Weil das Gegenlicht so stark ist, sieht
der Mann auf dem glitzernden Wasser aus wie ein surfender Schatten.
Ich erkenne nur die Umrisse. Mit dem Laptop am Strand zu sitzen,
kommt einem kurz etwas daneben vor – sieht ja so nach Arbeit aus.
Das Gefühl vergeht aber schnell, weil ich ja weiß, dass es alles
andere als Arbeit ist. Mir fällt gerade kein Ort ein, der schöner
sein könnte jetzt in diesem Moment. Das Meer plätschert vor sich
hin und schiebt immer mal wieder kleine und größere Wellen an den
Strand. Um mich herum nur drei Leute. Nils, ein Lesender und ein
Surfer. Wo sind denn alle? Mich freut jedenfalls, dass es hier so
leer ist. Die Sonne gibt jetzt zum Winteranfang nochmal alles und
heizt die von der Nacht gekühlte Haut gut auf. Es ist erst zehn,
aber wir sind ja frühe Vögel seit wir mit dem Auto reisen. Wir
gehen ins mobile Bett, kurz nachdem es dunkel geworden ist, da wir
ansonsten wenig mit der anbrechenden Nacht anfangen können. Im
Dunkeln fahren wollen und sollen wir nicht. Wenn wir dann nämlich
etwas anfahren – ein Känguru oder ähnliches Groß-oder Kleinvieh,
sind die entstehenden Schäden nicht versichert. Also fahren wir kurz
nach Sonnenuntergang zurück zu unserem kostenlosen Rastplatz –
unserem Nachtdomizil. Die letzten zwei Abende konnten wir uns an der
Gesellschaft von Berliner Arthur erfreuen, der ebenfalls den
Rastplatz für sich entdeckt hat.
| Schuhe auf dem quietschenden Ostküstensand |
| spannende Wolken |
Willkommen ist man als sparsamer
im-Auto-Schläfer hier in Byron Bay nicht. Überall erinnern große,
hässliche Warnschilder an die 1000 Dollar, die sie von dir haben
wollen, wenn sie dich doch dabei erwischen, wie du dein Wohnauto in
irgendeiner Straße, auf einem Parkplatz oder sonstwo im Ort
strafparkst. Mit unserem pingelig errechneten Tagesbudget können und
wollen wir es uns nicht erlauben, den Campingplätzen in der Stadt
zig Dollar in den Rachen zu werfen. Nur elf Kilometer fahren wir aus
Byron raus zu unserem Parkplatz direkt am Highway. Laut aber absolut
bewohnbar. Nach Sonnenaufgang geht’s dann auch gleich wieder
zurück. Augen auf, Auto von Nacht auf Tag umbauen und dann wieder
rein die Stadt, um dort Strand und öffentliche Grillstationen zu
genießen.
Abgesehen von der
Camper-Unwillkommenheit gefällt uns Byron Bay ausgezeichnet. Wir
sind seit donnerstag hier und werden auch vor donnerstag nicht wieder
fahren. Ein Einheimischer hat uns erzählt, dass hier dann nämlich
ein großer Bauernmarkt stattfindet. Den wollen wir uns unbedingt
noch ansehen in der Hoffnung, für'n Appel und'n Ei ein bisschen
Obst, Gemüse und Fleisch zu bekommen. Der „normale“
Sonntagsmarkt war schon mal sehr schön. Am liebsten hätten wir alle
Preisschilder einfach ignoriert und uns komplett neu eingekleidet und
mit den leckersten Köstlichkeiten vollgestopft. Unsere Ausbeute an
Avocados, Passionsfrüchten und Bananen aus der unmittelbaren
Umgebung hat uns aber auch sehr glücklich gemacht. Für unsere
eingeschränkten Kochmöglichkeiten machen wir uns ziemlich gut. Wir
essen gar nicht so oft Nudeln wie erwartet und auch an das brotlose
Frühstück haben wir uns ziemlich gut gewöhnt. Eier, Obst und
Reiswaffeln begleiten den allmorgendlichen Kaffee und machen uns
erstmal für ein Weilchen satt.
