Montag, 14. April 2014

Melbourne – neue Liebe

Mir gegenüber ein lässiger Typ, der über seiner Wollmütze große Kopfhörer trägt. Sein Laptop ist voller Aufkleber, sein Fuß wippt im Takt eines Liedes, das ich nicht höre. Neben ihm ein eingerollter, dünner Kerl, der versucht trotz des lauten Footballspiels auf der großen Leinwand zu schlafen. Nils und sein Couchnachbar drücken ihre Hintern gemütlich ins weiche, schwarze Ledersofa. Neben mir flirtet ein Mädchen mit ihrer Hostel-Bekanntschaft – er sichtlich angetan.

So gestalten sich die letzten Stunden hier im wunderschönen Melbourne. Nach vier Tagen voller Regen und Freude ist nun auch dieses Kapitel bereits kurz vor seinem Ende. In ungefähr zwei Stunden kommt der Bus, der uns zum Flughafen fahren soll. Hier im Aufenthaltsraum mit großer Bar, Kicker- und Billardtischen, Snack- und Spielautomaten und der besagten Leinwand und Couch entspannen wir vor der nächsten, diesmal ja nur kurzen Reise. Bereits heute Abend sind wir im Zielort angelangt. Das Flugzeug bringt uns in nur anderthalb Stunden über die eher uninteressante australische Hauptstadt Canberra nach Sydney, wo wir die nächsten elf Tage verbringen werden.

Wieso ist denn nun doch schon klar, wie lange wir dort bleiben? Nachdem wir das Internet nach Autoangeboten durchforstet haben und immer schlauer wurden, was die bürokratischen Hintergründe des Autokaufes hier in Australien angeht, wurden wir nicht nur immer unruhiger, sondern auch immer sicherer, dass wir das umgehen wollen. Mit Hilfe der entzückenden Kanadierin Marie, die hier im Hostel als Travel-Agent arbeitet, haben wir ein Angebot für einen Mietwagen gefunden, das uns überzeugt hat und sogar in unsere Kostenplanung passt. Also schnell zugeschlagen und nun um eine Riesensorge leichter. Nach dem natürlich ausgebuchten Osterwochenende können wir also am 23. unser neues Zuhause in Sydney abholen und dann Richtung Norden durchstarten.

Zurück nach Melbourne: Auch außerhalb des Aufenthaltsraums ist das Hostel, in dem wir alle drei Melbourner Nächte verbracht haben, absolut empfehlenswert. Kostenloses Frühstück und unbegrenzter Reis- und Nudelverzehr haben unsere Tage zwar kulinarisch weniger wertvoll, dafür aber günstig gestaltet. Mein Vier-Bett-Zimmer habe ich mit Nils und zwei weiteren schnarchfreien Männern geteilt. Sowohl Rico aus Lübeck als auch Gianluca aus Italien waren angenehme Zimmergenossen und auch an den leicht modrigen Geruch nach altem, feuchtem Teppich hatte man sich nach einigen Minuten im Raum gewöhnt.
Schön zentral gelegen war jedes Ziel einfach und schnell zu Fuß zu erreichen und so konnten wir uns ein gutes Bild von der Stadt machen.

Wie schnell die Zeit hier vergangen ist, kann ich kaum fassen. Trotz schlechten Wetters haben wir die Stadt zu Fuß erkundet und uns sofort verliebt! Kultur begegnet einem an jeder Ecke, seien es Straßenmusiker (die leider recht selten waren – wir schieben es auf den Regen), vielfältige Wandbemalungen, Statuen oder Plakate zu verschiedensten Ausstellungen und Konzerten. Es gibt große Straßen und kleine Gassen mit atmosphärischen Läden, Schicki-Micki und Punk,Touristen und Einheimische, viele Brücken, die ebenfalls künstlerisch dekoriert sind, moderne Hochhäuser hinter wunderschönen Altbauten, Straßenbahnen, viele Autos und Fußgänger mit Schirmen. Die Ampelschaltung wirkt hier typisch australisch willkürlich, so dass sicher wieder einiges an Zeit wartend draufgegangen ist.

