Wieder am Strand. Unsere Erwartung,
hier an der Ostküste keine so schönen Strände zu finden wie im
Westen, wurde inzwischen widerlegt. Sie sind anders. Es gibt mehr
Leute (zumeist deutscher Herkunft), das Meer ist weniger türkis,
dafür strahlend blau, es gibt mehr Surfer und Rettungsschwimmer,
weniger Haie (die uns ja aber in Perth auch nie begegnet sind) dafür
mehr kleine giftige Quallen und Sandflöhe (die sehen aus wie Mücken
und benehmen sich auch so). Die Strandtage hier sind dennoch genauso
entspannt. Angeblich ist hier in Agnes Water die letzte mögliche
Badestelle, da weiter nördlich die erwähnten Quallen auftreten und
es dann weniger empfehlenswert ist, im Wasser zu sein.
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| Qualle mit Motte |
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| Suchbild: Wo ist die Krabbe? |
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| Achsoooo... Na, dann vielen Dank für dieses entzückende Geschenk! |
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| Ölige Füße am Strand |
Agnes Water ist ein schöner Fleck.
Aber auch der Weg hierher muss nicht verschwiegen werden. Nachdem
Sunshine Coast sich am letzten Tag doch noch von sonniger Seite
gezeigt hat, sind wir als fröhliche Fünfergruppe weitergezogen.
Noosa sollte uns nur eine Nacht beherbergen, hier gab es dann doch
nicht allzu viel Spannendes zu sehen. Also nur schnell auf den
Bauernmarkt und noch mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Auch
ein „German Bread“ sollte dieses Mal in unserem Einkaufskorb
landen. Die Hoffnung war groß, dass der Berliner Bäcker sich an
traditionelle Rezepte hält und uns ein Brot liefert, dass nicht
schwammig weich und kernlos ist. Leider war auch die Enttäuschung
nicht kleiner. Geschmacklich zwar körnig und lecker, aber wie gehabt
australisch knautschbar. Was freuen wir uns inzwischen auf eine
satte, echte Scheibe Schwarzbrot.. und Krabbensalat.. und Quark.. und
und und..
Also nach dem Markt weiter mit
Senfbert. Die App führte uns in einen kleinen Ort namens Tiaro.
Nicht an der Küste. Keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Nichts
besonderes. Aber ganz besonders gastfreundlich! Der kostenlose Platz
bot uns eine WARME Dusche, saubere und sogar nachts beleuchtete
Toiletten, superviel Platz und sogar Trinkwasser, das ausschließlich
den Reisenden zustand. Ein Schild neben dem Wasserhahn klärte auf:
Dieses Wasser ist nur für die Reisenden gedacht. Die Anwohner wurden
gebeten, davon abzusehen, sich daran zu bedienen. So willkommen haben
wir uns selten gefühlt. Es stellte sich heraus, dass der kleine
unscheinbare Ort so lieb zu seinen Besuchern ist, damit diese den ein
oder anderen Dollar in einem der kleinen Dorfläden lassen. Gern
geschehen! Auf diese Weise gab es frisches Essen aus dem Supermarkt
und vom Schlachter. Willkommen ins Tiaro! Aber echt!
Uns hat Tiaro sogar noch eine andere,
ganz besondere Freude gemacht: ein neues Mitglied unserer
Reisetruppe. Willkommen, Lina! Meine weibliche Unterstützung aus
Regensburg, die aus dem testosteronüberladenen Quintett eine noch
buntere und fröhlichere Gruppe gemacht hat. Bereits am ersten Abend
in Tiaro hat die allein Reisende sich uns angeschlossen und ist
geblieben.
Nachdem Lina, Sven und Jason nach zwei
Nächten schonmal weitergezogen sind, haben Arthur, Nils uns ich das
Kilo Rinderhack vom Schlachter eben allein verputzt. Der absolute
Burger-Overkill, völlige Überfressung und kaum noch
Kommunikationskompetenz bis zum folgenden Tag waren die Folgen. Und
Genuss! Yummi, waren die lecker!