| Frühstück in Senfbert der Höllenrakete |
Nach unserem zwei-nächtigen Aufenthalt
in der Kommune im Bongil-Bongil Nationalpark hatten wir nur einen
Zwischenstopp bevor wir hier angekommen sind. In Broadwater (für die
Google-Weg-Verfolger unter euch) haben wir Auto Senfbert direkt am
Fluss geparkt. Die App, die uns mit kostenlosen Parkplätzen
versorgt, hatte schon angekündigt, dass die Toiletten ziemlich
verbesserungswürdig wären, das stimmte leider. Ansonsten waren wir
auf dem Platz aber gut aufgehoben und Nils hat endlich seinen ersten
grünen Baumfrosch gesehen.
Anschließend ging es direkt nach dem
Frühstück hierher nach Byron Bay, wo wir genießen, nichts zu tun
und nichts zu sehen (also nichts neues, was unsere volle
Aufmerksamkeit beanspruchen würde). Wir verbringen den Tag am Strand
oder in der Stadt, bummeln durch die Straßen und machen uns lecker
Lunch. Abends gibt’s mal ein Glas Wein (beziehungsweise einen
Plastikbecher) bei Kerzenschein. Sehr romantisch!
A propos romantisch: nirgends habe ich
bisher Sonnenuntergänge gesehen, die so farbenfroh und grell sind
wie hier. Mit eher schwachen Erwartungen sind wir an die Ostküste
gekommen, was das angeht, weil wir ja wissen, dass die Sonne an der
Westküste über dem Wasser untergeht, was sehr schön aussehen kann.
Hier geht sie über dem Land unter, was bestimmt nicht halb so schön
aussieht, haben wir uns gedacht. Aber Pustekuchen! Wir wurden eines
Besseren belehrt und sind schon einige Abende in den Genuss tollster
Wolkenbilder gekommen. Seht selbst.
| atemberaubender Sonnenuntergang - immer so viel schöner MIT Wolken |
Im Surferort Byron Bay kann man nicht
eine ganze Woche bleiben ohne wenigstens ein Mal auf's Brett zu
steigen. Bei mir war dieser Versuch weniger erfolgreich als beim
letzten Surfversuch in Perth. Wahrscheinlich kann ich einfach nur mit
echten Profiwellen umgehen und mit so Anfängergeplätscher nichts
anfangen.. Ähm.. ja.. Um die fünf Stunden voll auszukosten, in
denen wir das Board gemietet hatten (überraschenderweise zu einem
erstaunlich günstigen Preis), habe ich das Handtuch geworfen und es
mir stattdessen auf selbigem in der Sonne gemütlich gemacht. Nils
hingegen hat auf dem Wasser eine echt sportliche Figur gemacht und
ist das erste Mal stehend die Wellen geritten. Heute danken es ihm
Muskeln und Knie, aber die Schmerzen war es wert. Neben viel Spaß
und einer Ladung wohlverdientem Stolz haben wir auch hier ein schönes
Bündel neuer Fotos gewonnen, die uns am Ende unserer Reise an all
die schönen Erlebnisse erinnern werden. Wo sollen die ganzen Fotos
bloß hin?
| Nils der Profisurfer |
Bei Fotos fällt mir ein, an wen ich
den heutigen Blog-Gruß richten möchte. Liebe Sabine T., auch wenn
das letzte Mal jetzt schon ein Weilchen her ist, erfreue ich mich
immer sehr an deinen Foto-Posts bei Facebook, die einen kleinen aber
sehr schönen bildlichen Eindruck aus der Heimat hier ans andere Ende
der Welt schicken. Die Fotos vom Hochwasser waren zwar beängstigend,
aber auch so schön! Vielen Dank für tolle Frühlings- und andere
Hamburgfotos und bitte mehr! Eine warme Umarmung an alle Tessis und
bis bald in „echt“!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen