Mittwoch, 7. Mai 2014

Willkommen in Byron Bay - oder auch nicht

Weil das Gegenlicht so stark ist, sieht der Mann auf dem glitzernden Wasser aus wie ein surfender Schatten. Ich erkenne nur die Umrisse. Mit dem Laptop am Strand zu sitzen, kommt einem kurz etwas daneben vor – sieht ja so nach Arbeit aus. Das Gefühl vergeht aber schnell, weil ich ja weiß, dass es alles andere als Arbeit ist. Mir fällt gerade kein Ort ein, der schöner sein könnte jetzt in diesem Moment. Das Meer plätschert vor sich hin und schiebt immer mal wieder kleine und größere Wellen an den Strand. Um mich herum nur drei Leute. Nils, ein Lesender und ein Surfer. Wo sind denn alle? Mich freut jedenfalls, dass es hier so leer ist. Die Sonne gibt jetzt zum Winteranfang nochmal alles und heizt die von der Nacht gekühlte Haut gut auf. Es ist erst zehn, aber wir sind ja frühe Vögel seit wir mit dem Auto reisen. Wir gehen ins mobile Bett, kurz nachdem es dunkel geworden ist, da wir ansonsten wenig mit der anbrechenden Nacht anfangen können. Im Dunkeln fahren wollen und sollen wir nicht. Wenn wir dann nämlich etwas anfahren – ein Känguru oder ähnliches Groß-oder Kleinvieh, sind die entstehenden Schäden nicht versichert. Also fahren wir kurz nach Sonnenuntergang zurück zu unserem kostenlosen Rastplatz – unserem Nachtdomizil. Die letzten zwei Abende konnten wir uns an der Gesellschaft von Berliner Arthur erfreuen, der ebenfalls den Rastplatz für sich entdeckt hat. 

Schuhe auf dem quietschenden Ostküstensand


spannende Wolken

Willkommen ist man als sparsamer im-Auto-Schläfer hier in Byron Bay nicht. Überall erinnern große, hässliche Warnschilder an die 1000 Dollar, die sie von dir haben wollen, wenn sie dich doch dabei erwischen, wie du dein Wohnauto in irgendeiner Straße, auf einem Parkplatz oder sonstwo im Ort strafparkst. Mit unserem pingelig errechneten Tagesbudget können und wollen wir es uns nicht erlauben, den Campingplätzen in der Stadt zig Dollar in den Rachen zu werfen. Nur elf Kilometer fahren wir aus Byron raus zu unserem Parkplatz direkt am Highway. Laut aber absolut bewohnbar. Nach Sonnenaufgang geht’s dann auch gleich wieder zurück. Augen auf, Auto von Nacht auf Tag umbauen und dann wieder rein die Stadt, um dort Strand und öffentliche Grillstationen zu genießen. 

Abgesehen von der Camper-Unwillkommenheit gefällt uns Byron Bay ausgezeichnet. Wir sind seit donnerstag hier und werden auch vor donnerstag nicht wieder fahren. Ein Einheimischer hat uns erzählt, dass hier dann nämlich ein großer Bauernmarkt stattfindet. Den wollen wir uns unbedingt noch ansehen in der Hoffnung, für'n Appel und'n Ei ein bisschen Obst, Gemüse und Fleisch zu bekommen. Der „normale“ Sonntagsmarkt war schon mal sehr schön. Am liebsten hätten wir alle Preisschilder einfach ignoriert und uns komplett neu eingekleidet und mit den leckersten Köstlichkeiten vollgestopft. Unsere Ausbeute an Avocados, Passionsfrüchten und Bananen aus der unmittelbaren Umgebung hat uns aber auch sehr glücklich gemacht. Für unsere eingeschränkten Kochmöglichkeiten machen wir uns ziemlich gut. Wir essen gar nicht so oft Nudeln wie erwartet und auch an das brotlose Frühstück haben wir uns ziemlich gut gewöhnt. Eier, Obst und Reiswaffeln begleiten den allmorgendlichen Kaffee und machen uns erstmal für ein Weilchen satt. 