Weiter ging die wilde Fahrt auch für
uns nach dritter Nacht in Tiaro Richtung Stadt – keine Großstadt,
was uns ganz Recht war. Bundaberg ist bekannt für seinen Rum. Schon
die nette Reiseagentin Marie (im Hostel in Melbourne, bei der wir das
Auto gebucht haben, wir erinnern uns) hat gesagt, dass wir mit diesem
Rum sehr vorsichtig umgehen sollen, da er wohl ziemlich aggressiv
machen soll. Die Bundaberger, wenn man sie mal so nennen darf, haben
mit ihrem Erscheinungsbild ebenfalls dazu beigetragen, dass wir von
diesem Rum lieber mal die Finger gelassen haben. Entweder er hält
jung und alle Menschen um uns herum waren so schätzungsweise 120
Jahre alt oder aber der Rum lässt superschnell altern und die
Menschen um uns herum waren in Wirklichkeit alle Mitte 20 und sagen
nur aus wie 120. Wir wollten nicht am eigenen Leib testen, welche
Variante nun stimmte und verließen auch Bundaberg rumfrei und
friedlich nach nur einer Nacht. (Auf dem nebenbei bemerkt schlimmsten
Platz bisher. Ungemütlich und unsympathisch – ne ne.. weg hier!)
Lina, die wir zufällig in Bundaberg im Cafe trafen (Australien ist
ein Dorf), erzählte uns von Ihrem Plan, noch heute die Weiterfahrt
anzutreten Richtung Agnes Water, was auch unser Ziel für die
kommende Fahrt werden sollte. Allerdings auch erst, nachdem unser
Navigationssystem angefangen hat, Straßen zu erfinden, die nicht da
waren und wir das ursprüngliche Ziel nicht erreichen konnten.
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| Unterwegs: Spontanes Fotoshooting am Ananasfeld |
Und da waren wir. Agnes Water. Ein
kleiner Ort mit netten Läden, wundervollen Stränden und
Geldautomaten, die meine deutsche Bankkarte hassten. Der Platz war so
schön, dass wir ausnahmsweise Geld dafür zahlten, sogar drei Nächte
zu bleiben. Kalte Dusche, saubere Klos, wunderschöner Strand in
Fußnähe, supernette Atmosphäre und alle sechs Reisenden
wiedervereint. Das muss man ja genießen.
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| oh, wunderschönes Agnes Water |
Nun läuft ja die Zeit aber leider
nicht langsamer nur, weil es irgendwo besonders schön ist. Da Cairns
ruft, wir das Auto tatsächlich schon fast bald wieder abgeben
müssen, dürfen wir jetzt nicht so lange trödeln, wenn wir nicht
später stressen möchten. Also haben wir in Agnes Water beschlossen,
alle zusammen einen großen Kilometersprung zu wagen. Ein Australier,
den wir unterwegs getroffen haben, berichtete uns von einem Platz
namens Carmila Beach. Dieser liegt so ungefähr 500 Kilometer
nördlich von Agnes Water und soll wunderschön sein. Da zwischen
diesen beiden Orten wohl ohnehin nicht so viel Sehenswertes ist,
zogen wir die weite Fahrt durch – alle zusammen und kamen dann mit
fünf Autos und im Dunkeln hier an. Moment.. fünf Autos? Wir,
Arthur, Jason und Sven, Lina – das müssten doch vier sein? Gut
aufgepasst. Franzose Gaultier hat auf dem Highway beobachtet, dass da
vier Autos Kolonne fahren. Da schließ' ich mich an, dachte er sich
wohl und so wurden wir sieben.
Der Platz im Hellen hat uns dann alle
ziemlich umgehauen! Wir parken direkt am Strand, es gibt Toiletten,
die Autos stehen schattig und heizen nicht auf. Ein so schöner Ort.
Der perfekte Ort für einen besonderen Tag: Nils' Geburtstag!
Gestern wurde gefeiert. Mit teurem
australischem Lieblingsbier, tollen Leuten, Musik, Lagerfeuer und
Stockbrot haben wir den Tag am Strand verbracht und uns darüber
gefreut, wie gut es uns geht! Genießen! Die letzten Wochen..
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| Sonnenaufgang am Carmila Beach (Ja, ich sagte AUFgang) |
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| Party-Gemeinschaft! Happy Birthday, Nili! |
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| Sieben auf einen Streich |
Lina und Gaultier haben sich heute
schonmal verabschiedet und fahren weiter gen Norden. Wir folgen
morgen – weiterhin der Sonne entgegen!
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| und wir verstehen uns immer noch! |
Der Blog-Gruß geht heute auch an ein
besonders sonniges Gemüt! Juliane, meine Liebe, ich schicke dir
warme Grüße von „deiner“ australischen Ostküste und freue mich
schon sehr darauf, mit dir über das ganz eigene Völkchen – die
Aussies – zu schnacken! Sehr schade, dass Zeit und Geld dafür
sorgten, dass wir uns nicht hier gesehen haben. Freu mich auf dich!
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