Mir gegenüber ein lässiger Typ, der
über seiner Wollmütze große Kopfhörer trägt. Sein Laptop ist
voller Aufkleber, sein Fuß wippt im Takt eines Liedes, das ich nicht
höre. Neben ihm ein eingerollter, dünner Kerl, der versucht trotz
des lauten Footballspiels auf der großen Leinwand zu schlafen. Nils
und sein Couchnachbar drücken ihre Hintern gemütlich ins weiche,
schwarze Ledersofa. Neben mir flirtet ein Mädchen mit ihrer
Hostel-Bekanntschaft – er sichtlich angetan.
So gestalten sich die letzten Stunden
hier im wunderschönen Melbourne. Nach vier Tagen voller Regen und
Freude ist nun auch dieses Kapitel bereits kurz vor seinem Ende. In
ungefähr zwei Stunden kommt der Bus, der uns zum Flughafen fahren
soll. Hier im Aufenthaltsraum mit großer Bar, Kicker- und
Billardtischen, Snack- und Spielautomaten und der besagten Leinwand
und Couch entspannen wir vor der nächsten, diesmal ja nur kurzen
Reise. Bereits heute Abend sind wir im Zielort angelangt. Das
Flugzeug bringt uns in nur anderthalb Stunden über die eher
uninteressante australische Hauptstadt Canberra nach Sydney,
wo wir die nächsten elf Tage verbringen werden.
Wieso ist denn nun doch schon klar, wie
lange wir dort bleiben? Nachdem wir das Internet nach Autoangeboten
durchforstet haben und immer schlauer wurden, was die bürokratischen
Hintergründe des Autokaufes hier in Australien angeht, wurden wir
nicht nur immer unruhiger, sondern auch immer sicherer, dass wir das
umgehen wollen. Mit Hilfe der entzückenden Kanadierin Marie, die
hier im Hostel als Travel-Agent arbeitet, haben wir ein Angebot für
einen Mietwagen gefunden, das uns überzeugt hat und sogar in unsere
Kostenplanung passt. Also schnell zugeschlagen und nun um eine
Riesensorge leichter. Nach dem natürlich ausgebuchten
Osterwochenende können wir also am 23. unser neues Zuhause in Sydney
abholen und dann Richtung Norden durchstarten.
Zurück nach Melbourne: Auch außerhalb
des Aufenthaltsraums ist das Hostel, in dem wir alle drei Melbourner
Nächte verbracht haben, absolut empfehlenswert. Kostenloses
Frühstück und unbegrenzter Reis- und Nudelverzehr haben unsere Tage
zwar kulinarisch weniger wertvoll, dafür aber günstig gestaltet.
Mein Vier-Bett-Zimmer habe ich mit Nils und zwei weiteren
schnarchfreien Männern geteilt. Sowohl Rico aus Lübeck als auch Gianluca aus Italien waren angenehme Zimmergenossen und auch an
den leicht modrigen Geruch nach altem, feuchtem Teppich hatte man
sich nach einigen Minuten im Raum gewöhnt.
Schön zentral gelegen war jedes Ziel
einfach und schnell zu Fuß zu erreichen und so konnten wir uns ein
gutes Bild von der Stadt machen.
Wie schnell die Zeit hier vergangen
ist, kann ich kaum fassen. Trotz schlechten Wetters haben wir die
Stadt zu Fuß erkundet und uns sofort verliebt! Kultur begegnet einem
an jeder Ecke, seien es Straßenmusiker (die leider recht selten
waren – wir schieben es auf den Regen), vielfältige
Wandbemalungen, Statuen oder Plakate zu verschiedensten Ausstellungen
und Konzerten. Es gibt große Straßen und kleine Gassen mit
atmosphärischen Läden, Schicki-Micki und Punk,Touristen und
Einheimische, viele Brücken, die ebenfalls künstlerisch dekoriert
sind, moderne Hochhäuser hinter wunderschönen Altbauten,
Straßenbahnen, viele Autos und Fußgänger mit Schirmen. Die
Ampelschaltung wirkt hier typisch australisch willkürlich, so dass
sicher wieder einiges an Zeit wartend draufgegangen ist.