Steve hat unserer Reise hierher gestern Abend nochmal ein besonderes Highlight bereitet. Vor Wochen hat er mir Karten für das Footballspiel zweier Melbourner Mannschaften gegeneinander geschickt. Unter dem Vorwand, sich das berühmte und riesige „Melbourne Cricket Ground“ wenigstens mal von außen anzusehen, spazierten wir also gestern die knappe Stunde durch den Regen bis hin zum Stadion. Die Freude war groß, als ich die Karten gezückt habe und klar war: Wir gehen da heute rein und sehen uns ein Spiel an. Vorab noch gemütlich in einer Bar die sportliche Atmosphäre auf uns wirken lassend, kamen wir mit einer Mutter mit Teenager-Sohn ins Gespräch. Weil's so nett war, hatten wir dann auch entschieden, welche Mannschaft wir unterstützen wollten: die Richmond Tigers! Sohn Timothy war im Gegensatz zu uns natürlich passend mit Schal in den Farben Schwarz und Gelb eingekleidet. Spannendes Spiel, in dem „unsere“ Tiger leider von den bösen Collingwood Magpies auf die Nuss bekommen haben.
Im Dunklen und sogar Trockenen zurück zum Hostel hat uns die beleuchtete Stadt einen sehr schönen Heimweg und viele tolle Fotomotive geboten. 

Footy Player

Ruhe vor dem Sturm

Noch sind alle Stühle leer

und Zack.. voll


Melbourne Cricket Ground


Palmen.. Eben immernoch Australien

Straßenkunst in "Melburn"

Aussicht auf dem Rückweg vom Stadion


Die Latte war hoch gelegt und da musste der heutige Tag erstmal zeigen, was er so drauf hat. Aber auch hier hat Melbourne uns nicht enttäuscht. Den letzten Tag hier zeigte sich dann doch tatsächlich mal die Sonne, die die ohnehin schöne Stadt noch ziemlich aufpoliert hat. Glücklicherweise hatten wir uns eine Aktivität aufgehoben in der Hoffnung, dass sich das Wetter doch noch bessern würde und so ging es heute zum Eureka-Tower mitten in der City. Innerhalb von 36 Sekunden im Fahrstuhl hoch bis in den 88. Stock und dann die Rundumsicht auf die Stadt genießen. Die Stadien, die Hochhäuser und bis hin zum Wasser und dem Flughafen – wir kamen uns ein bisschen vor wie im Miniatur-Wunderland. Vor allem die Bahnen und Bahnhöfe und die unrealistisch kleinen Menschen wirkten eher wie beim Spielen mit der elektrischen Eisenbahn. Atemberaubende Höhe und wunderschöne Aussicht! Zurück auf dem Boden der Tatsachen angelangt, gingen die Blicke dann wieder nach oben Richtung Hochhausdach und wir wieder Richtung Hostel, um (zur Vermeidung von Abwechslung) mal Nudeln essen zu gehen. Als letztes Melbourne-Erlebnis haben wir dann bei einem ausgesprochen köstlichen aber günstigen Kaffee in einem süßen Café die Sonne genossen.


Eureka Tower. Da ging's rauf

Und so sah's aus

Netter Platz für Kaffee

Großstadt und Meer
Vier Tage. Drei verregnet. Alle wunderschön! Melbourne, I'd love to see you again! 

As it is Melbourne, there is only one person to send my traditional "Blog-Gruß" to. Jill, we just looove your home town. This nice city is definitely one of our favorite Aussie places! Thank you so much for everything you and John did for us! We really enjoyed spending so much "british" time with you and are looking forward to meeting you back in Perth - my Aussie home town. Lots of love for you and John!


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