Sonntag, 6. April 2014

Letzte Male

Sie begegnen mir ständig und überall. Der letzte Tag als Aupair, die letzten Stunden allein mit Leah, Lewis und James. Der letzte Montag, das letzte Wochenende. Das letzte Treffen mit Steve und letzte Lachanfälle mit Freundin Pia, die in den letzten Wochen zu einem so wichtigen Teil meines Lebens hier in Perth geworden ist. Das letzte Mal Hühnerfrikassee Kochen für die Kids, das letzte leckere Mal Lunch im Lieblingscafe „Yelo“. Der letzte Smoothie bei „Boost“, der letzte Burger bei „Grill'd“, das letzte Mal Zusammensitzen mit unseren lieben Hamburgern Thore und Luise. Das letzte Family Dinner am Mittwoch Abend, die letzte Folge Peppa Pig, das letzte Glas Wein mit Oma Jill und Opa John, die letzte Nacht im eigenen Bett, die letzte Dusche im eigenen Bad. Die letzten Stiche von Perther Mücken (hoffentlich), der letzte Blogeintrag aus meiner geliebten australischen Heimatstadt!

Der Schrank leert sich, die Koffer werden schwerer. Nicht zu schwer, wie sich gerade zeigt, komme ich glücklicherweise noch nicht ansatzweise an die erlaubte 30kg-Gepäckgrenze. Ein bisschen Platz ist auch noch und so bin ich guter Dinge, das nichts hierbleiben muss. Gut, nachdem ich ungefähr 50% meiner Kleidung im Vorhinein aussortiert habe und den Spendencontainer in den nächsten Tagen damit beglücken werde, hätte mich alles andere auch schwer gewundert. Was das angeht, bin ich inzwischen froh, dass die harte australische Sonne viele meiner Sachen gnadenlos zerstört hat, da fiel das Wegwerfen leicht.

Gestern hat Gastmama Michelle jeden zu einem großen Abschiedsabend eingeladen. Natürlich echt australisch mit BBQ. Die ganze Familie, Nils und Pia sind gekommen, um nochmal anzustoßen und anständig Tschüß zu sagen. (Nils hat natürlich nur „Prost“ gesagt, nicht Tschüß). Meine gebastelte Leinwand-Fotocollage kam gut an und ich habe mich sehr über ein süßes Fotobuch und ein großes Wandtuch gefreut, das mich in Hamburg an meine australische Familie erinnern wird. Auch wenn sich ein paar kleine Tränen nicht verdrücken ließen, haben sich alle tapfer gehalten und darauf konzentriert, die gemeinsame Zeit noch so gut wie eben möglich zu genießen.

Aber neben dem weinenden gibt es auch das lachende Auge. Wie wir alle wissen, geht ja eine Tür auf, wenn sich eine andere schließt und wenn sich die Tür „Perth“ vorerst schließt (ich lehne sie mal nur an), freuen wir uns auf das kommende Kapitel: Ostküste. In zwei Tagen geht es los nach Melbourne. Da ja bereits alles gepackt ist, überzeugt das Zimmer ohnehin weniger mit Gemütlichkeit, was das Aufbrechen vereinfacht. Für Unterkunft in Melbourne und Sydney ist bereits gesorgt. Das Internet wird täglich fleißig nach tollen Auto-Angeboten durchforstet und auch die wichtigsten Infos zu öffentlichen Verkehrsmitteln und solchen Späßen sind zu diesen beiden Städten schonmal eingeholt. Gewohnt organisiert geht es dann also zu den ersten beiden Etappen. Nach dem hoffentlich erfolgreichen Autokauf in Sydney lass ich dann mal völlig ungewohnt die Planzügel locker und mich auf den australischen Abenteurergeist ein. Wir schauen aber voller Vorfreude auf unser kommendes Leben auf den Straßen Australiens!
Und auf lauter erste Male.

Weder das erste, noch das letzte Mal, dass ich die letzten Zeilen nutze, einen persönlichen Blog-Gruß zu senden. Dieser geht heute an meine Oma Erika. Oma, ich weiß, dass du dir Sorgen darüber machst, ob wohl alles gut geht, wenn wir da so ganz allein am anderen Ende der Welt im Auto durch die Wildnis fahren. Aber ich kann dich beruhigen: Wir passen schön auf uns auf und erzählen dir dann alles ganz genau, wenn wir uns im Juni wiedersehen! Es wird alles gut gehen! Die Wildnis ist da, wo wir uns aufhalten werden halbsowild!

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