Steve hat unserer Reise hierher gestern
Abend nochmal ein besonderes Highlight bereitet. Vor Wochen hat er
mir Karten für das Footballspiel zweier Melbourner Mannschaften
gegeneinander geschickt. Unter dem Vorwand, sich das berühmte und
riesige „Melbourne Cricket Ground“ wenigstens mal von außen
anzusehen, spazierten wir also gestern die knappe Stunde durch den
Regen bis hin zum Stadion. Die Freude war groß, als ich die Karten
gezückt habe und klar war: Wir gehen da heute rein und sehen uns ein
Spiel an. Vorab noch gemütlich in einer Bar die sportliche
Atmosphäre auf uns wirken lassend, kamen wir mit einer Mutter mit
Teenager-Sohn ins Gespräch. Weil's so nett war, hatten wir dann auch
entschieden, welche Mannschaft wir unterstützen wollten: die
Richmond Tigers! Sohn Timothy war im Gegensatz zu uns natürlich
passend mit Schal in den Farben Schwarz und Gelb eingekleidet.
Spannendes Spiel, in dem „unsere“ Tiger leider von den bösen
Collingwood Magpies auf die Nuss bekommen haben.
Im Dunklen und sogar Trockenen zurück
zum Hostel hat uns die beleuchtete Stadt einen sehr schönen Heimweg
und viele tolle Fotomotive geboten.
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| Footy Player |
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| Ruhe vor dem Sturm |
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| Noch sind alle Stühle leer |
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| und Zack.. voll |
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| Melbourne Cricket Ground |
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| Palmen.. Eben immernoch Australien |
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| Straßenkunst in "Melburn" |
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| Aussicht auf dem Rückweg vom Stadion |
Die Latte war hoch gelegt und da musste
der heutige Tag erstmal zeigen, was er so drauf hat. Aber auch hier
hat Melbourne uns nicht enttäuscht. Den letzten Tag hier zeigte sich
dann doch tatsächlich mal die Sonne, die die ohnehin schöne Stadt
noch ziemlich aufpoliert hat. Glücklicherweise hatten wir uns eine
Aktivität aufgehoben in der Hoffnung, dass sich das Wetter doch noch
bessern würde und so ging es heute zum Eureka-Tower mitten in der
City. Innerhalb von 36 Sekunden im Fahrstuhl hoch bis in den 88.
Stock und dann die Rundumsicht auf die Stadt genießen. Die Stadien,
die Hochhäuser und bis hin zum Wasser und dem Flughafen – wir
kamen uns ein bisschen vor wie im Miniatur-Wunderland. Vor allem die
Bahnen und Bahnhöfe und die unrealistisch kleinen Menschen wirkten
eher wie beim Spielen mit der elektrischen Eisenbahn. Atemberaubende
Höhe und wunderschöne Aussicht! Zurück auf dem Boden der Tatsachen
angelangt, gingen die Blicke dann wieder nach oben Richtung
Hochhausdach und wir wieder Richtung Hostel, um (zur Vermeidung von
Abwechslung) mal Nudeln essen zu gehen. Als letztes
Melbourne-Erlebnis haben wir dann bei einem ausgesprochen köstlichen
aber günstigen Kaffee in einem süßen Café die Sonne genossen.
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| Eureka Tower. Da ging's rauf |
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| Und so sah's aus |
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| Netter Platz für Kaffee |
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| Großstadt und Meer |
Vier Tage. Drei verregnet. Alle
wunderschön! Melbourne, I'd love to see you again!
As it is Melbourne, there is only one person to send my traditional "Blog-Gruß" to. Jill, we just looove your home town. This nice city is definitely one of our favorite Aussie places! Thank you so much for everything you and John did for us! We really enjoyed spending so much "british" time with you and are looking forward to meeting you back in Perth - my Aussie home town. Lots of love for you and John!
Dieses Stadion ist SO VERRÜCKT !
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