Sie begegnen mir ständig und überall.
Der letzte Tag als Aupair, die letzten Stunden allein mit Leah, Lewis
und James. Der letzte Montag, das letzte Wochenende. Das letzte
Treffen mit Steve und letzte Lachanfälle mit Freundin Pia, die in
den letzten Wochen zu einem so wichtigen Teil meines Lebens hier in
Perth geworden ist. Das letzte Mal Hühnerfrikassee Kochen für die
Kids, das letzte leckere Mal Lunch im Lieblingscafe „Yelo“. Der
letzte Smoothie bei „Boost“, der letzte Burger bei „Grill'd“,
das letzte Mal Zusammensitzen mit unseren lieben Hamburgern Thore und
Luise. Das letzte Family Dinner am Mittwoch Abend, die letzte Folge
Peppa Pig, das letzte Glas Wein mit Oma Jill und Opa John, die letzte
Nacht im eigenen Bett, die letzte Dusche im eigenen Bad. Die letzten
Stiche von Perther Mücken (hoffentlich), der letzte Blogeintrag aus
meiner geliebten australischen Heimatstadt!
Der Schrank leert sich, die Koffer
werden schwerer. Nicht zu schwer, wie sich gerade zeigt, komme ich
glücklicherweise noch nicht ansatzweise an die erlaubte
30kg-Gepäckgrenze. Ein bisschen Platz ist auch noch und so bin ich
guter Dinge, das nichts hierbleiben muss. Gut, nachdem ich ungefähr
50% meiner Kleidung im Vorhinein aussortiert habe und den
Spendencontainer in den nächsten Tagen damit beglücken werde, hätte
mich alles andere auch schwer gewundert. Was das angeht, bin ich
inzwischen froh, dass die harte australische Sonne viele meiner
Sachen gnadenlos zerstört hat, da fiel das Wegwerfen leicht.
Gestern hat Gastmama Michelle jeden zu
einem großen Abschiedsabend eingeladen. Natürlich echt australisch
mit BBQ. Die ganze Familie, Nils und Pia sind gekommen, um nochmal
anzustoßen und anständig Tschüß zu sagen. (Nils hat natürlich
nur „Prost“ gesagt, nicht Tschüß). Meine gebastelte
Leinwand-Fotocollage kam gut an und ich habe mich sehr über ein
süßes Fotobuch und ein großes Wandtuch gefreut, das mich in
Hamburg an meine australische Familie erinnern wird. Auch wenn sich
ein paar kleine Tränen nicht verdrücken ließen, haben sich alle
tapfer gehalten und darauf konzentriert, die gemeinsame Zeit noch so
gut wie eben möglich zu genießen.
Aber neben dem weinenden gibt es auch
das lachende Auge. Wie wir alle wissen, geht ja eine Tür auf, wenn
sich eine andere schließt und wenn sich die Tür „Perth“ vorerst
schließt (ich lehne sie mal nur an), freuen wir uns auf das kommende
Kapitel: Ostküste. In zwei Tagen geht es los nach Melbourne. Da ja
bereits alles gepackt ist, überzeugt das Zimmer ohnehin weniger mit
Gemütlichkeit, was das Aufbrechen vereinfacht. Für Unterkunft in
Melbourne und Sydney ist bereits gesorgt. Das Internet wird täglich
fleißig nach tollen Auto-Angeboten durchforstet und auch die
wichtigsten Infos zu öffentlichen Verkehrsmitteln und solchen Späßen
sind zu diesen beiden Städten schonmal eingeholt. Gewohnt
organisiert geht es dann also zu den ersten beiden Etappen. Nach dem
hoffentlich erfolgreichen Autokauf in Sydney lass ich dann mal völlig
ungewohnt die Planzügel locker und mich auf den australischen
Abenteurergeist ein. Wir schauen aber voller Vorfreude auf unser
kommendes Leben auf den Straßen Australiens!
Und auf lauter erste Male.
Weder das erste, noch das letzte Mal,
dass ich die letzten Zeilen nutze, einen persönlichen Blog-Gruß zu
senden. Dieser geht heute an meine Oma Erika. Oma, ich weiß, dass du
dir Sorgen darüber machst, ob wohl alles gut geht, wenn wir da so
ganz allein am anderen Ende der Welt im Auto durch die Wildnis
fahren. Aber ich kann dich beruhigen: Wir passen schön auf uns auf
und erzählen dir dann alles ganz genau, wenn wir uns im Juni
wiedersehen! Es wird alles gut gehen! Die Wildnis ist da, wo wir uns
aufhalten werden halbsowild!
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