberg ist bekannt für seinen Rum. Schon die nette Reiseagentin Marie (im Hostel in Melbourne, bei der wir das Auto gebucht haben, wir erinnern uns) hat gesagt, dass wir mit diesem Rum sehr vorsichtig umgehen sollen, da er wohl ziemlich aggressiv machen soll. Die Bundaberger, wenn man sie mal so nennen darf, haben mit ihrem Erscheinungsbild ebenfalls dazu beigetragen, dass wir von diesem Rum lieber mal die Finger gelassen haben. Entweder er hält jung und alle Menschen um uns herum waren so schätzungsweise 120 Jahre alt oder aber der Rum lässt superschnell altern und die Menschen um uns herum waren in Wirklichkeit alle Mitte 20 und sagen nur aus wie 120. Wir wollten nicht am eigenen Leib testen, welche Variante nun stimmte und verließen auch Bundaberg rumfrei und friedlich nach nur einer Nacht. (Auf dem nebenbei bemerkt schlimmsten Platz bisher. Ungemütlich und unsympathisch – ne ne.. weg hier!) Lina, die wir zufällig in Bundaberg im Cafe trafen (Australien ist ein Dorf), erzählte uns von Ihrem Plan, noch heute die Weiterfahrt anzutreten Richtung Agnes Water, was auch unser Ziel für die kommende Fahrt werden sollte. Allerdings auch erst, nachdem unser Navigationssystem angefangen hat, Straßen zu erfinden, die nicht da waren und wir das ursprüngliche Ziel nicht erreichen konnten. 

Unterwegs: Spontanes Fotoshooting am Ananasfeld
Und da waren wir. Agnes Water. Ein kleiner Ort mit netten Läden, wundervollen Stränden und Geldautomaten, die meine deutsche Bankkarte hassten. Der Platz war so schön, dass wir ausnahmsweise Geld dafür zahlten, sogar drei Nächte zu bleiben. Kalte Dusche, saubere Klos, wunderschöner Strand in Fußnähe, supernette Atmosphäre und alle sechs Reisenden wiedervereint. Das muss man ja genießen.

oh, wunderschönes Agnes Water

Nun läuft ja die Zeit aber leider nicht langsamer nur, weil es irgendwo besonders schön ist. Da Cairns ruft, wir das Auto tatsächlich schon fast bald wieder abgeben müssen, dürfen wir jetzt nicht so lange trödeln, wenn wir nicht später stressen möchten. Also haben wir in Agnes Water beschlossen, alle zusammen einen großen Kilometersprung zu wagen. Ein Australier, den wir unterwegs getroffen haben, berichtete uns von einem Platz namens Carmila Beach. Dieser liegt so ungefähr 500 Kilometer nördlich von Agnes Water und soll wunderschön sein. Da zwischen diesen beiden Orten wohl ohnehin nicht so viel Sehenswertes ist, zogen wir die weite Fahrt durch – alle zusammen und kamen dann mit fünf Autos und im Dunkeln hier an. Moment.. fünf Autos? Wir, Arthur, Jason und Sven, Lina – das müssten doch vier sein? Gut aufgepasst. Franzose Gaultier hat auf dem Highway beobachtet, dass da vier Autos Kolonne fahren. Da schließ' ich mich an, dachte er sich wohl und so wurden wir sieben. 
Der Platz im Hellen hat uns dann alle ziemlich umgehauen! Wir parken direkt am Strand, es gibt Toiletten, die Autos stehen schattig und heizen nicht auf. Ein so schöner Ort. Der perfekte Ort für einen besonderen Tag: Nils' Geburtstag!
Gestern wurde gefeiert. Mit teurem australischem Lieblingsbier, tollen Leuten, Musik, Lagerfeuer und Stockbrot haben wir den Tag am Strand verbracht und uns darüber gefreut, wie gut es uns geht! Genießen! Die letzten Wochen.. 

Sonnenaufgang am Carmila Beach (Ja, ich sagte AUFgang)
Party-Gemeinschaft! Happy Birthday, Nili!

Sieben auf einen Streich

Lina und Gaultier haben sich heute schonmal verabschiedet und fahren weiter gen Norden. Wir folgen morgen – weiterhin der Sonne entgegen! 

und wir verstehen uns immer noch!
 Der Blog-Gruß geht heute auch an ein besonders sonniges Gemüt! Juliane, meine Liebe, ich schicke dir warme Grüße von „deiner“ australischen Ostküste und freue mich schon sehr darauf, mit dir über das ganz eigene Völkchen – die Aussies – zu schnacken! Sehr schade, dass Zeit und Geld dafür sorgten, dass wir uns nicht hier gesehen haben. Freu mich auf dich!





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