Reichlich übermüdet von anderthalb
spannenden Wochen in Sydney melde ich mich ein letztes Mal umgeben
von stabilem Internet zu Wort. Die Zeit ist – wen überrascht es
noch – vergangen wie im Fluge. Nachdem wir die erste Woche warm und
geborgen bei einem lieben Sydney'er Pärchen direkt beim Coogee Beach
untergekommen sind, haben wir die letzten vier Nächte bei Maike im
Stadtteil Camperdown verbracht. Wir können uns absolut glücklich
schätzen, da all unsere Gastgeber sich von ihrer liebsten Seite
gezeigt haben und ja, sogar Sydney hat das dieses Mal getan!
Im November waren wir ja schon einmal
hier, haben Nils' Schwester Jana und meine liebe Bandkollegin Bine
getroffen. Dieses Mal sind wir mit eher geringeren Erwartungen in
diese große Stadt zurückgekehrt. Im letzten Jahr hatten wir viel
Regen, unsere Unterkunft war doch recht weit draußen (in Marayong,
für alle, die es googlen wollen) und somit waren die fünf Tage doch
eher zäh und leider weniger beeindruckend. Dieses Mal hingegen hat
Sydney bewiesen, dass es die richtige Entscheidung war, ihm noch eine
Chance zu geben. „Lass uns doch, wenn wir die Ostküstentour
machen, Sydney einfach überfliegen. Kennen wir ja jetzt, mögen wir
nicht!“ Gut, dass wir nochmal darüber nachgedacht und uns
korrigiert haben. Sydney kann also auch schön!
Wir hatten nun elf Tage, davon viele
sonnig. Wir waren touristisch in der Innenstadt unterwegs, haben uns
aber auch von den Insidertipps der hier Lebenden leiten lassen. So
führte unser letzter Spaziergang heute in den Nachbarstadtteil
Newtown – dem Schanzenviertel Sydneys! Wunderbar! Nebst günstigem
Lunch gab es eine Nase voll Buchladen und viele spannende und
farbenfrohe Schaufenster.
Auch die touristischen Attraktionen
sind im Sonnenschein natürlich gleich dreimal so schön, was dazu
geführt hat, dass die Kamera auf Hochtouren lief und die
Speicherkarte jetzt vollgestopft ist mit dem Sydney Opera House und
der schönen Harbour Bridge. Mit einer Prise Stolz darf ich auch in
dieser Stadt behaupten: Ich hab's geschafft! Ich bin drübergelatscht,
über die Brücke! Ziemlich hoch, muss man sagen, aber das
Zähnezusammenbeißen diente ja einem guten Zweck. Vielen Dank an
dieser Stelle nochmal an Papa und Heike für das schöne
Weihnachtsgeschenk. Unser ganz persönliches „Love-Lock“ hängt
jetzt hoch oben über Sydney und so können wir wenigstens an der
Ostküste für immer in Australien bleiben.
Fleißig gelaufen sind wir hier. Wir
haben einige Kilometer gemacht – viele zusammen mit anderen Touris,
manche allein und ungehetzt. Man lässt sich schnell mitreißen in
der Hektik dieser Großstadt. Hier ist alles so viel schneller als in
Melbourne und erstrecht schneller als in Perth. Der „Coastal Walk“,
ein Auf und Ab entlang der Küste von Coogee Beach bis hoch zum Bondi
Beach, war weit und wunderschön! Man muss aber wirklich sagen, dass
die ganzen Menschen uns langsam angefangen haben zu nerven. Wie
können so viele Leute an einem Tag die selbe Idee haben, was sie
machen wollen? Gut, es ist nicht abwegig, das Meer sehen und
vielleicht eine Runde darin baden gehen zu wollen. Aber das ständige
Gedrängel und Geschiebe hat das entspannte Natur-Gucken leider etwas
madig gemacht. Meine Fotografenseele hat es außerdem bluten lassen,
dass ständig und in jedem Bild Menschen zu sehen waren, die sich
einfach frech von allen Seiten hineingeschoben haben. Weniger
erfreulich. Somit also lieber wieder mit bloßem Auge die Aussicht
genossen anstatt durch den Sucher.
| der schöne Coogee Beach |
Den Tag auf dem Flohmarkt in Rozelle
haben wir dafür umso mehr genießen können. Keine Touristen, kein
Gedränge. Stattdessen tolle Stände, herrlich riechendes Essen und
eine Zwei-Mann-Live-Jazzband vom Allerfeinsten. Ein wunderbarer Tag
bei wunderbarem Wetter in einem wunderbaren Stadtteil! Darauf einen
Kaffee!
Morgen geht es nun schon weiter.
Unvorstellbar, dass es die letzte Nacht im richtigen Bett sein wird,
aber wir freuen uns tierisch auf unsere kleine, neue, fahrbare
Einzimmerwohnung und unser schönes Abenteuer ohne Plan, Zwang und
Dusche. Noch ein einziges Mal den Wecker stellen, um pünktlich zu
sein, um all unser Hab und Gut in den Kofferraum zu laden. Dann geht
es erstmal zum Einrichten, eine Matratze muss her, Kissen, Decken..
was man zum Wohnen so benötigt.
Die Flasche Rotwein zum Anstoßen auf
unseren ersten gemeinsamen Autoreise-Abend haben wir schon!
Prost sage ich heute in meinem
traditionellen Blog-Gruß meiner lieben Freundin Wiebke! Ich hoffe,
es geht dir gut und freue mich immer, von dir zu lesen. Eine ganz
feste Umarmung nach Berlin, das hoffentlich immer bunter aussieht und
nach Frühling riecht!

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