Frühstück in Senfbert der Höllenrakete

Nach unserem zwei-nächtigen Aufenthalt in der Kommune im Bongil-Bongil Nationalpark hatten wir nur einen Zwischenstopp bevor wir hier angekommen sind. In Broadwater (für die Google-Weg-Verfolger unter euch) haben wir Auto Senfbert direkt am Fluss geparkt. Die App, die uns mit kostenlosen Parkplätzen versorgt, hatte schon angekündigt, dass die Toiletten ziemlich verbesserungswürdig wären, das stimmte leider. Ansonsten waren wir auf dem Platz aber gut aufgehoben und Nils hat endlich seinen ersten grünen Baumfrosch gesehen.

Anschließend ging es direkt nach dem Frühstück hierher nach Byron Bay, wo wir genießen, nichts zu tun und nichts zu sehen (also nichts neues, was unsere volle Aufmerksamkeit beanspruchen würde). Wir verbringen den Tag am Strand oder in der Stadt, bummeln durch die Straßen und machen uns lecker Lunch. Abends gibt’s mal ein Glas Wein (beziehungsweise einen Plastikbecher) bei Kerzenschein. Sehr romantisch!
A propos romantisch: nirgends habe ich bisher Sonnenuntergänge gesehen, die so farbenfroh und grell sind wie hier. Mit eher schwachen Erwartungen sind wir an die Ostküste gekommen, was das angeht, weil wir ja wissen, dass die Sonne an der Westküste über dem Wasser untergeht, was sehr schön aussehen kann. Hier geht sie über dem Land unter, was bestimmt nicht halb so schön aussieht, haben wir uns gedacht. Aber Pustekuchen! Wir wurden eines Besseren belehrt und sind schon einige Abende in den Genuss tollster Wolkenbilder gekommen. Seht selbst.

atemberaubender Sonnenuntergang - immer so viel schöner MIT Wolken

Im Surferort Byron Bay kann man nicht eine ganze Woche bleiben ohne wenigstens ein Mal auf's Brett zu steigen. Bei mir war dieser Versuch weniger erfolgreich als beim letzten Surfversuch in Perth. Wahrscheinlich kann ich einfach nur mit echten Profiwellen umgehen und mit so Anfängergeplätscher nichts anfangen.. Ähm.. ja.. Um die fünf Stunden voll auszukosten, in denen wir das Board gemietet hatten (überraschenderweise zu einem erstaunlich günstigen Preis), habe ich das Handtuch geworfen und es mir stattdessen auf selbigem in der Sonne gemütlich gemacht. Nils hingegen hat auf dem Wasser eine echt sportliche Figur gemacht und ist das erste Mal stehend die Wellen geritten. Heute danken es ihm Muskeln und Knie, aber die Schmerzen war es wert. Neben viel Spaß und einer Ladung wohlverdientem Stolz haben wir auch hier ein schönes Bündel neuer Fotos gewonnen, die uns am Ende unserer Reise an all die schönen Erlebnisse erinnern werden. Wo sollen die ganzen Fotos bloß hin? 

Nils der Profisurfer

Bei Fotos fällt mir ein, an wen ich den heutigen Blog-Gruß richten möchte. Liebe Sabine T., auch wenn das letzte Mal jetzt schon ein Weilchen her ist, erfreue ich mich immer sehr an deinen Foto-Posts bei Facebook, die einen kleinen aber sehr schönen bildlichen Eindruck aus der Heimat hier ans andere Ende der Welt schicken. Die Fotos vom Hochwasser waren zwar beängstigend, aber auch so schön! Vielen Dank für tolle Frühlings- und andere Hamburgfotos und bitte mehr! Eine warme Umarmung an alle Tessis und bis bald in „echt“!

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